Dauertest Indian FTR 1200 März 2021 Jens Kratschmar
Indian FTR 1200 Dauertest
Indian FTR 1200 Dauertest
Indian FTR 1200 Dauertest
Indian FTR 1200 Dauertest 16 Bilder

Indian FTR 1200 50.000 km-Dauertest

Indian FTR 1200 im 50.000 km-Dauertest US-V2 auf der Marathon-Distanz

Die Indian FTR 1200 wird im MOTORRAD-Dauertest 50.000 Kilometer unter die Räder nehmen. Hier erfahrt ihr, wie es dem US-V2 über 50.000 km ergeht.

Kurz vor dem Saisonende 2019 durfte MOTORRAD einen neuen Dauertest-Kandidaten im Fuhrpark begrüßen. Die Indian FTR 1200 tritt in der Basisversion in schlichtem schwarzen Lackkleid zum Langzeittest an. Auf dem digitalen Display stehen zu Testbeginn gerade einmal 980 Kilometer.

Indian FTR 1200 Dauertest
Peter Mayer

Bevor der Zweizylinder aber endgültig in den Redaktionsalltag entlassen wird, muss er sich noch auf dem Prüfstand messen lassen. Danach folgen noch die Eingangsmessung sowie die Verplombung des Motors und eine Kompressionsmessung. Ungefähr bei 25.000 km veröffentlicht MOTORRAD dann eine Dauertest-Zwischenbilanz; nach 50.000 Kilometern folgen Abschlussmessungen, bevor der Motor der Indian zerlegt und begutachtet wird.

Kilometer 9.480 (8.820) 04/2021

Wochenlange Werkstattaufenthalte, geringe Reichweite und dann immer wieder dieses vielzitierte, freche Mapping: die Dauertestkilometer auf Indians Muscle Bike sind schwer verdient. Doch so langsam kommt der US-Stein ins Rollen, Zeit und Muße sich also auch mal um die schönen Seiten des Lebens mit der FTR zu kümmern. Namentlich ist das vor allem die gelungene, stiernackige Ergonomie. Es fühlt sich außerordentlich gut und kraftvoll an, sich in das amerikanische Schwermetall-Katapult spannen zu lassen. Doch das Bessere ist bekanntlich des Guten Feind, also haben wir uns an die Optimierung gemacht.

Stufe 1: neue Hebelei. Die originale ist selbst für so ein Kaliber wie die FTR arg groß und grob und zudem auf der Kupplungsseite nicht einstellbar, was bei größeren Pranken schnell für Unmut sorgen kann. Abhilfe kam von Gilles Tooling mit zwei leckeren Alternativen. Der Kupplungshebel MPCL-05 ist dreifach verstellbar, der Bremshebel MPBL-03 gar fünffach. Letzterer verwendet statt Gleitbuchsen doppelte Kugellager und lässt sich daher absolut spielfrei bedienen. Das führt zusammen mit dem hochwertigen Finish (gefrästes Aluminium) und der etwas kürzeren Bauform zu einem erhabenen Griffgefühl. Der genauso wertige Kupplungshebel indes lässt die besagten Großpranken endlich aufatmen, schafft er doch deutlich mehr Platz zwischen Hebel und Griff. Mit 300 Euro fürs Hebelpaar allerdings nicht ganz billig. Aber das gilt für die FTR an sich ja genauso.

Dauertest Indian FTR 1200 März 2021
Jens Kratschmar

Stufe 2: Lenkerposition. Ebenfalls bei Gilles fanden wir zweigeteilte Lenkerböcke, die sich entweder an Vorlieben oder Körperlängen der FahrerInnen anpassen können. Der Lenker kommt so in jedem Fall 6 Millimeter höher und kann zusätzlich um je 7 Millimeter nach vorn oder hinten geschoben, werden je nachdem, ob mehr Vorderradnähe oder weniger Über den Tank-Spannung gefragt ist. Feine Sache für Nicht-Normgrößler und oder perfektionistische Feintuner. Für das Variieren muss allerdings der Lenker runter und anschließend die Kontermutter unter der Gabelbrücke gelöst werden. Diese gibt die Schraube frei, die den unteren Teil der Lenkerböcke in den entsprechenden Langlöchern fixiert. Zum Glück gibt es feine Markierungen in den ebenso fein gefrästen Böcken, was die Justage erheblich erleichtert. Apropos Justieren: Auch der Tacho lässt sich durch den integrierten Halter nun stufenlos in seiner Neigung verstellen. 198,99 und ein wenig Quality Time in der Garage kostet die neue Flexibilität.

