Aprilias MotoGP-Bike setzt auf einen cleveren Aero-Trick
Die neue Aprilia RS-GP26 birgt unter ihrer Verkleidung eine innovative Technik. Ein spezielles Luftkanalsystem ermöglicht es dem Fahrer, die Aerodynamik während der Fahrt zu steuern. Diese Idee erinnert an den F-Schacht der Formel 1 aus 2010.
Wie das System funktioniert und welchen Vorteil es Aprilia bringt, zeigte sich bereits beim Saisonauftakt der MotoGP.
Starker Start in Thailand
Beim ersten Rennen in Thailand beeindruckte Aprilia sofort. Marco Bezzecchi gewann klar, und weitere Aprilia-Fahrer belegten die Plätze drei, vier und fünf. Damit setzte der italienische Hersteller ein deutliches Zeichen an Serien-Champion Ducati.
Ein Schlüssel zu diesem Erfolg ist die verbesserte Aerodynamik der RS-GP26. Kurz vor Saisonbeginn erhielt das Motorrad ein Update, das in Fachkreisen für Gesprächsstoff sorgt.
Variable Aerodynamik in Aktion
Im Mittelpunkt steht ein Luftkanalsystem in der Verkleidung. Die Luft wird je nach Fahreraktion unterschiedlich geleitet. Der Clou: Auf Geraden kann der Fahrer mit Unterarm oder Ellbogen eine Öffnung blockieren, was den Luftstrom umlenkt und die Aerodynamik verändert.
Das Ergebnis sind zwei Aero-Konfigurationen:
- Mehr Abtrieb in Kurven bei offener Öffnung
- Weniger Luftwiderstand für Topspeed bei geschlossener Öffnung
Ein ähnliches Konzept kennt man aus der Formel 1.

Seitlich zu erkennen: Die Öffnungen an der Aprilia, die der Fahrer mit dem Ellenbogen/Unterarm verschließt.
Wachsende Bedeutung der Aerodynamik in der MotoGP
In den letzten Jahren hat die Aerodynamik in der MotoGP an Bedeutung gewonnen. Früher lag der Fokus auf geringem Luftwiderstand für hohe Geschwindigkeiten. Heute ist Abtrieb entscheidend, da er Stabilität beim Bremsen und Beschleunigen sowie die Kurvengeschwindigkeit verbessert.
Doch mehr Abtrieb bedeutet oft mehr Luftwiderstand, was auf langen Geraden wertvolle km/h kostet. Feste Aero-Elemente können diesen Spagat nicht lösen.
Parallelen zum F-Schacht der Formel 1
Formel-1-Ingenieure versuchten bereits, dieses Problem zu lösen. Bekannt wurde McLarens F-Schacht von 2010, der ebenfalls ein Luftkanalsystem nutzte. Der Fahrer blockierte eine Öffnung, um den Luftstrom zu verändern, was den Luftwiderstand auf Geraden verringerte, während in Kurven genug Abtrieb blieb.
Das System sorgte für Diskussionen, da Fahrer teils nur mit einer Hand lenkten, um den Luftkanal zu bedienen. Aus Sicherheitsgründen wurde es nach einer Saison verboten.
Aprilia setzt auf Einfachheit
Aprilia wählt eine einfachere Lösung mit ähnlichem Prinzip. Vorn in der Verkleidung befinden sich zwei Lufteinlässe. Die Luft wird durch Kanäle nach hinten geleitet. Eine ovale Öffnung neben dem Tank kann der Fahrer mit dem Ellbogen verschließen. Je nach Zustand ändert sich der Luftstrom.
In Kurven (Öffnung frei):
- Luft strömt nach hinten
- unterstützt die Aero-Elemente am Heck
- erzeugt zusätzlichen Abtrieb
Auf Geraden (Öffnung geschlossen):
- Luft wird nach unten umgeleitet
- tritt über kiemenförmige Öffnungen aus
- reduziert den Luftwiderstand
Erste Erfolge in Thailand
Beim Saisonauftakt in Thailand zeigte sich das Potenzial des Konzepts. In den Geschwindigkeitsmessungen lagen die Aprilia-Bikes vorn, und andere Fahrer hatten Mühe, auf den Geraden an der RS-GP26 vorbeizukommen. Nur KTM-Pilot Pedro Acosta verhinderte einen Vierfach-Erfolg von Aprilia.
Regelkonformität
Regeltechnisch bewegt sich Aprilia im Rahmen der MotoGP-Vorgaben. Das System hat keine beweglichen Aerodynamik-Teile; die Veränderung erfolgt durch die Körperhaltung des Fahrers. Anders als in der Formel 1 gehört das Verändern der Sitzposition auf einem Motorrad zum normalen Fahrverhalten, weshalb das Konzept erlaubt ist.





