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Biken in der Corona-Krise - ein Kommentar

Meine Motorräder bleiben stehen

Die Corona-Krise trifft mit all ihren Auflagen auf schönes Wetter und den Start der Motorradsaison. Für Motorradfahrer stellen sich die Fragen: Darf ich fahren? Soll ich fahren? Oder bleibe ich zuhause? MOTORRAD-Redakteur Uli Baumann hat dazu eine klare Meinung.

Das Signal von Bundeskanzlerin Angela Merkel an alle Bürger ist eindeutig: "Bleibt zuhause, wenn es irgendwie geht. Oberste Priorität hat die Eindämmung der Corona-Pandemie." Eigentlich eine klare Ansage, die auf Solidarität und Einsicht setzt, allerdings mit kleinen Hintertürchen für die, die diese suchen und nutzen möchten.

In den von der Bundesregierung ausgegegebenen Regeln heißt es in Punkt 4:

"Diese Wege dürfen Sie machen:

- Sie dürfen die Wohnung verlassen, wenn es nötig ist.
- Sie dürfen die Wohnung verlassen, wenn Sie

  • zur Arbeit müssen,
  • einkaufen gehen,
  • zum Arzt müssen,
  • an ganz wichtigen Terminen teilnehmen,
    zum Beispiel an Prüfungen,
  • an der frischen Luft Sport machen
    oder spazieren gehen."

Auch zum Thema Reisen, äußert sich die Bundesregierung: Sind Reisen innerhalb Deutschlands noch möglich? Die Bundesregierung rät von allen Reisen ab, auch innerhalb Deutschlands. In allen Bundesländern gelten Kontaktverbote oder Ausgangsbeschränkungen. Übernachtungen soll es nur in notwendigen Fällen und "ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken" geben.

Können kann man vielerorts schon ...

In wieweit erlauben oder beschränken diese Vorgaben nun den Drang von Motorradfahrern ihrem Hobby zu fröhnen? Wo der Ausgang beschränkt und damit Motorradtouren tabu sind, regeln die Bundesländer jeweils selbst in ihren Verordnungen. Klar ist auch, dass das Ansteckungspotenzial auf einer Motorradtour eigentlich gleich Null ist. Solange man die Abstandsregeln – auch an Treffpunkten – einhält.

Aber ich finde: Es ist einfach ein Gebot der Stunde nicht gegen den Geist der staatlichen Regeln zu verstoßen. Diverse Verbands- und Interessensgruppenvertreter, die ich zu diesem Thema befragt habe, teilen meine Meinung. Nicht die freien Straßen zur eigenen Erbauung zu nutzen, während in Kliniken Menschen ums Überleben kämpfen und andere sich hautnah dem Virus stellen, um uns vor diesem zu bewahren. Und seien wir ehrlich: Motorradfahren ist gefährlich, egal wie sorgsam und vorsichtig wir unser Hobby ausüben. Schnell kommt es zu einem kleinen oder größeren Ausrutscher. Und natürlich erwarten wir dann schnelle und umfassende medizinische Hilfe. Hilfe, die unnötigerweise Kräfte bindet, die anderswo fehlen. Ja, wir fahren alle gut und sicher und ja, uns passiert eh nie was. Bis es dann doch passiert. Auch ist es nicht sehr solidarisch dieseits einer Landsgrenze zu fahren, während jenseits davon die Biker quasi Hausarrest haben.

Ich fahre nicht

Auch mir brennt der Kittel, wenn ich aus dem Fenster blicke, die Natur fühle, rieche und der schon leicht warme Wind über die Haut streicht. Seit über 30 Jahren fahre ich Motorrad, aus Leidenschaft. Ich fahre oft und fahre viel – eigentlich immer wenn es irgendwie geht. Für die neue Saison habe ich mir ein neues Bike gegönnt. Mensch und Maschine sind schon lange optimal vorbereitet.

Abdeckplanen-Vergleichstest-2019.
Klaus Herder

Und jetzt das: Leere Straßen, Sonnenschein und in der Garage stehen die fahrbereiten Motorräder und scharren mit den Profilblöcken. Das Herz sagt ja, das Hirn sagt nein. Jetzt Motorradfahren fühlt sich falsch an. Ich lasse meine Maschinen stehen, schweren Herzens, bis zu dem Zeitpunkt ab dem es wieder geboten ist zu fahren. Dem Zeitpunkt, ab dem ich wieder mit einem guten Gewissen Kilometer fressen kann. Und für meine Freizeitgestaltung bieten sich bis dahin auch andere Dinge an. Ach ja, ich wohne in Baden-Württemberg und dem Regelwerk nach dürfte ich fahren.