Indian FTR 1200 Dauertest Imre Paulovits
Indian FTR 1200 Dauertest
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Indian FTR 1200 Dauertest
Indian FTR 1200 Dauertest 7 Bilder

Indian FTR 1200 50.000 km-Dauertest

US-V2 auf der Marathon-Distanz

Die Indian FTR 1200 wird im MOTORRAD-Dauertest 50.000 Kilometer unter die Räder nehmen. Hier lesen Sie, wie es dem US-V2 dabei ergeht.

Kurz vor dem Saisonende 2019 durfte MOTORRAD einen neuen Dauertest-Kandidaten im Fuhrpark begrüßen. Die Indian FTR 1200 tritt in der Basisversion in schlichtem schwarzen Lackkleid zum Langzeittest an. Auf dem digitalen Display stehen zu Testbeginn gerade einmal 980 Kilometer.

Indian FTR 1200 Dauertest
Peter Mayer

Bevor der Zweizylinder aber endgültig in den Redaktionsalltag entlassen wird, muss er sich noch auf dem Prüfstand messen lassen. Danach folgen noch die Eingangsmessung sowie die Verplombung des Motors und eine Kompressionsmessung. Ungefähr bei 25.000 km veröffentlicht MOTORRAD dann eine Dauertest-Zwischenbilanz; nach 50.000 Kilometern folgen Abschlussmessungen, bevor der Motor der Indian zerlegt und begutachtet wird.

Kilometerstand: 12.310, 10/2020

Motosport-Reporter Imre Paulovits hat die Indian reichlich für seine Touren zu verschiedenen Rennen genutzt. Hier seine Anmerkungen: Ich habe die Indian mit dem neu montierten Cockpit (Cockpitausch bei 8.820 km) übernommen, bin seither 3.500 Kilometer mit ihr gefahren und war zweimal mit ihr in Misano, dazwischen in der Schweiz.

Neu montiert waren auch der Tankrucksack und die Soft-Tasche. Sehen beide nett aus, der Spalt zwischen Tankrucksack und Cockpit ist aber so eng, dass es jedes Mal eine Fingerübung ist, den Zündschlüssel rumzudrehen. Die Größe des Tankdrucksacks ist ok, ich konnte Regenkombi, Ersatzvisier, Papiere, eine Trinkflasche und etwas Proviant darin unterbringen. Mit etwas Übung lässt sie sich mit ihrem Haltehaken zum Tanken leicht ab- und anschnallen. Auch in die Packtasche passt relativ viel rein, sie ist leicht an- und abzumontieren. Das gilt aber auch für Diebe, deshalb sollte man sie nicht dranlassen, wenn man sie aus den Augen lässt. Wie lange sie wasserdicht sind konnte ich nicht feststellen, es hat während meiner zwei Fahrten nach Italien zum Glück nie sonderlich lange geregnet.

Grundsätzlich sitzt sich auf der Indian recht angenehm, das fahrbare Reisetempo ist halt wie bei einem Nakedbike, so um die 140 km/h. Aber schneller darf man außerhalb von Deutschland eh nicht mehr fahren. Hat man sich erst einmal mit der etwas gewöhnungsbedürftigen Kupplung arrangiert, ist der Motor grundsätzlich ein angenehmer Genosse und auf der Autobahn über alle Situationen erhaben.

Auf der Landstraße kommt aber die große Ernüchterung. Die Elektroniker hätten weniger Zeit mit der Programmierung des Mäusekinos mit unterschiedlichen Ansichtsmodi und mehr mit der des Mappings verbringen sollen. Legt man nach dem Schiebebetrieb das Gas an, hat sie ständig Schluckauf, und je höher man über den Meeresspiegel kommt, desto schlimmer wird es. Eine echte Tortour waren die Spitzkehren auf nasser Fahrbahn den San Bernadino hinauf, wo ich fahren musste, wie mit einem Renn-Zweitakter: Immer mit einer Hand an der Kupplung, um beim schlagartigen Leistungseinsatz die Drehmoment-Spitzen herauszunehmen. Ansonsten wäre die Gefahr groß gewesen, dass das Hinterrad ausbricht.