Indian Dauertester Gilles Heck
Kratschmar/Correra

Die Optik des Flattrackers bedarf eigentlich keiner größeren Eingriffe. Einhellige Meinung in der Redaktion: Haben sie gut gemacht der neuen Welt! Vor allem das knackig steile Heck mit dem branding-gerecht leuchtendem Scheinwerfer. Aber dieser Kennzeichenhalter…Naserümpfen. Und dann noch die lieblos drangedengelten Blinker. Da geht mehr. Weil wir schon auf Großeinkauf bei Gilles Tooling waren, sind wir auch auf einen feingefrästen Kennzeichenhalter aus Alu gestoßen: der flugs mitbestellt. Er verbleibt an selber Stelle wie der originale, ist jedoch deutlich kompakter und hochwertiger gemacht. Die Blinker wandern hoch ans Heck. Sieht insgesamt deutlich besser aus und kommt als Komplettlösung inklusive LED-Kennzeichenbeleuchtung, Rückstrahler, Befestigungsmaterial und E-Zulassung für 198,99 Euro. Der Anbau ist aber nicht ganz trivial, die Kabelführung muss natürlich neu gelegt werden. Dazu ließen sich die nicht untereinander austauschbaren Blinker nur auf der richtigen Seite montieren, wenn das entsprechende Halteblech mit Gilles-Logo verdreht wurde. Ein kleiner Schönheitsfehler für ein schönes Zubehörteil.

Wo wir schon am Heck und damit auch am sprichwörtlichen Ende sind: Wie schon öfters bemängelt, sorgt der fehlende Spritzschutz bei Sauwetter oder kühn gewähltem Untergrund gern (siehe Foto) für Performance-Kunst auf dem Rücken und Motorrad. Ein passendes Kotflügelchen wird gerade ausgefasst. Und die Causa "Bauernbremse", wie es ein Kollege hier kürzlich gewohnt blümerant beschrieb, bleibt auch nicht unadressiert. Ein Satz schärfere Bremsbeläge ist bereits unterwegs…

Kilometerstand: 8.588 (+8.820), 3/2021

Das urtümliche Kaltstart- und Laufverhalten beherrscht das Fahrtenbuch. Nach kalten Nächten springt der Twin zwar zunächst zuverlässig an, reagiert auf Gasstöße aber mit Absterben. Erst nach gut einer Minute weicht der unrunde, mechanisch auffällige Leerlauf – klingt nach Lagerschaden – wohligem V2-Pulsieren. Die rumpelige Gasannahme legt die FTR aber nie ab. Gepaart mit einer rupfigen Kupplung mit unstetem Schleifpunkt, späten Eingriff und dem hakeligen Getriebe eine charaktervolle, aber anstrengende Kombi. Sportlich getrieben zeigt der Twin was er kann: Druck und Leistung zu jeder Zeit mit enorm starker Mitte und hoher Drehfreude. Wenn die Drosselklappen voll geöffnet werden, ein enorm launiges Fahrerlebnis. Auffällig ist aber, dass die FTR beim forcierten Anbremsen und Herunterschalten beim Einkuppeln gerne mal Zwischengas gibt, was die Linie ordentlich verhagelt und das Motorrad deutlich aufrichtet.

Dauertest Indian FTR 1200 März 2021
Jens Kratschmar
Großes Lob für den Anakee Adventure von Michelin. Auf der FTR seit gut 3.500 Kilometern montiert, bietet er hohen Grip und Vertrauen selbst bei Kälte und Nässe.

Minuspunkte sammelt die an sich kräftige, aber zahnlose Bremsanlage: "Eine richtige Bauernbremse...", war aus dem Testbetrieb zu hören. Erst wann man reinlangt wie ein Ochse, passt die Verzögerung. Der 12-Liter-Tank ist vom Volumen her ok, das Tankprozedere ein Geduldsspiel: Mit dem tief und flach sitzenden Tankdeckel, dem kurzen Tankrüssel und dem hohen Rückstau den Benzins, kann die Zapfpistole maximal 30% geöffnet werden, ohne das Rückschlagventil zu öffnen. So dauern 10 Liter nachtanken schonmal 2-3 Minuten. Bei Regenfahrten ist der mangelnde Spritzschutz hinten störend und wenig alltagstauglich. Großes Lob von vielen Seiten erntet der vor 3.500 Kilometern montierte Michelin Anakee Adventure: Viel Grip und Vertrauen bei Kälte und Nässe, handlich, neutral, nur wenig Aufstellmoment, ohne nennenswerte Verschleißerscheinungen nach 3.500 Kilometern.

