Headwave TAG 2 ausprobiert Uli Baumann
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Headwave TAG 2 ausprobiert 19 Bilder

Headwave TAG 2 ausprobiert

Einfacher Musikgenuss unter dem Helm

Das Berliner Startup Headwave hat seinen Helmlautsprecher TAG für die Saison 2020 überarbeitet. Der TAG 2 soll 20 Prozent lauter geworden sein und 40 Prozent mehr Akkukapazität bieten. MOTORRAD hat den TAG 2 an diversen Helmen und auf verschiedenen Motorrädern ausprobiert.

Zunächst einmal Trockenübungen: Beim Gewicht – gewogen 144 Gramm – unterscheidet sich der TAG 2 nicht von der ersten Generation. Die erhöhte Flexibilität des neuen Gehäuses ist aber deutlich spürbar, was die Montage an verschiedensten Helmformen erleichtert. Beim Prinzip der Klangerzeugung blieb sich der TAG auch in der zweiten Generation treu: Während herkömmliche Lautsprecher eine Membran zum Schwingen anregen, nutzt TAG die Helmschale als Resonanzkörper. Dazu wird das Modul einfach per Klebepad hinten auf der Helmschale fixiert. Es müssen keinerlei Kabel verlegt werden. Kleiner Tipp für Rollerfahrer oder Biker, die ihren Helm auch in den Koffer oder das Helmfach packen: Prüfen, ob der Helm auch noch mit TAG ins Fach oder den Koffer passt.

Starke Schwankungen beim Klang

Um am eigenen Helm das optimale Klangbild und die beste Schallverteilung zu finden, sollten verschiedene Montagepunkte "trocken" ausprobiert werden. Dazu reicht es den TAG in der jeweiligen Position leicht an die Helmschale anzudrücken. Wir haben zahlreiche Helme ausprobiert und festgestellt, dass "weichere" Helmschalen aus Fiberglas tendenziell klangfreudiger agieren als "extrem steife" Helmschalen beispielsweise aus Kohlefaserlaminat. Stark lärmgedämmte Helme schlucken zudem hörbar Lautstärke. Der Klang an sich variiert stark. Je nach Helmschalentyp und Anbaupunkt reicht das Spektrum von schepprig und blass bis brillant und druckvoll. Konzertsaalatmosphäre stellt sich allerdings nie ein. Klangspielraum bieten zudem noch die Equalizer-Einstellungen auf dem Smartphone. Das subjektiv beste Klangerlebnis lieferte übrigens ausgerechnet ein Jethelm (Schuberth C1 Pro). Unsere Empfehlung daher: Im Fachhandel das TAG am eigenen Helm "trocken" ausprobieren. Unter dem Strich kommt das Klangbild des TAG aber nicht an das eines hochwertigen integrierten Helmsystems mit konventionellen Lautsprechern heran (Als Test-Referenz dienten Sena SC1M- und SC1S-Systeme). Wobei auch die klangverwöhnte Gehörgänge nicht zufriedenstellen. Zudem ist der TAG-Sound systembedingt auf Mono beschränkt.

Die Anbauproben haben aber auch gezeigt, dass viele moderne Helmkonstruktionen nicht mehr viel Spielraum für das Ankleben des TAG lassen. Spoilerelemente, Abluftöffnungen oder Aerodynamikkanten sorgen hier für eingeschränkte Montagemöglichkeiten.

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Leicht montiert und auch wieder demontiert

Das Ankleben muss im ersten Anlauf klappen, korrigieren geht nicht. Richtig verklebt sitzt das TAG bombenfest. Wer einen zweiten Versuch benötigt – es sind zwei Klebepads beigelegt (Zusatzklebepads kosten im Zweierpack 16,79 Euro). Jedoch: rückstandsfrei entfernen lässt sich das TAG mit sanfter Gewalt und einer alten Kreditkarte als "Schaber".

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Sound nur bis Tempo 100

Zurück zum Sound: Weil der TAG als Resonanzkörper die Helmschale nutzt, wird nicht nur der Kopf unter dieser, sondern auch die Umwelt und der Sozius ordentlich beschallt. Liefert der TAG 2 im Stand bei voll aufgedrehtem Regler noch eine bemerkenswerte Pegelstärke, so sinkt diese natürlich auf dem Bike bei zunehmendem Speed. Bis Tempo 90 gibt es noch ordentlich Sound, ab 100 km/h müht sich der TAG dann schon kräftig ab, um gegen die Fahrgeräusche anzukommen. Spätestens ab 120 km/h ist auf Naked Bikes dann definitiv Schluss mit Musikgenuss. Auf verkleideten Motorrädern verschiebt sich diese Maximal-Grenze typabhängig um zehn bis 15 km/h.

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Die neue, gut bedienbare, vierstufige Lautstärke-Regelung direkt am TAG 2 ist zwar ein nettes Feature, wird aber kaum gefordert, da man eh immer mit "Vollgas" unterwegs ist. Wirklich sinnvoll ist dagegen die Stummschaltoption – wer will schon überall mit voller Dröhnung auffallen.

Die Bluetooth-Kontaktaufnahme mit dem Smartphone funktioniert problemlos, wobei iOS-Geräte sich meistens einen zweiten Anlauf gönnen, bevor die Verbindung steht. Das TAG kann allerdings nur mit einer Bluetoothquelle gekoppelt werden. Wer Musik hören und navigieren möchte muss beides über das Smartphone einsteuern.

Genügend Ausdauer

Der Lithium-Polymer-Akku mit einer Kapazität von 800mAh garantiert einen vollen Fahrtag lang Musikgenuss (der Hersteller verspricht eine Akkulaufzeit von bis zu neun Stunden). Wer nur Navi-Ansagen hören möchte, könnte theoretisch 24 Stunden durchfahren. Nachgeladen wird per magnetischem USB-Kabel. Als optionale Steuerung für die Grundfunktionen (Lautstärke, Stopp, Lied vor/zurück) bietet TAG den Satechi Media Button (17,79 Euro) an.

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Der greift über eine Bluetoothverbindung direkt auf die Handysteuerung zu. Mit einem mitgelieferten Halteclip lässt sich die Fernsteuerung gut an einem Rohrlenker fixieren. Alternativ kann der Button per Klebepad am Fahrzeug befestigt werden. Die verbaute Knopfbatterie soll die Funktion für zwei Jahre sicherstellen. Die Bedienung mit Handschuhen erfordert höchste Treffsicherheit und mit Regen steht der Button auf Kriegsfuß – er ist, im Gegensatz zum TAG 2, nämlich nicht wasserdicht.

Fazit

Wer auf dem Motorrad nicht labern, sondern nur lauschen möchte liegt mit dem TAG 2 richtig. Brauchbarer Musikgenuss ist bis Tempo 100 – also im Stadt- und Landstraßenverkehr – möglich, wobei die Klangqualität stark vom genutzten Helm und der Anbauposition abhängt. Schüchtern darf man als TAG-Nutzer nicht sein, denn die Umgebung hört beim eigenen Musikprogramm immer mit. Die Montage ist kinderleicht, die Bedienung ebenfalls. Der Preis von 229 Euro ist nicht von Pappe, liegt aber um 70 Euro unter dem des Vorgängermodells.

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