Airbagweste fürs Volk – die Dainese Smart GO für 349 Euro

Dainese Smart GO
Die Airbagweste fürs Volk

ArtikeldatumVeröffentlicht am 16.10.2026
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Kaum zu glauben, aber wahr: Schon vor über dreißig Jahren wurden erste Experimente mit Luftkissen für Motorradfahrer durchgeführt. Das große Ziel: Die Sicherheit des Piloten soll verbessert werden. Die Inspiration eines Airbags kam logischerweise aus dem Automobilsektor. Die Umsetzung, einen Airbag um den menschlichen Körper zu schnallen, war jedoch einfacher gesagt als getan. Einer der ersten Pioniere auf dem Gebiet und der erste Tüftler überhaupt, der einen funktionstüchtigen Airbag für Motorradfahrer (und auch Skifahrer) präsentierte war Lino Dainese, damaliger Chef und Gründer des italienischen Traditionsunternehmens Dainese – und zwar im Jahr 1994!

Nur etwa 2 Prozent aller Motorradfahrer tragen einen Airbag

Heute ist der Airbag aus der Motorrad-Bekleidungsbranche nicht mehr wegzudenken und gilt als eine der bedeutendsten Entwicklungen der letzten Jahre. Zurecht: Ein Airbag kann vor leichten wie schweren Verletzungen schützen und im besten Fall Leben retten. Das Problem: Nur etwa zwei Prozent aller Motorradfahrer weltweit tragen einen Airbag. Die meisten der Luftikus-Verehrer sind dabei zudem eher im Motorsport als in öffentlichen Gefilden anzutreffen.

Die Gründe, weshalb ein Airbag selten bis gar nicht von dem – flapsig gesagt – Otto-Normal-Fahrer nicht getragen wird, sind individuell und doch in vielen Punkten gleich: Zu teuer, zu umständlich, zu schwer oder zu speziell und rein für sportive Ausflüge auf die Renn- oder Offroad-Piste erdacht.

Universale Airbag-Westen für Motorradfahrer

Gleichzeitig gibt es nur wenige Hersteller, die Airbags anbieten: Während es hunderte Helm- und Handschuh-Fabrikanten gibt, bauen nur eine Handvoll Firmen funktionstüchtige Airbagsysteme. Einer davon ist logischerweise Dainese, die anno 1994 auch den Grundstein für diese prägende Klamotte legten. Mit ihrer neuesten Kreation könnte sich der Airbag jedoch – endlich! – von einer eher nischigen, aber wichtigen Klamotte zu Standardausrüstung für Motorradfahrer entwickeln.

Dainese Smart GO wiegt nur 780 Gramm

Daineses neuester Streich wurde auf den Namen "Smart GO" getauft. Die Airbagweste der Italiener hat mit den kompliziert anzuziehenden Ganz- oder Oberkörper-Airbags, mit Ausnahme der hohen Sicherheit, nur noch wenig gemein. Fast schon mickrig wirkt die Weste, die ähnlich eines Küchentuchs zusammengefaltet und in einem Rucksack verstaut werden kann. Nur läppische 780 Gramm Gewicht gibt Dainese für die Weste an – also etwa ein Drittel des Gewichts von bisherigen Airbagsystemen.

Die Idee: Die Smart GO soll ein simples Produkt mit hoher Sicherheit sein, das jeder Zweiradfahrer – vom Pendler bis zum Tourenfahrer – schnell überziehen und ohne Umstände eine höhere Sicherheit im Straßenverkehr genießen kann. Die Luftkissen an Schultern, Brust und Rücken entsprechen der hohen Level-2-Schutzklasse, sind also vergleichbar mit fetten Protektoren in Leder- oder Tourenkombis, ohne jedoch am Körper aufzutragen.

Die Weste kann problemlos unter jeder Airbag-Ready-Motorradjacke oder sogar unter – oder über – einem Hemd oder Jackett getragen werden. Besonders für städtische Pendler kann die Smart GO so zum Gamechanger werden: Flott unter oder übers Hemd geschmissen, sorgt die Smart GO für einen bisher nie dagewesen Schutz beim alltäglichen Zweiradfahren.

