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Gegen laute Motorräder

Paris startet Lärm-Brigade

Die französische Hauptstadt hat eine Polizei-Sondertruppe aufgestellt, die gezielt gegen zu laute Motorräder vorgehen soll. Die Lärm-Brigade umfasst 40 Mann.

Die neu formierte Polizei-Abteilung ist speziell für ihre Lärm-Mission ausgebildet und geschult worden. Die Truppe, die ständig extra angeschaffte Geräuschmesssysteme mitführt, ist bereits seit Ende September 2019 im Raum Paris aktiv und hat seither schon rund 150 Zweiradfahrer verwarnt. Die Strafen für erwischte Lärm-Sünder liegen bei 90 Euro.

Wer manipuliert zahlt doppelt

Wird zudem eine Manipulation der Abgasanlage festgestellt, so wird die Strafe auf 180 Euro verdoppelt. Zudem werden die Lärm-Sünder mit einer Mängelkarte verpflichtet, ihr Zweirad wieder in einen vorschriftsmäßigen Zustand zu versetzen und dann bei der Polizei vorzuführen. Im Extremfall drohen Lärmsündern eine Beschlagnahmung des Fahrzeugs und sogar eine Haftstrafe.

Paris setzt zudem seit einiger Zeit auf sogenannte Lärm-Radarsysteme, die zu laute Fahrzeuge messen und dann auch registrieren.

Die europäische Gesetzgebung begrenzt die Lautstärke von Rollern und Motorrädern auf maximal 80 Dezibel, abhängig vom Hubraum. Die Messtoleranzgrenze liegt bei fünf Dezibel. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt einen Grenzwert von 65 Dezibel, ab dem eine Geräuschbelastung sich negativ auf die Gesundheit auswirken kann.

Motorräder werden als lauter wahrgenommen

Grundsätzlich sind Motorräder im Straßenverkehr gar nicht lauter als Autos, sondern eher leiser, jedenfalls in Sachen Pegel. Eine Studie zum Thema Motorradlärm im Auftrag der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg kam im Jahr 2010 zu dem Schluss, dass bei gleicher Geschwindigkeit der Emissionspegel von Motorrädern und Pkws etwa gleich hoch liegt. Die Autoren hatten die Messdaten von rund 17.000 Vorbeifahrten, darunter etwa 1.800 Motorräder, ausgewertet. Viele Motorräder waren sogar deutlich leiser als die Autos. Allerdings gab es vereinzelt besonders laute Motorräder, und die, so die Autoren, würden von den betroffenen Anwohnern vermutlich stärker wahrgenommen.

Denn es ist nicht der Schallpegel an sich, der stört, sondern die subjektiv empfundene Lautheit, die sich in psychoakus­tischen Messungen feststellen lässt. Motorradgeräusche werden der zitierten ­­Studie zufolge als deutlich lauter und damit lästiger empfunden als Pkw-Geräusche – bei 100 km/h sogar als doppelt so laut, obwohl der Schallpegel der gleiche ist. Musikwissenschaftler der Uni Wien ­kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Motorradgeräusche, so stellten sie in einer psychoakustischen Untersuchung fest, werden als besonders lästig wahrgenommen, weil sie „eine hohe Lautheit mit starkem Energiegehalt bei zwei bis vier Kilohertz, eine klangfarbliche Schärfe und ausgeprägte Rauigkeit“ aufweisen. Und: Versuchspersonen, die Motorrädern gegen­über negativ eingestellt waren, reagierten besonders empfindlich auf die Klänge.

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