Iran mit dem Motorrad: 37 Tage nur Highlights

Mit dem Motorrad unterwegs im Iran
37 Tage nur Highlights

ArtikeldatumVeröffentlicht am 11.01.2026
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Eigentlich ja ein Anti-Reiseziel. Wie seid ihr ausgerechnet auf den Iran gekommen?

Ich war sehr viel in Lateinamerika unterwegs und habe dort immer mal wieder Menschen getroffen, die im Iran waren und sehr positiv davon berichtet haben – im Gegensatz zu den Medien, wo das Land ja eher negativ dargestellt wird. Was im Hinblick auf das Regime ja auch stimmt, aber das Positive wird eben gar nicht erwähnt.

Und so hatte ich immer im Hinterkopf: Wenn ich mal Zeit habe, würde ich gerne mal mit dem Motorrad dorthin. Und diese Zeit habe ich, seitdem ich vor vier Jahren meinen Job gekündigt habe. Mit dem Reiz, dieses Land mal mit den eigenen Augen zu erleben und zu erfahren, habe ich dann meinen ehemaligen Arbeitskollegen und Motorradkumpel Hermann angesteckt.

Gab es bei der Einreise besondere Hürden oder Schwierigkeiten?

Das Visum war gar kein Problem. Wir hörten immer Horrorgeschichten wie: "Selbst wenn man ein Visum hat, kommt man nicht über die Grenze" oder "Es gibt drei Grenzübergänge von der Türkei in den Iran und nur am nördlichen geht’s" oder dass man sogar festgenommen wird. Wir konnten das nicht bestätigen, eher das Gegenteil. Allerdings hatten wir auch die Hilfe eines Iraners angenommen, der als Dienstleister für 20 Dollar bei den Grenzformalitäten unterstützt, was ich nur empfehlen kann.

Und wie sah es nach der Grenze aus? Konntet ihr euch ganz normal bewegen?

Auch im Land selbst: Wir sind nie kontrolliert oder angehalten worden, es war komplett konträr zu dem, was in den Medien herumgeistert. Wir haben auch andere Motorradreisende getroffen, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Es war wie in jedem anderen Land auch, wir hatten nie das Gefühl, irgendwie beobachtet oder verfolgt zu werden. Auch die Hotels konnten wir völlig frei wählen und spontan buchen.

Apropos: Es gibt zwar kein Facebook, aber mit einer SIM-Karte und einem VPN-Tunnel funktionierten auch Instagram, Whatsapp und das Internet ganz normal. Das einzige Manko: Durch die Sanktionen kann man nicht mit Kreditkarte bezahlen, daher mussten wir alles bar bezahlen. Und durch die Hyperinflation waren das ganz schöne Pakete Bargeld …

Habt ihr die Route vorab geplant?

Da nur fünf Wochen Zeit war, hatten wir nur eine grobe Route geplant. Der Zufall ist ja auch das Salz in der Suppe. "Bis Isfahan wäre gut, alles Weitere ist toll", dachten wir uns. Durch die negativen Schlagzeilen und Meldungen, dass Leute verhaftet wurden, war ich aber trotz allem verunsichert und ließ deshalb viel offen.

Nach dem Motto: Wenn es uns gefällt, fahren wir weiter, wenn nicht, dann war es das halt. Wir haben uns vorgetastet und haben es schließlich problemlos bis Isfahan geschafft. Ich wäre noch gerne weiter in den Süden, aber das war dann doch zu knapp für die paar Wochen. Isfahan war aber eine tolle Stadt und ein schöner Wendepunkt, dort sind wir drei Tage geblieben.

Das Stichwort "negative Schlagzeilen" ist schon ein paar Mal gefallen: Habt ihr unterwegs etwas davon mitbekommen?

Komplett unterschiedlich. Die Landbevölkerung war etwas konservativ, aber in der Stadt merkt man schon: Die Frauen sind nicht mehr verschleiert oder nehmen in Restaurants mal die Kopftücher ab. Die Menschen wissen ja, dass es anderswo Freiheiten, Offenheit und Toleranz gibt, aber können es nicht so ausleben, weil es die Sittenpolizei und so weiter gibt. Man spürt da schon den Druck von der Regierung auf die Bevölkerung, aber auch den Druck der Bevölkerung, die freier leben will.

