KTM 790 Duke im 50.000 Kilometer-Dauertest

Neuer Zweizylinder auf Marathonfahrt

Sprit fassen für die KTM an der Kult-Tanke am Schwarzwälder Kniebis unweit von Freudenstadt.Der MOTORRAD-Dauertestfuhrpark hat einen Neuzugang zu verzeichnen.
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Der MOTORRAD-Dauertestfuhrpark hat einen Neuzugang zu verzeichnen. Am 26.4.2018 ist eine KTM 790 Duke in die Redaktionstiefgarage gerollt. Von hier aus hat sie den 50.000 km-Marathon angetreten.

Dina Dervisevic, Redakteurin bei MOTORRAD online, begleitete den MOTORRAD Top-Tester Karsten Schwers auf einer kurzen Testfahrt. Nachdem sie sich auf einer ersten Tour auf der KTM 790 Duke überhaupt nicht wohl fühlte, zauberte ihr die zweite Ausfahrt ein Dauergrinsen ins Gesicht.

Kilometerstand 13.925, 09/2018

Dina Dervisevic: Ich bin vor einigen Wochen schon mal für eine kurze Fahrt von meiner MT-07 auf die Duke umgestiegen. Da habe ich mich tatsächlich nicht besonders wohl gefühlt: Ich komme nur mit einem Fuß auf den Boden, d.h. an der Ampel musste ich mich umsetzen, um in den Leerlauf zu kommen, weil links mein sicheres Stand- und "Anhaltebein" ist. Als ich dann bei Grün anfahren wollte, hätte ich die 790er fast abgewürgt, denn der Schleifpunkt lässt sich erst auf den letzten Zentimetern des Hebelwegs blicken, was natürlich mehr Kraft von Fingern und Hand fordert. Wenn ich blinken wollte, griff mein Daumen ins Leere, beim Runterschalten trat mein linker Fuß in die Luft. Auf der Duke 790 saß ich gefühlt auch mehr auf dem Vorderrad als im Motorrad. Das ist Geschmackssache.

Foto: Pekarek
KTM Powerparts: Links die niedrige Ergo-Sitzbank, in der mitte die Ergo-Sitzbank auf Serienhöhe und rechts das hohe Sitzpolster. Der Unterschied von Serie zu niedrig ist leider nur sehr gering, sagt Dina, die stolze 1,57 Meter misst.
KTM Powerparts: Links die niedrige Ergo-Sitzbank, in der mitte die Ergo-Sitzbank auf Serienhöhe und rechts das hohe Sitzpolster. Der Unterschied von Serie zu niedrig ist leider nur sehr gering, sagt Dina, die stolze 1,57 Meter misst.

Vielleicht aber auch einfach nur Gewohnheit? Jetzt bin ich meine MT-07 bestimmt schon drei Wochen nicht mehr gefahren. Dafür ging‘s noch mal mit der KTM raus für eine kurze Runde. Und siehe da – ich fühlte mich schon auf den ersten Metern pudelwohl und konnte schier nicht mehr an mich halten. Die KTM zuckt und ruckelt, als ob sie sagen möchte: „Los, gib Gas, ziiieh vorbei, rechts oder links – egal! Ignorier die 50 km/h innerorts, sch… auf den Blitzer!“ Das kann auch nerven, wahrscheinlich vor allem auf längeren Touren mit mehreren Ortsdurchfahrten und je nach Gemütslage. An diesem Tag hat es aber einfach gepasst. Alles hat gepasst: Der Motor, die satte Straßenlage, fahren wie auf Schienen; sie ist herrlich wendig, aber nicht kippelig. Der Daumen fand den Blinkerschalter auf Anhieb automatisch, der Auspuff-Sound war betörend und gab an der ein oder anderen Ampel auch die Gässchen zum Durchdrängeln frei, über die Sitzposition wurde kein Gedanke verschwendet.

Nur der Schalthebel war immer noch weit weg für Schuhgröße 38. Und der Boden bei 1,57 Meter Körpergröße und 76 Zentimeter Innenbeinlänge ebenfalls. Obwohl wir zuvor die niedrige Sitzbank aus dem KTM Powerparts Zubehörsortiment angebracht hatten. Dass die nicht allzu viel bringt, liegt nicht unbedingt an den nur 20 mm niedrigerem Polster, sondern vor allem daran, dass sie nicht schmaler ist als die Serienbank. Die Außenkanten der niedrigen Sitzbank sind straff gepolstert, so dass der Weg zum Boden nicht wirklich kleiner wird, sondern nur die Sitzmulde minimal tiefer.