Elektronisch gesteuerte Airbag-Westen im Vergleich

Airbagweste in Einheitsgröße

Auf unterschiedliche Größen verzichtet Dainese bei der Smart GO – sie passt jedem. Durch individuell einstellbare Strapse passt die Weste an jeden Körper. Schnell die Smart GO einem Kollegen oder Freund ausleihen für eine Fahrt? Gar kein Problem! Wie alle modernen Airbags verzichtet die Smart GO auf eine Reißleine zum Motorrad, sondern arbeitet elektronisch und vertraut auf intelligente Algorithmen sowie GPS. Kurzum: Mittels integriertem Beschleunigungsmesser und Gyroskop errechnet der Algorithmus Fahrdaten und überwacht den Zustand. Im Falle einer Sturzsituation löst der Airbag dann elektronisch aus.

Im Standbetrieb arbeitet die Weste genauso wenig wie andere Airbags – erst ab einer Geschwindigkeit von zehn Kilometern pro Stunde aktiviert sich das System automatisch. Logisch also, dass die Weste auch mal ab und an geladen werden muss. Ein kleines Problem: Bei den bisherigen Profi-Airbags aus dem Rennsport wurde gerne mal vergessen, den Airbag sachgemäß zu laden – ein Sturz ohne funktionierenden Airbag war dann die Folge.

Kann Powerbank oder Handy geladen werden

Der Clou bei der Smart GO: Sie kann während des Tragens mittels eines USB-Ports in einer Brusttasche mittels optionaler Powerbank oder Handy geladen werden. Einfach das Smartphone in die Brusttasche stecken, anschließen, fertig – die Weste bekommt Strom und ist ready to go. Ein nicht geladener Airbag ist somit beinahe ausgeschlossen. Mit voll aufgeladener GO-Powerbank kann die Weste 72 Stunden autark betrieben werden – falls mal kein Smartphone oder Ähnliches zur Stromversorgung zur Verfügung steht.

Rucksackadapter für die Dainese Smart GO

Für noch mehr Varianz gibt es im Zubehör einen Rucksackadapter, der einfach an die Rückseite der Weste per Magnetmechanismus angeheftet werden kann. So verwandelt sich die Smart GO in Windeseile von einer stinknormalen Weste in einen stylischen Rucksack, der auch abseits des Motorrads für eine gute Figur sorgt und von einem handelsüblichen Rucksack kaum zu unterscheiden ist. Mit seinen 15 Litern Fassungsvermögen geht sogar ordentlich was rein in den Airbag-Rucksack, sodass Arbeitende oder Pendler alles Nötige für den Arbeitstag verstauen können.

Preis: 349 Euro

Ein wichtiger Punkt: Der Preis muss stimmen. Hohe Kosten sind ein großer Kritikpunkt, weshalb viele Zweiradfahrer noch Abstand von einem Airbagsystem nehmen. Verständlich, beginnen die Preise doch meist bei 600 Euro plus – richtige High-End-Produkte kosten gut und gerne mal über 1000 Euro. Dainese geht mit der Smart GO auch hier einen anderen Weg und möchte allen den Zugang in die Airbag-Welt ermöglichen.

Der Preis für die Weste beläuft sich auf nur 349 Euro. Wer die Smart GO in einen Rucksack umfunktionieren will, bezahlt für das Rucksack-Modul nochmals 129 Euro – das ist aber kein Muss. Eine Ersatzpatrone kostet 69 Euro – die Smart GO kann drei Auslösungen vertragen, dann muss sie erneuert werden – und die optionale GO-Powerbank für 72 Stunden Dauerbetrieb belastet das Portemonnaie nochmals mit 69 Euro. Summa summarum kostet das Komplettpaket also 589 Euro. Wer auf den Schnickschnack verzichten kann, bezahlt nur die Weste – ein fairer Deal für hohe Sicherheit! Eine Sache betont Dainese dann aber noch: Die Weste ist einzig und allein für den Straßenbetrieb gedacht – Racer müssen weiterhin auf die spezialisierten Renn-Airbags vertrauen.

Fazit