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Yamaha MT-07 Fahrbericht Thomas Schmieder Yamaha
Yamaha MT-07 Fahrbericht Thomas Schmieder
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Yamaha MT-07 Fahrbericht Thomas Schmieder 11 Bilder

Yamaha MT-07 Fahrbericht

Yamaha MT-07 Fahrbericht Mehr Fahrwerk, Bremse, Licht und Style für die MT-07

Yamaha hat seinen Topseller MT-07 behutsam aber sinnvoll überarbeitet. Mehr Fahrwerk und stärkere Bremsen verbessern das Fahrverhalten deutlich. Eine moderne LED-Beleuchtung, ein neues Design und eine veränderte Ergonomie heben die kleine MT-07 von Yamaha auf ein neues Level.

Der erste Eindruck zählt. So war das, so ist das und so bleibt es. Als die Yamaha MT-07 im Jahr 2014 auf den Markt kam, hat sie Herzen im Sturm erobert, Vergleichstests in Serie gewonnen. Sie war von Anfang an ein Glücksfall auf Rädern: Leicht, quirlig und agil, drehmomentstark, drehfreudig und flott. Mit diesem berauschenden Charakter holte das 185-Kilo-Leichtgewicht völlig unterschiedliche Fahrernaturelle dort ab, wo sie stehen: Anfänger(innen) durch superleichte Beherrschbarkeit, erfahrene Piloten und Pilotinnen, weil man die MT-07 richtig frech fahren kann. Doch weil für die aktuell gültige Abgasnorm Euro 5 ohnehin eine leichte Überarbeitung fällig war, nahm sich Yamaha sein Erfolgsmodell (rund 125.000 produzierte Einheiten bisher, nach BMWs großer GS Nummer zwei in Deutschland!) noch mal gründlich vor.

Und wieder beginnt die Geschichte mit einem wichtigen ersten Eindruck: Aggressiver schaut sie aus, die 2021er-MT. Dafür sorgt die Fighter-artige Maske mit LED-Streifen rechts und links der Projektionslinse des zierlichen LED-Hauptscheinwerfers. Ja, die neue Front polarisiert. Passt eine Fighter-Attitüde zu solch einem umgänglichen Charakter? Das wird heiß diskutiert. Fakt ist: Real und live sieht es die Front wesentlich besser aus, als auf ersten Fotos. Immerhin zeigt das Facelift auf den ersten Blick, dass man das aktuelle Modell hat. Das ist doch der Sinn des Ganzen, oder? Und zu dieser Modellpflege gehören nun einmal Rundum-Beleuchtung per wartungsfreien Leuchtdioden, Blinker und Y-förmiges Rücklicht inklusive.

Yamaha MT-07 Modelljahr 2021
Yamaha
Zu dieser Modellpflege gehören nun einmal Rundum-Beleuchtung per wartungsfreien Leuchtdioden, Blinker und Y-förmiges Rücklicht inklusive.

Nur Kenner werden wahrscheinlich die nun elegant vorn in die Tankflanken integrierten Lufteinlässe bemerken. Sie sind kein Fake. Hier saugt der mit neuem Mapping und einer Überarbeitung an Ventiltrieb und Einspritzung bestückte Twin seinen Sauerstoff an. Nach der Verbrennung pufft der fulminant aufspielende Motor über völlig neugestaltete Krümmer aus. Sie integrieren einen extragroßen Katalysator. Nah am Auslass sitzt er, damit er sich schnell aufheizt. Sauber, sauber, der 690 Kubikzentimeter große "CP2-Reihentwin". Seine Kurbelwelle mit den um 270 Grad versetzten Pleueln imitiert die Zündfolge und damit Klang und Charakter eines 90-Grad-V2.