Kilometerstand: 10.000, 08/2018

PS-Chef Uwe Seitz: Die 790 hat fleißig Kilometer gemacht und jetzt die 10.000er Marke erreicht. Dazu durfte sie bei glühend heißem Hochsommertag durch den Hegau an den Hochrhein bei Gailingen.

Foto: Uwe Seitz
KTM 790: Schnelle Bögen ja, Kolonne nein.
KTM 790: Schnelle Bögen ja, Kolonne nein.

Grenzübertritte im Minutentakt von Deutschland in die Schweiz und umgekehrt hat die Österreicherin klaglos hingenommen, auch das kühle Bad des Fahrers stoisch beim Warten in der prallen Sonne ertragen, um dann wieder in flinken Kurven ihre gute Laune zu demonstrieren. Gut, dass es keinen großen Grenzstau in dem Gebiet mehr gibt, denn Kolonne oder Zone-30 mag der Twin nicht so recht, denn in unteren Drehzahlen rappelt und zappelt er dann schon. In den schnellen Bögen hat der Wechsel auf den Dunlop Sportsmart III das Vertrauen durch sein schönes Feedback und das tolle Grip-Gefühl auf dem warmen Asphalt nochmals beflügelt - flink rein und flink raus, ein Traum!

Kilometerstand: 9.960, 8/2018

Tashi Dolma Hinz, ihres Zeichens Redakteurin beim aerokurier, dem Magazin für internationale Zivilluftfahrt, fuhr die KTM 790 Duke für eine Fotoproduktion von MOTORRAD. Und das ist ihre Rückmeldung:

"Normalerweise fahre ich eine Ducati Monster M1000 (Bj. 2005) und bin deren charakteristisch rauen V2 gewohnt, insofern war ich überrascht, wie schön der Reihenmotor der KTM 790 Duke abgestimmt ist. Auch das Handling der Duke überzeugt mich: Sie ist leicht, handlich und passt ergonomisch perfekt für mich (1,72 Meter).

Foto: Dervisch
Tashi Dolma Hinz fährt privat eine Monster, widmet sich beruflich aber eher den Fluggeräten als den Motorrädern zu. Für uns hat die Redakteurskollegin eine Ausnahme gemacht.
Tashi Dolma Hinz fährt privat eine Monster, widmet sich beruflich aber eher den Fluggeräten als den Motorrädern zu. Für uns hat die Redakteurskollegin eine Ausnahme gemacht.

Auf dem Display sind die wichtigsten Parameter wie Drehzahl, Geschwindigkeit, Tankfüllstand, Kühlwassertemperatur und Reichweite auf einen Blick zu erfassen. Sobald man in einer dunkleren Umgebung fährt, schaltet sich das Display auf Nachtmodus, so dass es sich besser ablesen lässt.

Über den Set-Knopf lassen sich vier verschiedene Fahrmodi auswählen: Sport, Street, Rain und Track. Mir persönlich ist der Sportmodus am liebsten, da ich es gerne mag, wenn die Maschine direkt anspricht. Der Staßenmodus empfiehlt sich insbesondere dann, wenn der Untergrund uneben ist, etwa auf innerstädtischen Pflasterstraßen, sonst ist die Duke zu nervös und kann anstrengend werden. Das Menu ist intuitiv gestaltet. Alle Armaturen sind gut erreichbar.

Die 790 Duke ist ein echtes Spaßmobil und ein toller Allrounder: Dank des geringen Gewichts und der Wendigkeit macht sie auf eng gewundenen Sträßchen eine tolle Figur, liegt aber auch bei schnellen Geschwindigkeiten gut auf der Straße. Und wieso bleibe ich bei der Monster? Meine rote Monster gefällt mir optisch besser und ist eben ein echtes Charakterbike.

Foto: Baumann
Die KTM 790 Duke ist über Land ein Spaßgarant, in der Stadt aber völlig deplatziert.
Die KTM 790 Duke ist über Land ein Spaßgarant, in der Stadt aber völlig deplatziert.