Wie lief die Verständigung eigentlich?

Das Land hat über 80 Millionen Einwohner und davon ist gut die Hälfte unter 30, also ein junges und sehr gebildetes Land. Die meisten sprechen Englisch und sind generell sehr freundlich und hilfsbereit. Was auch interessant war, im Gegensatz zu Marokko zum Beispiel, wo man überall feilschen muss: Bei bestimmten Waren wird nicht gehandelt. Ich bemerkte schnell, dass der Iran eine uralte Kulturnation ist und eben komplett anders als viele orientalische Staaten.

Apropos Handeln, wie ist das allgemeine Preisniveau?

Wenn man in einem Fünf-Sterne-Hotel übernachten will, ist das auch sehr teuer. Aber einfachere Unterkünfte sind sehr günstig und Zelten kostet quasi gar nichts. Anderes Beispiel: Der Liter Sprit kostete einen Cent und Essen gehen ist auch günstiger als bei uns. Man kann dort natürlich Geld ausgeben, wenn man will, aber an sich kann man sehr günstig Urlaub machen.

Bei all der Gastfreundschaft: Gab es auch Situationen, wo ihr euch nicht willkommen gefühlt habt?

Wir haben wirklich keine einzige negative Erfahrung gemacht. Unterwegs trifft man immer freundliche Menschen, die auf einen zukommen, ein Foto machen wollen und interessiert sind. Man wird durchweg eingeladen, auch zum Essen oder sogar zum Übernachten, was wir aber nicht angenommen haben. Man muss halt wissen, dass dabei auch erwartet wird, dass man vielleicht ein kleines Geschenk dalässt. Die Iraner sind natürlich sehr interessiert, was bei uns so los ist, weil vieles im Ausland von der Regierung auch negativ dargestellt wird.

Was mich sehr überrascht hat, ist, wie positiv die Iraner Deutschland sehen. Das hängt sicherlich damit zusammen, dass auch noch ziemlich viele Mercedes-Lkw aus den Sechziger- und Siebziger-Jahren herumfahren, die haben schon Millionen von Kilometern auf dem Tacho. Die neueren, chinesischen Lkw würden teils schon nach ein paar Jahren kaputt sein, erzählte man uns. Da Deutschland so einen guten Ruf im Iran hat und es andersherum nicht genauso ist, habe ich mich schon fast etwas geschämt.

Wie sehr habt ihr euch eigentlich vor der Reise über Gepflogenheiten oder Sehenswürdigkeiten informiert?

Ich habe mich schon im Internet und in Reiseführern eingelesen – darum wollten wir ja auch unbedingt nach Isfahan, auf den Markt, ins kulturelle Zentrum, das musste schon sein. Im Reiseführer stand aber auch, dass es im Iran kein Klopapier gäbe. Wir hatten dann ganz viel feuchtes Klopapier eingepackt. Ich weiß nicht, ob das vielleicht früher so war, aber Toilettenpapier gab’s in jedem Hotel, in jedem Restaurant und in jeder Tankstelle.

Was gut dazu passt: Von den ganzen Embargos war nichts zu spüren, die Regale waren voll, in jeder Tanke gab es eine Espressomaschine, da haben zumindest wir als Touristen nichts gespürt. Auch Kettenspray, was es dort eigentlich nicht gibt, konnten wir irgendwie auftreiben. Mit genügend Geld gibt’s dort genügend Kanäle, über die man auch im sittenstrengen Iran alles bekommt. Beispiel Alkohol: Wir haben nichts getrunken, aber durchaus andere Touristen gesehen, die das teuer konsumiert haben.

Noch gar nicht erwähnt: Wie war das Motorradfahren eigentlich?

Also Isfahan in der Rush-Hour war für mich als Europäer sehr gewöhnungsbedürftig. Wirklich auf Tuchfühlung, aber das war auch ein Erlebnis. Aber über Land war es sehr entspannt und landschaftlich sehr schön!