Yamaha MT-07 Modelljahr 2021
Yamaha
Nur Kenner werden wahrscheinlich die nun elegant vorn in die Tankflanken integrierten Lufteinlässe bemerken. Sie sind kein Fake. Hier saugt der mit neuem Mapping und einer Überarbeitung an Ventiltrieb und Einspritzung bestückte Twin seinen Sauerstoff an.

Nun, Yamaha war die erste Firma, die ein solches Naturell mit nebeneinander platzierten Zylindern hinbekam; per technischem Kniff an der Kurbelwelle, damals in der TRX 850. Heute machen das auch KTM, Honda und viele andere Hersteller so. Wie gehabt ist der "kleine" Twin ein ganz Großer: elastisch im Drehzahlkeller, antrittstark und dabei völlig befreit beim Ausdrehen über 9000 Touren hinaus. Ja Freunde, der Twin der MT-07 ist immer voll da, Unten-Mitte-Oben. Kein Wunder, dass dieses Aggregat auch zum gefeierten Organspender in der 700er-Tracer und Ténéré mutierte. Ein echter Freudenspender eben. Moment mal, soll der modifizierte Twin nicht eineinhalb PS wie Newtonmeter weniger drücken als bislang? Und wenn schon. Denn die maximale Spitzenleistung von 73 PS liegt bei 8.750/min nun 250 Umdrehungen früher an, das Drehmoment von 67 Nm schöpft er bei 6.500 Touren Richtung Hinterrad.

Yamaha MT-07 Modelljahr 2021
Yamaha
Die maximale Spitzenleistung von 73 PS liegt bei 8.750/min nun 250 Umdrehungen früher an, das Drehmoment von 67 Nm schöpft er bei 6.500 Touren Richtung Hinterrad.

"Noch linearere Kraftentfaltung", also gleichmäßigeren Drehmomentverlauf verspricht Yamaha. Könnte stimmen. Dieser Crossplane-Twin begeistert noch immer, vielleicht noch mehr als zuvor. Mit seiner unaufgeregten Art, dieser Lässigkeit ganz egal, welche Drehzahl und welcher Gang gerade anliegen. Gut und gutmütig tritt der spritzige Twin an. Smooth, schön weich hängt der Pseudo-V2 am Gas. Da ist die fehlende Traktionskontrolle zu verschmerzen. Nach wie vor ist der Motor ein richtig kräftiger Kerl, bereits ab 2000 Touren. Unauffällig verrichten Getriebe und Kupplung ihren Dienst. Das Ganze garniert ein schöner, dumpfer und dabei unaufdringlich leiser Klang, Tirol-tauglich mit 88 Dezibel (A) Standgeräusch und 4,2 Liter Normverbrauch. Va bene.

Yamaha MT-07 Fahrbericht Thomas Schmieder
Yamaha

Kaum zu glauben, aber Yamaha hat die ohnehin schon beeindruckende Fahrbarkeit noch weiter gesteigert. Dafür sorgt auch der neue, konifizierte Alu-Lenker. Er kommt gut drei Zentimeter breiter und dem Fahrer einen Zentimeter weiter entgegen. Fühlt sich "erwachsener" an und macht das ohnehin kinderleichte Handling noch besser. Locker, fluffig und easy rollt die Yamaha MT-07 durch das Kurvenrevier in Apulien, am Beginn des Absatzes vom Italienischen Stiefel. Intuitiv, fast schlafwandlerisch trifft sie die richtige Linie, fährt millimetergenau auf den Punkt dorthin, wo man es gerade braucht. Superhandlich, aber nicht zappelig, zackig doch nicht nervös. Spiel- oder Feuerzeug?

Yamaha MT-07 Fahrbericht Thomas Schmieder
Yamaha
Die 2021er-Version der MT-07 bettet einen eben aufrechter, erhabener, souveräner. Da ergibt sich der wichtige Blick weit vors Vorderrad von ganz allein.