Kilometerstand: 7.055, 7/2018

Bei 5.215 Kilometer gab es für die KTM 790 Duke einen neuen Satz Reifen. Aufgezogen wurden Dunlop Roadsmart III. Und dann ging sie mit Uli Baumann (Redakteur motorradonline.de) auf Ausfahrt. Seine Notizen:

"Die KTM 790 Duke ist „Ready to Race“, das lässt sie dich mit jeder Schraube ihrer Konstruktion spüren. Schon im Standgas wirkt sie nervös wie ein hyperaktives Kind. Fahren geht gut, aber nur schnell und aggressiv. Der Twin dreht wie die sprichwörtliche Sau, hängt hart am Gas. Der Schaltautomat funktioniert rauf wie runter tadellos. Wer Motorrad fahren als stetiges Rennen sieht, ist hervorragend bedient.

Aber: Die Sitzbank ist hart und unbequem, die Spiegel sind ein Witz, die Ferse des rechten Fuß ist in dauerhaftem Konflikt mit dem Auspuff und die Lenkerkröpfung will so gar nicht mit meiner Sitzhaltung und Größe (1,89 Meter) korrespondieren. Alltag ist nicht das Ding der Duke. Kolonnenfahrt quittiert sie mit ruckeln (egal bei welchem Tempo und in welchem Gang), gemäßigte Ortsdurchfahrten bedingen die dritte oder gar zweite Fahrstufe. Im Stadtverkehr bläst auch bei humanen Frühtemperaturen permanent der Lüfter. Das Leben ist eben nicht nur ein Rennen."

Kilometerstand: 4.600, 6/2018

Zuletzt hat Matthias Ackermann (Chef vom Dienst bei MOTORRAD) einige Kilometer auf der neuen KTM 790 Duke zurückgelegt. Als Führerschein-Neuling fuhr er ca. 170 Kilometer. Sein kurzes, aber aussagekräftiges Fazit: "Kaum aus der Redaktions-Tiefgarage gefahren, war die Duke mein Freund. Extrem handlich und ein Getriebe – einfach Sahne! Bei den Bremsen und dem Sound gab es ebenfalls nichts zu meckern. Da ist ein leichtes Konstantfahrruckeln im niedrigen Drehzahlbereich nicht der Rede wert."

Foto: Uwe Seitz
PS-Chef Uwe Seitz hat die KTM 790 auf einer ausgiebigen Schwarzwaldrunde ausprobiert.
PS-Chef Uwe Seitz hat die KTM 790 auf einer ausgiebigen Schwarzwaldrunde ausprobiert.

Kilometerstand: 4.000, 5/2018

Jetzt hat die KTM 790 Duke bereits fast 4.000 km auf den Reifen, nachdem sie PS-Mann Uwe Seitz auf einer sehr beherzten Schwarzwaldrunde 250 km ausgequetscht hat. Gegen die Kumpels auf ihren Bigblocks musste der quirlige Twin ganz schön malochen! Dranbleiben ging Dank diesem wilden Zweizylindermotor, der wie ein Supersportler am Gas hängt, sehr gut. Dafür nahm er sich aber wuchtige 8,43 L Super auf 100 km Kurvengeschlängel! Naja, gebummelt hat Uwe nicht.

Kilometerstand: 2.284

In nicht mal zwei Wochen hatte die Duke bereits über 2.000 Kilometer auf dem Tacho und erntet dabei vor allem von den Fahrdynamikern viel Lob. "Macht tierisch Spaß, aber langsam ist nicht ihr Ding", steht da im Fahrtenbuch zu lesen. Oder: "Handling erste Sahne, hängt toll am Gas." Schon hat sie Spitznamen wie "Feuerzeug" oder Giftzwerg" geerntet.

Kritik gibt es für die deutlich spürbaren Vibrationen sowie nervendes Konstantfahrruckeln.

Foto: Yvonne Hertler
Die Duke bei der Kompressionsmessung.
Die Duke bei der Kompressionsmessung.

Dauertest-Beginn am 26. April 2018

Mit einem Kilometerstand von 1.092 lief am 26. April 2018 eine KTM 790 Duke RS in der Redaktionstiefgarage ein. Bevor der Zweizylinder aus Mattighofen in den Redaktionsalltag entlassen wurde, musste er sich auf dem Prüfstand messen lassen.

Danach folgte noch die Eingangsmessung sowie die Verplombung des Motors und eine Kompressionsmessung. Ungefähr bei 25.000 km veröffentlicht MOTORRAD dann eine Dauertest-Zwischenbilanz; nach 50.000 Kilometern folgen Abschlussmessungen, bevor der Motor der KTM 790 Duke zerlegt und begutachtet wird.

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