Kleine Harleys vor dem Aus: In Japan enden Harley-Davidson X 350 und X 500

Harley-Davidson X 350 und X 500
Kleine Harleys in Japan vor dem Aus

ArtikeldatumVeröffentlicht am 30.09.2026
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Harley-Davidson X 500 (2023)
Foto: Harley-Davidson

Reguläre Bestellungen entfallen

Harley-Davidson Japan hat angekündigt, den Verkauf der X 350 und X 500 in Japan einzustellen. Reguläre Bestellungen entfallen; verkauft wird nur noch, was bei autorisierten Händlern im Land bereits steht.

Kleine Harley floppen schon wieder?

Es ist nicht der erste Versuch von Harley-Davidson, in den letzten Jahrzehnten eine Einstiegs-Harley zu vermarkten. Die 750er-Street-Modelle floppten, dito wurden die neuen 975er-Modelle nicht so gefeiert, wie der Wegfall der Sportster 883 betrauert wurde. Und historisch waren die Versuche mit kleinen Harleys von Aermacchi und auf Basis der DKW-Zweitakter in Form der Hummer ebenfalls ohne nachhaltigen Erfolg. Ganz im Gegenteil: So was versucht Harley immer nur dann, wenn man mit dem Rücken an der Wand steht – und die Wand spitze Stacheln hat.

Sportster 883Interessant im Kontext Einsteiger-Harley: H-D selbst teaserte eine Rückkehr der luftgekühlten V2 Sportster an. Ein derartiges Modell wird schmerzlich vermisst. Bei Kunden wie Händlern, denn die alte 883 und 1200-Sporties waren immer ein Volumenhit. Eine Klasse, die die technisch zwar wunderbaren wassergekühlten Sportster nicht mehr erreichten. Wohl unter anderem wegen recht hoher Preise.

Noch ein Versuch – aus Indien?

Seit 2023 stehen in Asien die X 350 und X 500 aus chinesischer Fertigung als jüngster Versuch. Und dieser Versuch endet jetzt, zumindest in japan. Dort waren die Modelle auch über den Preis als Einstieg positioniert: Die X 350 wurde mit 699.800 Yen genannt (rund 4.000 Euro), die X 500 mit 839.800 Yen (rund 4.700 Euro). Zum Vergleich kostet die Nighster von Harley-Davidson in Japan knapp 1,5 Millionen Yen.

Doch Harley hat das Thema kleinerer Bikes, wohl nicht aufgegeben, denn man betont, trotz des Stopps werde man weiter an "zugänglichen" Modellen für die nächste Fahrer-Generation arbeiten. Hinweise darauf gibt es bereits von Harley selbst in Form der vermeintlichen Sprint, wohl auf Basis der X 440, die vom indischen Motorrad-Riesen Hero kommt.

Überblick Harley-Davidson Zweitakter 1948 bis 1978

Technik und Herkunft der X-Modelle

Technisch sind X 350 und X 500 keine klassischen Harley-Konstruktionen aus Milwaukee, sondern Teil einer Kooperation mit dem chinesischen Hersteller QJ Motor. Eng verwandt mit bestehenden Benelli-Modellen: Die X 350 nahe an der Benelli 302 S, die X 500 an der Benelli Leoncino 500.

Die X 350 ist laut den damals genannten Daten mit einem flüssigkeitsgekühlten 353‑cm³-Parallel-Twin ausgestattet, kombiniert mit einem 6‑Gang-Getriebe. Als Leistungsdaten wurden 36 PS und 31 Nm genannt.

Die X 500 setzt auf einen flüssigkeitsgekühlten 500‑cm³-Parallel-Twin, ebenfalls mit 6‑Gang-Getriebe. Hier lagen die genannten Werte bei 47 PS und 46 Nm – also dicht an der in Europa wichtigen A2-Schwelle, die bei 48 PS liegt.

Warum Harley den Stecker zieht

Einen konkreten technischen Mangel oder eine Rückrufwelle nennt Harley-Davidson Japan nicht; kommuniziert wird schlicht der Verkaufsstopp mit Abverkauf des Restbestands. Damit bleibt als gesicherter Kern: Der Stopp ist eine strategische Entscheidung, keine öffentlich begründete "Problemlösung".

Auffällig ist aber, wie stark die X 350/X 500 über die Partnerschaft (QJ Motor) und die Benelli-Nähe definiert waren. Für eine Marke, die ihren Mehrwert traditionell über Herkunft, Motorcharakter und eigenständige Plattformen verkauft, ist diese Art Mittelklasse-Ansatz erklärungsbedürftig – gerade, wenn man zugleich neue Zielgruppen gewinnen will.

Fazit