Indian FTR 1200 Dauertest
Imre Paulovits

Das Fahrwerk ist für mich recht angenehm. Ganz eng mag sie nicht, ist bei dem Radstand aber verständlich. Für 19 Zoll vorn und 18 Zoll hinten ist die Handlichkeit recht gut. Die Bremsen sind sehr gut, und auf dem welligen Belag der Alpenpässe zeigten die Federelemente echtes Potential. Wo sportliche Nakedbikes und Sportler über die vielen kurzen aufeinander folgenden Wellen hüpfen, blieben bei der FTR die Räder am Boden wie bei einer Reiseenduro, sie ist denen aber in schnellen Kurven und beim Anbremsen haushoch überlegen. Die Bodenfreiheit, bis die Stifte in den Fußrasten aufsetzen, ist genau ausreichend für die Haftgrenze der Reifen.

Mit um die sechs Liter liegt der Verbrauch der Indian im Rahmen, ihr Zwölf-Liter-Tank ist aber nicht gerade das, womit man auf Reise gehen will. Dazu lassen sich die letzten zwei Liter nur mühsam einfüllen. In Italien bin ich einmal in die unangenehme Situation gekommen, dass die Tankanzeige noch 64 Kilometer anzeigte, dann mit einem Schlag Reserve, und mir fehlten schließlich vier Kilometer bis zur nächsten Tankstelle. Nicht angenehm, wenn dann die Polizei kommt.

Indian FTR 1200 Dauertest
Imre Paulovits

Mit der nächsten Tankfüllung zeigte sie gar noch 192 Kilometer Reichweite an, ich wusste aber, dass dies nicht sein konnte. Dann ging es auf 140 Kilometer, 90 Kilometer, plötzlich was sie wieder auf Reserve, und als ich fünf Kilometer später getankt habe, war der Tank fast leer. Danach ist dieses Phänomen nicht mehr aufgetreten.

Positiv ist mir der LED-Scheinwerfer aufgefallen. Das Licht ist hell und leuchtet die Fahrbahn sowohl mit dem Abblendlicht als auch dem Fernlicht fleckenfrei aus.

Kilometerstand: 3.729, 3/2020

Schöne Maschine. Sie ist viel zierlicher als die Motorräder, die ich im Kopf habe, wenn ich an eine Indian denke. Trotzdem, die breite Sitzbank sorgt dafür, dass ich ein paar Kilometer benötige, um mich im Stop-and-go-Verkehr und an roten Ampeln, einigermaßen sicher zu fühlen. Mit meinen 1,58 Meter Körpergröße bekomme ich auf einer Seite die Zehenspitzen runter, muss mich aber rechtzeitig für eine Seite entscheiden und dementsprechend auf der Sitzbank nach rechts oder links "versetzen".

Indian FTR 1200 Dauertest Notizen
Ferdinand Heinrich
Schickes Teil, die Indian FTR 1200. Leider fällt die Sitzbank etwas breit aus, sodass Fahrerinnen/Fahrer mit 76 cm Innenbeinlänge - und weniger - nur "einbeinig" auf den Boden kommen.

Bevor es losgeht sehe ich mich allerdings mit der Frage konfrontiert: Warum springt sie denn nicht an? "Du musst erst den Leerlauf einlegen, dann geht’s." Obwohl der Seitenständer nicht ausgeklappt ist. So, so. Amerikanische Logik? Keine Ahnung.

Sitzposition: Mit meinen kurzen Armen hatte ich zwar keine Lean-back-Haltung erwartet, dass die Fußrasten aber so weit hinten positioniert sind, der Lenker recht breit und der Oberkörper sich deutlich Richtung Vorderrad orientiert, überrascht mich positiv. Der Motor liefert ordentlich Power, von einem unausgereiften Mapping habe ich nichts gespürt. Gespürt habe ich hingegen ziemlich viel in den Fußsohlen – und zwar Vibrationen, die die Fußrasten weitergeben. Glücklicherweise trifft das nicht auch auf den Lenker und die Handgriffe zu.

Kilometerstand: 515, 10/2019

Indian FTR 1200 Dauertest
Peter Mayer

Nach vollendeter Einfahrzeit ging es zur obligatorischen Eingangsmessung auf den Prüfstand. Und siehe da: Alle versprochenen Pferde sind zum Dienst angetreten und sogar noch zwei in Reserve. Beim Drehmoment wird die Werksangabe exakt getroffen. Die ersten Einträge im Fahrtenbuch lassen aufhorchen. Einerseits erntet der Motor ob seines bärigen Schubs großes Lob, sein Gebaren insgesamt führt aber bei einigen Fahrern zu dem Schluss, dass beim Mapping wohl noch nicht alle Programmzeilen geschrieben sind, es fiel der Vergleich zu älteren MV-Agusta-Modellen. Wir sind gespannt, was die Zeit bringt, und werden darüber berichten.

Indian FTR 1200/S
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