Kawasaki Ninja ZX-25R im Fahrbericht

Kawasaki Ninja ZX-25R im Fahrbericht Mini Ninja im Drehzahlrausch

Sie sieht aus wie die WM-Maschine von Jonathan Rea, dreht aber viel höher. Die Kawasaki ZX-25R. PS durfte sie in Indonesien exklusiv ausprobieren.

Kawasaki Ninja ZX-25R Fahrbericht Kuntjoro
Kawasaki Ninja ZX-25R Fahrbericht
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Kawasaki Ninja ZX-25R Fahrbericht 15 Bilder

Wer je dabei war, wenn einer der guten alten Formel-1-Rennwagen mit Saugmotor aus der Boxengasse rausfuhr, wird dieses Klangerlebnis nie vergessen. Es fing mit tiefem Geblubber an, dann schwoll das Geräusch immer weiter an, und als es Frequenzen erreichte, wo man meinte, jetzt müsste endgültig Schluss sein, weil sonst alles auseinanderfliegt, kamen noch weitere 3.000 Umdrehungen. Jetzt erlebe ich so etwas wieder. Die Drehzahlmessernadel zuckt über das Ziffernblatt, das Kreischen unter mir wird immer schriller, der kleine Vierzylinder legt immer weiter zu. Erst bei 18.000/min schreitet der Begrenzer ein. Das Motörchen hat ganze 250 Kubik, dafür über 50 Pferdestärken, und es sprüht nur so vor Lebensfreude. Das grüne Energiebündel heißt Kawasaki ZX-25R und sieht aus wie die Werks-Ninja von ­Jonathan Rea, als sie noch zur Schule ging. Kawasaki hatte schon in den 1990er-Jahren die ZXR 250 mit Vierzylinder-Motor und allen Attributen des ZXR-750-Superbikes für den heimischen Markt im Programm, aber nur wenige Exemplare hatten Japan je verlassen. Diese legendäre Sport-Motorrad- und Hightech-Epoche ist längst Geschichte. Doch nun haben es die Grünen wieder gewagt, eine Vierzylinder-250er zu bauen. Leider wieder nicht für uns, sondern für Indonesien.

Wir hatten uns bei PS schon länger über dieses technische Juwel ergötzt. Weil ich zum Mandalika-GP nach Indonesien musste, habe ich mit der Geschäftsführung von Kawasaki Indonesien Kontakt aufgenommen und angefragt, ob ich eine testen könnte. Mit der Anfrage schickte ich einige PS-Artikel mit, und die Antwort war ein kurzes und knappes "Ja". Weil eine komplette Montur neben dem, was man für eine dreiwöchige Moto­GP-Reise benötigt, das Gewichtslimit jedes Ecomomy-Class-Gepäcks gesprengt hätte, riet meine Frau mir, die Ausrüstung von einheimischen Importeuren zu besorgen. Nur gut, dass sie aus Indonesien stammt und dort in der Szene so ziemlich jeden kennt. Als ich die Sachen abgeholt habe, kam die große Verwunderung. Bei ­Prime Gear, Importeur für Arai-Helme und Taichi-Kombis, begann der Geschäftsführer gleich von PS zu schwärmen. "Eine ganz tolle Zeitschrift! Einige sportlich orientierte Fahrer hatten Hefte aus Deutschland mitgebracht, seither kopieren wir die Online-Geschichten in den Übersetzer. Echt top, was die Jungs da draufhaben. Es ist mir eine Ehre, die Sachen zur Verfügung zu stellen." Die gleiche Begeisterung erlebte ich auch bei ­Kawasaki Indonesien. Damit ich in den gewaltigen Staus von Jakarta nicht ohnmächtig werde, bis ich an der Rennstrecke von Sentul ankomme, brachten mir zwei Mechaniker das Motorrad mit dem Transporter ins Fahrerlager und erledigten gleich alles von Benzineinfüllen bis Ketteschmieren und Luftdruckprüfen. Alpinestars-Importeur De Ride brachte mir die Stiefel ebenfalls ins Fahrerlager, ich kam mir vor wie ein Werksfahrer.

Dr. Jekyll und Mr. Hyde

Zunächst fährt sich die ZX-25R völlig unauffällig. Schon ab Standgasdrehzahl zieht sie an, man kann mit ihr genauso niedertourig fahren wie mit einem größeren Vierzylinder. Alles funktioniert leicht und präzise, der kleine Motor läuft seidenweich und fast völlig vibrationsfrei. Wenn man mit ihm im Verkehr mitrollt, ist er ganz leise. Die Sitzposition ist nur gemäßigt sportlich, man bekommt nicht gleich an der ersten Ampel schmerzende Handgelenke. Das war bei der alten ZXR 250 noch ganz anders. Ihr Lenker war kaum höher angebracht als die Sitzfläche der Bank, und selbst im Stadtverkehr musste man über 10.000/min fahren, wenn man die grüne Welle nicht verpassen wollte. Und wollte man auf der Landstraße beim Überholen nicht verhungern, waren zwei-, dreimal Runterschalten und Drehzahlen über 12.000/min angesagt. Sie war ein Galopper, die ZX-25R ist dagegen ein zahmes Dressurpferd.

