Zu lange Bremswege: Jeder Zweite bremst länger – Studie zum Bremsweg auf dem Motorrad

ifz-Studie zum Bremsweg auf dem Motorrad
Jeder Zweite bremst länger als gedacht

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.08.2026
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ifz-Studie zum Bremsweg auf dem Motorrad
Foto: fact

Wie gut können Motorradfahrer ihren Bremsweg einschätzen, besonders in Notfällen? Das ifz hat diese Frage untersucht. Der Titel der Studie bringt es auf den Punkt: "Grenzen der Wahrnehmung beim Bremsen – Schätzung und Realität von Bremswegen mit dem Motorrad im Vergleich". Das Ergebnis ist ernüchternd: Fast jeder Zweite braucht mehr Strecke als geschätzt – je nach Tempo 46 bis 54 Prozent.

Über 200 Bremsungen von 50 Motorradfahrern

Die Untersuchung blieb nicht theoretisch. 50 Motorradfahrer testeten ihre Einschätzungen bei über 200 Gefahrenbremsungen auf dem ADAC-Übungsplatz in Recklinghausen. Dabei zeigte sich: Mit steigender Geschwindigkeit verschärfen sich die Fehleinschätzungen. Je schneller das Tempo, desto größer die Abweichung zwischen Erwartung und Realität – genau dort, wo es auf jeden Meter ankommt.

Warum liegen so viele falsch?

Laut ifz fällt es den meisten schwer, Bremswege korrekt einzuschätzen. Forschungsleiter André Lang erklärt: Viele verlassen sich auf ihr Bauchgefühl – eine riskante Grundlage. 58 Prozent der Teilnehmenden gaben an, ihre Schätzung vor allem darauf zu stützen. Doch ein paar Meter können über "gerade noch gut gegangen" oder "Unfall" entscheiden.

Die Studie liefert aber auch Hoffnung: Wer regelmäßig Gefahrenbremsungen übt, verkürzt seinen Bremsweg messbar. Auch Wissen über die eigene Bremsanlage zahlt sich aus. Beides führt zu besseren Ergebnissen – und damit zu mehr Sicherheit.

Distanzen falsch eingeschätzt: 50 Meter sind oft nur 30

Ein weiterer Teil der Studie beleuchtet die Wahrnehmung von Distanzen. Die Teilnehmenden sollten eine Strecke visuell abschätzen und in Metern angeben. Das Ergebnis: Die meisten überschätzten die Distanz – oft deutlich. Mit höherem Tempo wuchs die Abweichung.

Für den Alltag bedeutet das: Wer Distanzen überschätzt, glaubt oft, genug Abstand zu halten, tut es aber nicht. André Lang bringt es auf den Punkt: "Was wie 50 Meter aussieht, sind oft nur 30. " Wird dann auch noch der Bremsweg unterschätzt, entsteht ein gefährlicher Doppelirrtum.

Die wichtigsten Ergebnisse- 46–54 % der Fahrer brauchen mehr Bremsweg als geschätzt.
- Mit höherem Tempo steigt die Unsicherheit.
- 58 % verlassen sich auf ihr Bauchgefühl.
- Training und Wissen verbessern die Bremsleistung.
- Vielfahrer schätzen nicht besser als Wenigfahrer.

Vielfahrer und Alter: Keine Garantie für bessere Schätzungen

Die Studie widerlegt gängige Annahmen: Vielfahrer schätzen Bremswege nicht besser ein als Wenigfahrer. Auch das Alter liefert keine klaren Vorteile. Ältere Fahrer neigen dazu, Bremswege länger einzuschätzen, was zwar zu größeren Abständen führen kann, aber nicht automatisch präzisere Urteile bedeutet.

Fazit