Harley-Davidson Sportster Produktionsende 2022 Die letzte luftgekühlte Sporty ist gebaut

Mitte November 2022 wurde die letzte luftgekühlte Sportster gebaut. Damit ging eine 65 Jahre lange Ära zu Ende.

Harley Sporty Historie Harley-Davidson
Harley Sporty Historie
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Am 18. November 2022 kündigte ein einfacher Post bei Facebook an: Die letzte luftgekühlte Sportster läuft heute vom Band. Nachdem bereits 2021 in Europa Schluss war, ging gut 2 Jahre später nach 65 Jahren diese Ära endgültig zu Ende. Nicht nur eine lange, sondern eine erfolgreiche Geschichte, die MOTORRAD noch einmal kurz umreißt.

Die Geschichte der Sportster

1957 präsentierte Harley die Sportster als Nachfolgerin der K-Modellreihe, der kleinen Modellreihe. Sie trug das Typkürzel "XL 55" und stand für Jugend, Aufbruch sowie ganz Zeitgeist: Rebellion. Als dynamische Alternative zu den großen Tourenmaschinen aus Milwaukee trat sie gegen sportliche Wettbewerber an, die zu dieser Zeit vorwiegend aus Großbritannien kamen. Mit 45°-V2, mit im Kopf hängenden Ventilen, modernem Fahrwerks mit hydraulischer Telegabel und Hinterradschwinge mit zwei Federbeinen bot sie ihnen erfolgreich Paroli. Das Triebwerk, das im Gegensatz zu den klassischen Harley Big Twins eine Einheit mit dem Getriebe bildete, verfügte bis 1972 über einen Hubraum von 883 Kubik und leistet zunächst 42 PS, ab 1958 mit höherer Verdichtung 56 PS. Dem Urmodell folgten zahlreiche, immer wieder modellgepflegte und verbesserte Epigonen, sodass die Sportster zu "dem" US-Muscle-Bike der Sixties avancierte.

Mehr Spannung, mehr Sport

Mitte der 60er-Jahre stellte Harley das elektrische System auf 12 Volt um und verbaute ab 1967 einen elektrischen Anlasser. Drei Jahre später entstand mit der XR 750 eine an die Sportster angelehnte Werksrennmaschine, auf der Fahrer wie Cal Rayborn über die nächsten Jahrzehnte hinweg zahlreiche Siege auf Ovalkursen einfuhren und die XR lange Zeit zum erfolgreichsten Motorsport-Rad überhaupt machte.

Mehr Hubraum, mehr Revolution

Ab 1972 verbaute Harley den V2 mit 997 Kubik als XL-1000-Modelle. Zu den außergewöhnlichen Mitgliedern der Sportster Familie zählten die XLCR Cafe Racer, ein 1977 von Willie G. Davidson gestyltes, in tiefes Schwarz getauchtes Bike, und die 1983 eingeführte XR 1000, eine leistungsstarke Straßen-Replika des berühmten Flat Track Racers XR 750. Die Leistung der 1000er-Modelle lag bei 61 PS. Die Ironhead genannten OHV-Motoren blieben bis 1985 im Programm.

Harley-Davidson Sportster S Fahrbericht
Chopper/Cruiser

Evolution mit Aluminium

Ab 1986 präsentierte Harley die vollkommen neu konstruierte Evolution Motorengeneration mit 883 oder 1.100 Kubik in der Sportster ihren Dienst. Nicht zu verwechseln mit dem 1984 gezeigten Evo-Twin der Big Twin-Modelle. Der Evolution-Motor war in der Basis bis Ende 2022 im Dienst. 1988 erschienen die ersten 1200er-Sportster und 1991 schalteten Sportster Fahrer mit einem neuen Fünfganggetriebe. Für das Modelljahr 2004 präsentierte die Motor Company eine völlig neue Sportster Generation. Nun verfügten alle Sportster über einen noch stärkeren und in wesentlichen Bereichen überarbeiteten Evolution V-Twin, der über Silentblöcke schwingungsgedämpft mit dem neu konstruierten Rahmen verbunden war. Das Getriebe hatte schräg verzahnten Stirnrädern, die für hohe Laufruhe sorgten. Zum fünfzigsten Geburtstag der Baureihe im Jahr 2007 erhielt die Sportster Familie neben zahlreichen weiteren Modellpflegemaßnahmen eine elektronische Kraftstoffeinspritzung.

Die große Modelloffensive

Im Modelljahr 2008 startet Harley eine große Modelloffensive innerhalb der Sportster-Reihe. Mit der 1200 Nightster erschien die erste Sportster im Dark Custom Look. 2009 kam die Iron 883 hinzu. Im Prinzip eine Nightster mit dem 883er-V-Twin. Im Frühjahr 2010 brachte Harley mit der Forty-Eight einen Shootingstar der Baureihe auf den Markt. Ihr Name erinnerte an das Jahr 1948, in dem Harley-Davidson den Peanut Kraftstofftank einführte. 2014 hielt das Antiblockiersystem Einzug in die Baureihe, zudem verfügten die Sportster Modelle über eine vollständig neue Fahrzeugelektrik mit CAN-Datenbussystem, neuen Lenkerarmaturen und diversen Zusatzfunktionen im Tachometer-Display. Gekrönt wurde das Sport in Sportster im 2016 mit der Roadster, einer Sporty mit flachem M-Lenker, Doppelbremse vorn und durchweg sportlich-retrogradem Charme. Sie sollte das letzte wirklich neue Modell sein. Zwar hob Harley den betagten Twin 2016 nochmal in 48 und 883 Iron über die Euro-4-Hürde, die Totenglocke erklang allerdings in der Ferne. Und das, obwohl die 48 und die Iron auf der ganzen Welt noch ordentliche Stückzahlen brachte. Mit dem Sprung auf Euro 5 war in Europa und großen Teilen der Welt Schluss mit luftgekühlten Sportys, für die USA wurden beide Modelle im Leben gehalten. Im Novemer 2022 war selbst dort Schluss. Wobei: Ende 2022 zeigte Shineray einen neuen luftgekühlten V2, der exakt dem Evolution-Motor gleicht und die Marke SWM zeigte auf der EICMA einen Cruiser, der eine Sportster sein könnte.

Shineray SWM Custom V 1200 (EICMA 2022)
Chopper/Cruiser

Die neue Sportster

2021 debütierte mit der Sportster S eine völlig neue Sportster Generation. Wassergekühlter V2, 1.250 Kubik, viel Leistung, wenig Gewicht, hochmoderne Assistenzsysteme und viele optischen Anleihen an den erfolgreichen XR-Modellen. 2022 folgte mit der Nightster und 975 eine vermeintliche Einsteiger-Harley. 2023 erweitert Harley-Davidson die neue Sportster-Palette wohl mit der neuen Nightster S.

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