Kilometerstand 7.200 (+8.820), 2/2021

Über das schlechte Kaltstart- und Kaltlaufverhalten der Indian wurde an dieser Stelle schon öfter berichtet. Beim letzten Service wurde, so Bodo H. von der Bikeschmiede Süd, auf der mechanischen Seite das Gemisch etwas angefettet. Genauer wollte er auch auf Nachfrage nicht werden, betonte aber, dass Soft- und Hardware unangetastet blieben.

Indian FTR 1200 Dauertest
Stefan Glück
Sieht zwar aus wie „SimCity“, ist aber tatsächlich die elektrische Schaltzentrale der Indian.

Tatsächlich springt die Indian jetzt besser an und läuft kalt weniger rumpelig. Vorausgesetzt, der Anlasser dreht. Was er aber nicht tut, wenn die auf dem Bild eben nicht sichtbare, sich vor dem linken "Hochhaus" versteckende Sicherung durchgebrannt ist. Seit dem Tausch ist wieder alles so weit in Ordnung.

Kilometerstand: 6.900 (+8.820), 12/2020

Wegen einer defekten Scheibe musste das komplette Display getauscht werden. Da sich laut Indian der Tachostand nicht manipulieren lässt, auch nicht nach oben, zeigt eben ein altmodisch analoger Aufkleber die bis dato gefahrenen Kilometer an. Mit zunehmender Kälte steigen die Klagen über das Kaltstart- und -laufverhalten. Nach frostigen Nächten muss man nach alter Väter Sitte den Motor starten und dann bis zu einer Minute laufen lassen, bevor er Gas annimmt und man losfahren kann. Zeitgemäß oder gar gut ist das natürlich nicht. Wohl dem, der tolerante Nachbarn hat.

Indian FTR 1200 Dauertest Display
Stefan Glück
Der 8.820-km-Aufkleber zeigt an, wie viele Kilometer wir addieren müssen, um auf den tatsächlichen Kilometerstand der Dauertest-Indian zu kommen.

Kilometerstand: 12.310, 10/2020

Motosport-Reporter Imre Paulovits hat die Indian reichlich für seine Touren zu verschiedenen Rennen genutzt. Hier seine Anmerkungen: Ich habe die Indian mit dem neu montierten Cockpit (Cockpitausch bei 8.820 km) übernommen, bin seither 3.500 Kilometer mit ihr gefahren und war zweimal mit ihr in Misano, dazwischen in der Schweiz.

Neu montiert waren auch der Tankrucksack und die Soft-Tasche. Sehen beide nett aus, der Spalt zwischen Tankrucksack und Cockpit ist aber so eng, dass es jedes Mal eine Fingerübung ist, den Zündschlüssel rumzudrehen. Die Größe des Tankdrucksacks ist ok, ich konnte Regenkombi, Ersatzvisier, Papiere, eine Trinkflasche und etwas Proviant darin unterbringen. Mit etwas Übung lässt sie sich mit ihrem Haltehaken zum Tanken leicht ab- und anschnallen. Auch in die Packtasche passt relativ viel rein, sie ist leicht an- und abzumontieren. Das gilt aber auch für Diebe, deshalb sollte man sie nicht dranlassen, wenn man sie aus den Augen lässt. Wie lange sie wasserdicht sind konnte ich nicht feststellen, es hat während meiner zwei Fahrten nach Italien zum Glück nie sonderlich lange geregnet.

Grundsätzlich sitzt sich auf der Indian recht angenehm, das fahrbare Reisetempo ist halt wie bei einem Nakedbike, so um die 140 km/h. Aber schneller darf man außerhalb von Deutschland eh nicht mehr fahren. Hat man sich erst einmal mit der etwas gewöhnungsbedürftigen Kupplung arrangiert, ist der Motor grundsätzlich ein angenehmer Genosse und auf der Autobahn über alle Situationen erhaben.

Auf der Landstraße kommt aber die große Ernüchterung. Die Elektroniker hätten weniger Zeit mit der Programmierung des Mäusekinos mit unterschiedlichen Ansichtsmodi und mehr mit der des Mappings verbringen sollen. Legt man nach dem Schiebebetrieb das Gas an, hat sie ständig Schluckauf, und je höher man über den Meeresspiegel kommt, desto schlimmer wird es. Eine echte Tortour waren die Spitzkehren auf nasser Fahrbahn den San Bernadino hinauf, wo ich fahren musste, wie mit einem Renn-Zweitakter: Immer mit einer Hand an der Kupplung, um beim schlagartigen Leistungseinsatz die Drehmoment-Spitzen herauszunehmen. Ansonsten wäre die Gefahr groß gewesen, dass das Hinterrad ausbricht.

