Fahrbericht Husqvarna Vitpilen 701

166 Kg leichte Kurvensuchmaschine

Technisch basiert sie auf der KTM 690 Duke.
Kollege Thomas Schmieder bei der Fahrpräsentation der neuen Husqvarna Vitpilen 701 - in und um Barcelona.Die Sitzposition ist ungewohnt - hoher Sitz, sehr niedriger Stummellenker.Bei solch einer sportlich konzeptionierten Ergonomie passt es dann auch gut, dass die Fußrasten keinen Bodenkontakt suchen.Design-technisch orientiert sich die Husqvarna Vitpilen 701 zwar an klassischen Formen, interpretiert sie aber sehr modern.
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Die neue Husqvarna Vitpilen 701 bittet zum ersten Testlauf - und zwar in und um die Millionen-Metropole Barcelona. Unser Test-Redakteur berichtet von seinen ersten Fahreindrücken.

Erster Eindruck vom Fahrtermin mit der Husqvarna Vitpilen 701: Die schiebt sich aber schön leicht! Kein Wunder, zarte 166 Kilogramm vollgetankt verspricht Husqvarna für den stylischen Einzylinder. Zweiter Eindruck: 830 Millimeter  Sitzhöhe sind gar nicht mal so niedrig. Das sind dagegen die tief angeklemmten Lenkerstummel unter der oberen Gabelbrücke. „Bück dich hoch, zu einem großen Erlebnis“, scheint die Devise zu lauten. Also was nun? Cafe Racer oder sportiver Stadtflitzer? Beides. Und noch viel mehr. Die Gänge klicken sich wunderbar leicht durch, dank „Easy Shift“-System sogar ohne Griff zur hydraulischen Kupplung. Gut gemacht, dieser Schalt-Assistent.

Die neue Husqvarna Vitpilen 701 bittet zum ersten Testlauf und unser Test-Redakteur berichtet von seinen ersten Fahreindrücken.
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Erstaunlich stabil und präzise

Und dann verschwinden die Häuser in den Rückspiegeln und die Husqvarna Vitpilen 701 darf endlich ihre wahren Qualitäten offenbaren. Als schicke, aber eben auch durchaus dynamische Fahrmaschine nämlich. Schließlich bollert unter dir der  mächtigste Single aller Zeiten – dem Baukasten der Konzernmutter KTM sei Dank. Volle 75 PS kurbelt der mächtige 105er-Kolben bei 8.500 Touren auf die Kurbelwelle mit der großen Schwungmasse. Die Marschrichtung ist klar: Power kommt hier über die Drehzahl. Unter 3.000 Touren hackt der Eintopf unwillig, im sechsten Gang mag er sogar lieber 4.000/min als Mindest-Drehzahl haben. Das spürst Du auch ohne Blick auf die Balkenanzeige des LCD-Drehzahlmessers. Gleich zwei Ausgleichswellen minimieren derbe Vibrationen.

Die neue Husqvarna Vitpilen 701 bittet zum ersten Testlauf - und zwar in und um die Millionen-Metropole Barcelona. Also was nun? Cafe Racer oder sportiver Stadtflitzer? Beides. Und noch viel mehr.

In der Mitte wird der bassig-dumpf klingende Single dann richtig feurig, dreht und drückt, puncht mächtig los. Heißa, das kickt! Vor allem, wenn wie hier die Straßen schmaler und die Kurvenradien immer enger werden. Dann ist die Husqvarna Vitpilen 701 vollends in ihrem Element. Schnelles Umlegen von einer Seite auf die andere geht kinderleicht. Dieses Kurvensuchgerät huscht durch die Serpentinen, dass es die wahre Freude ist. Erstaunlich stabil und präzise zieht das Fliegengewicht seine Bahn. Und es gibt noch eine Überraschung: So zackig, wie die Husqvarna Vitpilen 701 in der Stadt um zweibeinige und vierrädrige Hindernisse zirkelt, so super-handlich bleibt sie bei höherem Tempo nicht: Fürs erste Einlenken in eine schnelle Kurve braucht es durchaus einen energischen Impuls. Offenbar baut der Stummellenker nur einen kleinen Hebelarm auf.

