Motorradmesse in Mailand
EICMA 2019
Präsentiert von
ARC
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ARC Vector Elektro-Motorrad

Erst Crowdfunding, jetzt Insolvenz

Der neue britische Motorradhersteller ARC Vehicle Ltd hatte auf der EICMA 2018 ein Elektro-Motorrad vorgestellt. Besonders spektakulär: Die ARC Vector soll mit ihrem Fahrer interagieren. Jetzt musste das Unternehmen Insolvenz anmelden.

Das extrem fortschrittliche ARC Vector-Bike nutzt nicht nur die Möglichkeiten einer Mensch-Maschine-Schnittstelle, es glänzt zudem mit exotischen Materialien, faszinierenden Komponenten und modernster Architektur, umhüllt von einer futuristischen Verkleidung.

Über 400 km Reichweite

Das Vorderrad der Vector wird von einer Schwinge mit Achsschenkellenkung geführt. Das Hinterrad steckt in einer Bananenschwinge. Beide Schwingen sind aus Carbon gefertigt und mit Öhlins-Federelementen bestückt. Die Räder von BST sind ebenfalls aus Carbon geformt und mit Reifen im Standarformat 127/0-17 vorn und 180/5-17 hinten bezogen. Die Bremskomponenten steuert Brembo bei: vorne Stylema-Zangen mit 320er Scheiben, hinten eine 240er Scheibe. Das komplette Monocoque streckt sich S-förmig vom Scheinwerfer bis zum Bürzel hinter dem Monositz. Als Gewicht gibt Arc 220 Kilogramm an, die Sitzhöhe liegt bei 840 mm.

Der Elektromotor der Vector bringt es auf 103 kW Leistung und 86 Nm am Motor, sowie 397 Nm am Getriebeausgang. Das verbaute Batteriesystem stammt von Samsung und soll im Stadtverkehr eine Real-Reichweite von rund 320 Kilometer ermöglichen, über Land bleiben noch rund 200 Kilometer übrig. Die Normreichweite wird mit 436 Kilometer angegeben. Für den Spurt von Null auf 100 km/h gibt Arc knapp über 3 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit soll bei 200 km/h liegen. Steht ein Schnelllader bereit soll die Ladezeit nur knapp 30 Minuten betragen.

Motorrad interagiert mit dem Fahrer

ARC

Noch spektakulärer als die Optik scheint ein weiteres Feature zu sein: ARC nennt es Human Machine Interface, also eine Schnittstelle zwischen Fahrer und Maschine. So soll das Motorrad den Fahrer auf diverse Gefahren mit haptischen Signalen (Vibrationen) in den speziell zum Motorrad konfektionierten Bekleidungsstücken aufmerksam machen. Die imtegrierte Stromversorgung reicht für eine Betriebsdauer von zwei Stunden. Die Energiespeicher der Jacke können direkt am Motorrad wieder aufgeladen werden. Detektiert werden die Gefahren durch diverse Sensoren am Motorrad.

Zusätzlich wird der Helm, der mit einem Head-up-Display, einer Rückfahrkamera und Internetanbindung bestückt ist, mit den Bordfunktionen vernetzt. Gesteuert werden alle Funktionen per Sprache. Als weiteres Feature verfügt der Helm noch über ein aktives, dreistufiges Ventilationssystem.

Vernetztes System ausprobiert

Jörg Lohse
Wir konnten auf der EICMA das ARC-System bereits testfahren.

Wie das System des ganzheitlich vernetzten Motorradfahrens auf dem E-Bike von ARC funktioniert, konnten wir auf der EICMA bereits ansatzweise erfühlen: Mittels VR-Brille direkt auf der ARC Platz nehmen und zu einer „Testfahrt“ durch eine digitale Stadt aufbrechen. Per Rechner werden wilde Szenarien erstellt, die alle Sinne des Fahrers beanspruchen: Lkw im toten Winkel, Spurwechsler, abrupte Bremsvorgänge vorausfahrender Autos, Schlechtwetter, Dunkelheit. Dadurch, dass der ARC-Fahrer mit seinem Motorrad komplett verbunden ist, werden ihm möglichst viele Hilfestellungen im Sichtfeld eingeblendet. Denn in Serie gehört zum ARC-Bike ein Helm mit Headup-Display, Audiosystem und Rückfahrkamera.

Diese VR-Simulation dieses Helmsystems war auf der Messe mehr als beeindruckend. Noch beeindruckender wird es, wenn in Kürze auch der mit weiterer Sensorik ausgestattete Anzug dazu fertig ist. Auf der EICMA war bislang nur ein Prototyp zu sehen. Wenn man schließlich komplett ausgestattet unterwegs ist, bekommt der Fahrer die Warnungen auch körperlich vermittelt, beispielsweise indem ein im Rückenprotektor platzierter Sensor auf die rechte Schulter tippt, wenn man beim Spurwechsel ein Fahrzeug im toten Winkel übersieht.

Die ganze Sensorik, erklärt uns ARC-CFO Alan Simpson, ist darauf ausgelegt, dem Fahrer das Feedback zu vermitteln, das einem ohne Verbrenner plötzlich fehlt oder auf dem Elektromotorrad auch komplett anders sind: Geräusche, Schaltvorgänge, Beschleunigung, Bremsvorgänge. Das ARC-Bike ist der Anfang, in der Pipeline ist ein ATV, das ähnlich wie das Motorrad konzipiert ist.

Preise ab 103.000 Euro

Insgesamt sollen nur 399 Exemplare der Vector gebaut werden. Der Grundpreis liegt bei umgerechnet rund 103.000 Euro und beinhaltet auch die Bekleidung.

Erst Crowdfunding, dann Insolvenz

Hinter dem vor rund 18 Monaten gegründeten Unternehmen ARC steckt der Ex-Jaguar-Land Rover-Manager Mark Truman. Im Technikerstab arbeiten auch Ex-MotoGP-Ingenieure mit. Eine langfristige Finanzierung des Projekts soll durch namhafte Investoren, darunter auch Jaguar/Land Rover, gesichert sein. Dennoch hat ARC noch im Mai 2019 eine Crowdfundig-Aktion gestartet, die weiteres Geld einsammeln soll. Als Ziel hatte ARC 850.000 britsche Pfund angesetzt. Ende Juli waren rund 1,1 Millionen Euro eingesammelt. Zudem wurde mitgeteilt, dass die Arc ab 2020 in St Atha in Wales, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Aston Martin-Werk, gebaut werden soll. Seit dem 4. September 2019 stehen die Zeichen auf Rot. Das Unternehmen musste Insolvenz anmelden, weil angeblich potenzielle Investoren doch nicht in das Elektromotorrad investieren wollten. Jetzt bleibt Arc Zeit bis zum 10. Oktober 2019 um frisches Geld zu beschaffen. Ansonsten soll das Unternehmen abgewickelt werden.

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