Aber wehe, sie wird von den Zügeln gelassen. Das Gas auf Anschlag gedreht, kommt das typische Ninja-Erlebnis, wie man es von den größeren ZX-R kennt – nur noch mal deutlich lebendiger und mit viel mehr Drehzahl. Zuerst mischt sich ein Schlürfen aus der Airbox zum Auspuffklang, dann beginnt dieser immer heller zu werden, und der gesittete Dr. Jekyll verwandelt sich in einen schreienden Mr. Hyde. Das recht eng gestufte Getriebe mit seinen knackig-kurzen Schaltwegen wird von einem Quickshifter unterstützt. Nach oben lässt sich mit voll geöffnetem Gasgriff und ohne Kupplung schalten. Beim Runterschalten muss gekuppelt werden, die Elektronik erhöht über den Schaltsensor aber die Leerlaufdrehzahl und verhindert so ein Stempeln des Hinterrads.

Kawasaki ZX 25 R Turbo Trick Star
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Zunächst war die Rennstrecke von Sentul wegen einer Veranstaltung belegt, wir mussten auf die gleichnamige Gokartbahn ausweichen. Aber dort konnte der ZX-25R beim Handling umso mehr auf den Zahn gefühlt werden. Zunächst neigt man dazu, sie etwas zu überlenken. Hat man sich an ihre geniale Handlichkeit gewöhnt, fährt sie messerscharf dahin, wo der Fahrer hinschaut. Die vordere Einscheiben-Bremse mit radial montierter Vierkolbenzange ist sehr gut dosierbar, benötigt wenig Handkraft und verzögert das leichte Motorrad brachial. Auf meine Bitte hatte Kawasaki das ABS stillgelegt, um auf der Strecke quer in die Kurven reinbremsen zu können. Doch schon auf der Kartbahn fiel auf: Die nicht einstellbaren Federelemente sind den restlichen Fahrwerksqualitäten nicht gewachsen. Bevor der Vorderreifen seine Haftgrenze erreicht, wird die Front schwammig, die Hinterhand beginnt nach auf Zug überfahrenen Bodenwellen zu pumpen.

Als ich zu einem Boxenstopp herausfuhr, ­erwartete mich prominenter Besuch. Petrus ­Canisius, der 1996 Indonesiens erster GP-Fahrer war und heute ein großes Kawasaki-Geschäft betreibt, war vorbeigekommen. Offiziell, um zu fragen, wie es Manfred Fischer geht, mit dem er sich in den 1990er-Jahren angefreundet hatte, als dieser zusammen mit Peter Rubatto dem deutschen Winter entfloh und in Südostasien bei Rennen antrat. Wie meine Frau mir steckte, war dies die subtile Art von Kawasaki, nach dem Rechten zu sehen, ob ich mit ihrem kleinen Vierzylinder Herr der Lage auf der Rennstrecke bin. Canisius zeigte sich zufrieden und sagte gleich: "Das hier ist noch nicht das Wahre, du kommst nicht einmal in den vierten Gang. Lass uns nächsten Dienstag in Sentul fahren, da bringe ich meine eigene auch mit."

Kawasaki ZX-25R Rennversion
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250er fährt 190 km/h

Gesagt, getan. Auf der richtigen Rennstrecke konnte die kleine Ninja zeigen, was wirklich in ihr steckt. All das, was sie auf der Kartbahn zeigte, ging nun auch in den oberen Gängen. Diese schließen sauber an, wenn man den Motor bis zum Schaltblitz dreht, bleibt er ständig im effizientesten Bereich. Doch die einstige GP-Strecke ist mittlerweile voller Flicken und Bodenwellen, die die Grenzen der Federelemente noch mehr aufzeigten. Auf der Zielgeraden kam die 250er laut Tacho bis knapp 190 km/h. Das Motorrad von Canisius war mit einem Rennauspuff nachgerüstet, und ab dem vierten Gang zog er mir auf der Geraden auch dann davon, wenn ich aus der Zielkurve heraus früher ans Gas ging und zunächst auf ihn auflief.

Doch um auf dem Boden zu bleiben: Eine Yamaha R6, die mit auf der Piste war, flog auf der Geraden regelrecht vorbei und machte klar, dass die ZX-25R doch nur eine 250er mit knapp über 50 PS ist. Doch sie hat ihr Revier, wo sie den Großen die Nase lang ziehen kann: Auf den Bergstraßen reichen ihre Federelemente für den Grip, den die Straße bietet, und den Berg hinunter ist sie so ziemlich konkurrenzlos. Aber bei uns müssen sich die Besitzer größerer Bikes vorerst noch nicht vor ihr fürchten.

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