Indian FTR 1200 Dauertest
Imre Paulovits

Das Fahrwerk ist für mich recht angenehm. Ganz eng mag sie nicht, ist bei dem Radstand aber verständlich. Für 19 Zoll vorn und 18 Zoll hinten ist die Handlichkeit recht gut. Die Bremsen sind sehr gut, und auf dem welligen Belag der Alpenpässe zeigten die Federelemente echtes Potential. Wo sportliche Nakedbikes und Sportler über die vielen kurzen aufeinander folgenden Wellen hüpfen, blieben bei der FTR die Räder am Boden wie bei einer Reiseenduro, sie ist denen aber in schnellen Kurven und beim Anbremsen haushoch überlegen. Die Bodenfreiheit, bis die Stifte in den Fußrasten aufsetzen, ist genau ausreichend für die Haftgrenze der Reifen.

Mit um die sechs Liter liegt der Verbrauch der Indian im Rahmen, ihr Zwölf-Liter-Tank ist aber nicht gerade das, womit man auf Reise gehen will. Dazu lassen sich die letzten zwei Liter nur mühsam einfüllen. In Italien bin ich einmal in die unangenehme Situation gekommen, dass die Tankanzeige noch 64 Kilometer anzeigte, dann mit einem Schlag Reserve, und mir fehlten schließlich vier Kilometer bis zur nächsten Tankstelle. Nicht angenehm, wenn dann die Polizei kommt.

Indian FTR 1200 Dauertest
Imre Paulovits

Mit der nächsten Tankfüllung zeigte sie gar noch 192 Kilometer Reichweite an, ich wusste aber, dass dies nicht sein konnte. Dann ging es auf 140 Kilometer, 90 Kilometer, plötzlich was sie wieder auf Reserve, und als ich fünf Kilometer später getankt habe, war der Tank fast leer. Danach ist dieses Phänomen nicht mehr aufgetreten.

Positiv ist mir der LED-Scheinwerfer aufgefallen. Das Licht ist hell und leuchtet die Fahrbahn sowohl mit dem Abblendlicht als auch dem Fernlicht fleckenfrei aus.

Kilometerstand: 3.729, 3/2020

Schöne Maschine. Sie ist viel zierlicher als die Motorräder, die ich im Kopf habe, wenn ich an eine Indian denke. Trotzdem, die breite Sitzbank sorgt dafür, dass ich ein paar Kilometer benötige, um mich im Stop-and-go-Verkehr und an roten Ampeln, einigermaßen sicher zu fühlen. Mit meinen 1,58 Meter Körpergröße bekomme ich auf einer Seite die Zehenspitzen runter, muss mich aber rechtzeitig für eine Seite entscheiden und dementsprechend auf der Sitzbank nach rechts oder links "versetzen".

Indian FTR 1200 Dauertest Notizen
Ferdinand Heinrich
Schickes Teil, die Indian FTR 1200. Leider fällt die Sitzbank etwas breit aus, sodass Fahrerinnen/Fahrer mit 76 cm Innenbeinlänge - und weniger - nur "einbeinig" auf den Boden kommen.

Bevor es losgeht sehe ich mich allerdings mit der Frage konfrontiert: Warum springt sie denn nicht an? "Du musst erst den Leerlauf einlegen, dann geht’s." Obwohl der Seitenständer nicht ausgeklappt ist. So, so. Amerikanische Logik? Keine Ahnung.

Sitzposition: Mit meinen kurzen Armen hatte ich zwar keine Lean-back-Haltung erwartet, dass die Fußrasten aber so weit hinten positioniert sind, der Lenker recht breit und der Oberkörper sich deutlich Richtung Vorderrad orientiert, überrascht mich positiv. Der Motor liefert ordentlich Power, von einem unausgereiften Mapping habe ich nichts gespürt. Gespürt habe ich hingegen ziemlich viel in den Fußsohlen – und zwar Vibrationen, die die Fußrasten weitergeben. Glücklicherweise trifft das nicht auch auf den Lenker und die Handgriffe zu.

Kilometerstand: 515, 10/2019

Indian FTR 1200 Dauertest
Peter Mayer

Nach vollendeter Einfahrzeit ging es zur obligatorischen Eingangsmessung auf den Prüfstand. Und siehe da: Alle versprochenen Pferde sind zum Dienst angetreten und sogar noch zwei in Reserve. Beim Drehmoment wird die Werksangabe exakt getroffen. Die ersten Einträge im Fahrtenbuch lassen aufhorchen. Einerseits erntet der Motor ob seines bärigen Schubs großes Lob, sein Gebaren insgesamt führt aber bei einigen Fahrern zu dem Schluss, dass beim Mapping wohl noch nicht alle Programmzeilen geschrieben sind, es fiel der Vergleich zu älteren MV-Agusta-Modellen. Wir sind gespannt, was die Zeit bringt, und werden darüber berichten.

Indian FTR 1200
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