Motobit App und Sentinel ausprobiert Motobit
Motobit App und Sentinel ausprobiert
Motobit App und Sentinel ausprobiert
Motobit App und Sentinel ausprobiert
Motobit App und Sentinel ausprobiert 8 Bilder

Motobit App und Sentinel im Test

Ausprobiert Motobit und Sentinel Bei Gefahr vibriert die Hand

Wer die Motobit App mit dem Sentinel für das Handgelenk kombiniert, bekommt Gefahren per Vibration gemeldet. MOTORRAD hat beides ausprobiert.

Apps zum Verbessern oder Verschönern des Motorradfahrens gibt es zuhauf. Die App Motobit möchte dabei eine Brücke schlagen zwischen dem Aufzeichnen der Fahrt, dem Analysieren des Fahrstils, dem Nutzen von Schwarm-Intelligenz und in Verbindung mit dem Sentinel dem Warnen vor Gefahren auf der Strecke. Viel Stoff. MOTORRAD hat die App und den Sentinel ausprobiert.

Motobit App

Die kostenlose Motobit App kann ohne den Sentinel genutzt werden. Hauptfunktion ist die Analyse des Fahrstils, die nach einer abgeschlossenen Tour über einen Server möglich ist. Dabei wird die Strecke über GPS und ein Open-Maps-System aufgezeichnet, Geschwindigkeiten und Beschleunigungen des Handy-Gyroskops errechnet. Darauf folgt eine Klassifizierung des Fahrstils in gemütlich, Touring, Sport und riskant. In welcher Kurve welcher Stil gefahren wurde, kann auf der Karte eingesehen werden. On top kommen noch die grafischen Anzeigen der Höchst- und Durchschnittsgeschwindigkeit, die Höhenmeter und eine Karte mit von anderen Nutzern markierten riskanten Kurven und stationären Blitzern.

App im Test

Im Test über gut 500 Kilometer über die eigene Hausstrecke zeigte die Auswertung gefühlt sehr akkurat die Geschwindigkeiten, Topografie und natürlich die riskanten Stellen an. Die von anderen Nutzern markierten gefährlichen Stellen zeigen sich verlässlich, nachvollziehbar und passend für alle Fahrstile: Auf meiner Hausstrecke sind nur die wirklich kniffligen Kehren als riskant markiert und nicht jeder flott gezogene Radius. Die stationären Blitzer sind vollständig und werden rechtzeitig zwischen 350 und 50 Metern Abstand angezeigt, je nach Funknetz. Eben dieses ist essenziell für die Funktion. Im tiefen Odenwald mit schwachem Mobilfunknetz braucht die Kommunikation mit den Kartenserver etwas länger. Da wird die ein oder anderen riskante Stelle schon mal nur knapp davor oder schon mittendrin angezeigt. Am Funknetz können die Entwickler wenig ändern, jedoch wurde die Genauigkeit nach dem ersten Feedback von MOTORRAD erhöht. Derzeit in einer Betaversion, aber bereits aktiv ist die Berechnung der Schräglage in Kurven. Da die über Lageveränderungen des Smartphones ermittelt wird, liefert nur eine fixierte Smartphone-Position am Motorrad genaue Werte. Die im Test auf öffentlichen Straßen erreichten Werte entsprechen mit maximal 44 Grad nicht den Werten, die Motorräder selbst über die IMU anzeigen.

Technologie & Zukunft

Erweitert um den Sentinel

Für 149 Euro erweitert der Sentinel in Form einer Smartwatch die App. Per Bluetooth werden Device und App gekoppelt. Nähert sich das Motorrad einer zuvor gemeldeten Stelle, dann gibt der Sentinel eine kurze und sehr starke Vibration an den Sentinel am Handgelenk ab. Im Test stellte sich nach kurzer Zeit unter Lederkombi und Sporthandschuh ein unauffälliges Tragegefühl ein und die Alarme waren nach gut 60 bis 70 Kilometer sehr vertraut und selbst in Phasen hoher Konzentration in schnellen Abschnitten zwar deutlich zu spüren, aber die anderen Sinneseindrücke nicht überlagernd. Fast intuitiv werden die Vibrationen wahrgenommen, ohne den Fokus auf die Straße zu verlieren. Sehr gut. Die Kapazität des Sentinel-Akkus verspricht eine hohe Reichweite. Auf den 500 Kilometern Fahrt ohne Zwischenladung per USB über den Zeitraum von einer Woche verbrauchten mit insgesamt 55 Warnungen gerade einmal 18 Prozent der Ladung.

Für wen ist das gemacht?

Die Motobit App allein macht durch das intuitive Bedienen und die übersichtliche Oberfläche viel Spaß. Die angezeigten Daten und Werte erhöhen, zumindest bei den ersten Fahrten, das selbstkritische Hinterfragen des eigenen Fahrstils. Hausstrecken-Feger wie der Chronist, ohne große Ambitionen neue Strecken außerhalb des Reviers zu erkunden, freuen sich über eine vollständige und umfangreiche Aufzeichnung der eigenen Fahrten. Aber: Rudelfahrern bietet die App die riskante Option sich selbst mit Schräglagenwerten zu pushen. Freunde der weiten und neuen Strecken können sich hingegen an recht genauen Warnungen über riskante Stellen freuen, die das eigenen Fahren und mit Sicht auf Blitzer den eigenen Führerschein sicherer machen. Aber: einen aufmerksamen, selbstverantwortlichen Fahrstil ersetzt der Sentinel nicht.

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Finde ich sehr informativ, werde ich unbedingt nutzen.

Fazit

Die App als Solo-Lösung ist gut gelungen, läuft stabil und ist nachvollziehbar. Das Bedienen ist intuitiv, die Oberfläche übersichtlich und interessant. Das Tracking per GPS und Open Maps funktioniert einwandfrei und die Analyse des Fahrstils am Ende birgt interessante Aha-Moment und schön Lerneffekte. Für eine kostenlose App fast Zuviel des Guten. Kritikpunkt: Ob die Berechnung und Anzeige der Schräglage wirklich Not machen, ist vor dem Vorhang der Fahrsicherheit zu verneinen. Selten stand höhere Schräglage für Fahrsicherheit.

Der Sentinel als Hardware für 149 Euro macht für Revierfahrer nur bedingt Sinn. Große Touren und Reisende bietet die Kombination deutlich mehr Sinn, da vollkommen fremde Strecken deutlich mehr Risiken verbergen. Und wenn die Strecken eher entspannt ist, dann sorgt der Warner vor stationären Blitzer ebenfalls für Entspannung.

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