"Eine der schönsten Tankformen"

Handling-fördernd wirkt dagegen der recht schmale 160er-Hinterreifen. Bridgestone BT 21 geben sich haftfreudig und rollen schön rund bis zur Reifenkante ab. Aufsetzen? Ist für die Husqvarna Vitpilen 701 ein Fremdwort. Da raspelt nix. Und wenn man mal zu flott auf die nächste Kurve zuschießt, fangen die Brembo-Bremsen, unterstützt von einem Bosch-ABS, das Leichtgewicht sicher wieder ein. Der einzelne, radial montierte Vierkolbenstopper vorn reicht wirklich aus. Gefühlsecht bilden die Federelemente von WP mit 135 Millimeter Federweg das Asphaltrelief im Popometer ab, ohne einen darunter leiden zu lassen. Kompliment. An der von Haus aus eher komfortabel soft abgestimmten Upside-down-Gabel lassen sich Zug- und Druckstufen-Dämpfung im Nu und ohne Werkzeug verstellen. Sie kann eben auch sämig dämpfen.

Foto: Husqvarna
"Eine der schönsten Tankformen der Motorrad-Neuzeit", findet unser Test-Redakteur Thomas Schmieder. In der Redaktion erntet diese Aussage große Zustimmung, es gibt aber auch Kollegen, die sich mit der Vitpilen-Optik überhaupt nicht anfreunden können.

Eine gute Figur gibt die Husqvarna Vitpilen 701 bei jeder Kaffee-Pause ab: Neugierige Blicke, fragende Passanten lassen nicht lange auf sich warten. Es kommt gut an, dieses klassisch inspirierte und doch absolut moderne Design, mit dem markanten LED-Scheinwerfer und einer der schönsten Tankformen der Motorrad-Neuzeit. Dazu passt das quasi freischwebende Heck vorzüglich. Das ist keine Abdeckung, kein Einsitzer, sondern ein geschickt kaschierter Sozius-Sitz dahinten. Ein Passagier ist auf Kurzstrecken sogar recht passabel untergebracht. Leicht zu sein ist eine Tugend; das wird beim Fahren der Husqvarna Vitpilen 701 rasch klar. Diese Botschaft transportiert der sportiv-flotte Straßen-Single, erfüllt ohne direkte Konkurrenz eine fast vergessen geglaubte Motorrad-Kategorie mit neuem Leben.

Tja, da scheint dann der Preis von 10.195 Euro der größte Hemmschuh eines möglichen Erfolgs zu sein. Klar kann weniger mehr sein. Aber für zehn Riesen gibt es anderswo eben auch ziemlich knackige Twins und Triples – nicht zuletzt die neue, kantige KTM 790 Duke. Wünschen wir der unverwechselbaren neuen Onroad-Huskie also, dass die ihren Weg macht, Käufer findet.

Daten Husqvarna Vitpilen 701

Preis der Husqvarna Vitpilen 701: 10.195 Euro (zzgl. Nebenkosten). Verfügbar ab Ende März oder spätestens Anfang April 2018.

Technisch basiert die neue Husky auf der KTM 690 Duke: Einzylinder-Vierventiler, 693 cm³, 55 kW (75 PS) bei 8.500/min, 72 Nm bei 6.750/min, Stahl Gitterrohrrahmen, USD-Gabel, Einscheibenbremse vorn/hinten, Ø 320/240 mm, Sitzhöhe 830 mm, Tank 12,5 Liter, Gewicht ohne Benzin 157 Kilogramm.

Ansonsten spendiert Husqvarna der Vitpilen 701 einen hübschen Chrom-Molybdän-Stahl-Gitterrohrrahmen, eine von WP produzierte Gabel und ein ebenfalls von WP produziertes Federbein, hochwertige Brembo-Bremsen und ein modernes und abschaltbares ABS von Bosch.

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