Wieso fiel die Wahl auf die 250er-Hondas? Was fahrt ihr normalerweise?

Ich fahre eine Ducati 1100 Scrambler, Hermann hat sogar 18 Motorräder, darunter auch Transalp und Africa Twin. Im Iran sind maximal 250 Kubik erlaubt, was nicht für Touristen gilt, aber wir wollten sozusagen wie die Einheimischen reisen. Außerdem wollten wir Motorräder, die wir auch notfalls selbst reparieren können, dafür hatten wir ein paar Ersatzteile dabei. Und da man in der Türkei und im Iran sowieso nicht so schnell fahren darf, hatte das seinen Charme.

Durch die geringe Leistung mussten wir nicht einmal die Kette spannen und sogar die Reifen haben für die komplette Reise gereicht. Einfach perfekt! Andere Motorradfahrer waren mit großen Enduros mit Koffern und Topcase, Klappspaten und Ersatzkanister unterwegs, komplett überdimensioniert! Im Iran gibt’s gute Straßen und ein Tankstellennetz, bei dem nie die Gefahr besteht, dass der Sprit nicht reicht.

Wenn ihr sogar Ersatzteile dabeihattet: Den Fotos nach zu urteilen, musstet ihr euch beim Gepäck schon etwas einschränken, oder?

Richtig, wir haben relativ spartanisch gepackt. Aber es gibt ja überall Hotels, man fährt ja nicht in den Dschungel. Uns ist schnell aufgefallen, dass jedes größere Hotel einen Wäscheservice anbietet, wo wir unsere Klamotten immer mal durchwaschen konnten. Es wäre noch mit weniger gegangen, man muss halt die Dienstleistungen vor Ort in Anspruch nehmen. Wie gesagt: Andere, die wir getroffen haben, waren voll bepackt. Aber mit leichtem Gepäck zu reisen, ist viel angenehmer, und sei es nur beim Auf- und Abladen oder beim Rangieren.

Das klingt alles sehr positiv. Gab es trotzdem ein Highlight, das heraussticht?

[Nach kurzer Überlegungszeit] Es war schon der Gesamteindruck – die Landschaften, die kulturellen Sehenswürdigkeiten, die Gastfreundschaft. Vielleicht war Isfahan ein Mega-Highlight, als Metropole, geschichtlich, architektonisch, das Treiben auf den Märkten … Aber ich kann einzeln nichts herauspicken. Wir waren beide wie high von dieser Stimmung, das kann ich gar nicht in Worte kleiden. Und natürlich war mein Ex-Kollege Hermann auch der perfekte Reisepartner.

Was nimmst du von dieser Reise mit?

Wir haben dort eine andere Sicht auf die Dinge bekommen. Wenn ich heute irgendetwas in der Zeitung lese oder im Fernsehen sehe, bewerte ich das schon kritischer als früher. Es ist nicht der "Pariastaat" oder jener "Schurkenstaat". Das mag ja so sein, aber mir fehlt dabei oft ein anderer Blickwinkel und ich habe mittlerweile ein großes Problem mit derartigen Verallgemeinerungen. Es gibt eben überall gute und schlechte Menschen.

Auch das ist ein Grund, warum wir danach an die Presse wie die Günzburger Zeitung herangetreten sind. Nicht, um anzugeben, wie toll wir sind, sondern um Menschen anzuregen, selbst so eine Reise zu unternehmen und sich einen eigenen Eindruck zu machen.

Gibt’s trotzdem den ultimativen Tipp für Iran-Reisende?

Man sollte einfach die Angst hinter sich lassen. Das ist ein zivilisiertes Land mit über 80 Millionen Menschen – viele haben ein Auto, kleine Motorräder, es gibt eine Infrastruktur.

Ist die nächste Reise dorthin schon geplant?

[Lacht] Die Welt ist groß und bunt, da gibt es noch viele andere schöne Ecken. Ich mache bald erst mal eine kleine Weltreise für sechs Monate, nach Südostasien und über die Südsee nach Südamerika. Ich will den Iran als Reiseziel nicht ausschließen, weiß aber nicht, ob das Erlebnis beim zweiten Mal genauso intensiv wäre.

Fazit