Kongenial harmonieren die neuen Serienreifen, Michelin Road 5 2CT+ (in Sonderkennung "A") mit dem Midrange-Fungerät. Sie haften selbst unter widrigen Bedingungen klasse. Denn 6°C auf einer feuchten Bergstraße – eine Stunde vorher hat es noch geregnet – vermitteln die Regenkönige von Michelin noch volles Vertrauen. Siehe dazu auch den Tourenreifentest in MOTORRAD 11/2018. Wenn man zwar friert, sich aber auf seinem Motorrad wunderbar geborgen fühlt und singt unterm Helm, dann heißt das schon eine ganze Menge. Auch hierbei hilft die erstaunlich stark geänderte Sitzposition. Die 2021er-Version der MT-07 bettet einen eben aufrechter, erhabener, souveräner. Da ergibt sich der wichtige Blick weit vors Vorderrad von ganz allein.

Yamaha MT-07 Modelljahr 2021
Yamaha
Kongenial harmonieren die neuen Serienreifen, Michelin Road 5 2CT+ (in Sonderkennung "A") mit dem Midrange-Fungerät. Sie haften selbst unter widrigen Bedingungen klasse. Denn 6°C auf einer feuchten Bergstraße – eine Stunde vorher hat es noch geregnet – vermitteln die Regenkönige von Michelin noch volles Vertrauen.

Richtig gut gelungen ist die geänderte Abstimmung der Federelemente von Kayaba. Speziell das hebelangelenkte Federbein mit der einstellbaren Zugstufe gibt sich satter gedämpft. Da wippt nichts mehr nach. Und auch die nicht einstellbare Fahr-und-Spar-Gabel in funktioniert sehr manierlich. Lange Wellen, harte Absätze, schroffe Frostaufbrüche (jawohl, die gibt es auch in Süditalien) pariert das nur leicht modifizierte Fahrwerk des Jahres 2021 einfach gelassener. Du spürst das Asphaltrelief, aber dein Allerwertester leidet nicht darunter. So soll’s sein.

Yamaha MT-07 Modelljahr 2021
Yamaha
Locker, fluffig und easy rollt die Yamaha MT-07 durch das Kurvenrevier in Apulien, am Beginn des Absatzes vom Italienischen Stiefel. Intuitiv, fast schlafwandlerisch trifft sie die richtige Linie, fährt millimetergenau auf den Punkt dorthin, wo man es gerade braucht.

À propos Sitzen: Auch hier gelingt der 700er-Yamaha ein toller Spagat: Kleine Größen bekommen im Stand dank schmalen Zuschnitts sicher beide Fußsohlen auf den rettenden Erdboden. Längere Baumaße wiederum, sagen wir um 1,85 Meter, können dank der im hinteren Bereich breiten Sitzbank und satten Knieschlusses locker 200 Landstraßen-Kilometer abspulen, ohne dass es irgendwo zwickt oder zwackt. Ein wabenförmige Struktur an den Tankflanken sorgt wie beinem Sportbike für guten Kontakt zur Maschine. Dazu passt die bessere Bremspower, dank der 298er-Scheiben von der großen Schwester MT-09. Bissfest und sehr ordentlich dosierbar beißen die axialen Vierkolbensättel darauf. Sie sind keine wütenden Beißer, sondern gute, richtig gute Alltagsstopper.

Yamaha MT-07 Fahrbericht Thomas Schmieder
Yamaha
Locker, fluffig und easy rollt die Yamaha MT-07 durch das Kurvenrevier in Apulien, am Beginn des Absatzes vom Italienischen Stiefel. Intuitiv, fast schlafwandlerisch trifft sie die richtige Linie, fährt millimetergenau auf den Punkt dorthin, wo man es gerade braucht.

So wie die in Japan gebaute MT-07 ein richtig guter Kumpel, ein toller Begleiter im Alltag ist. Da reicht dann auch das nun "invers" weiß-auf-schwarz gehaltene LCD-Cockpit mit seinen Flüssigkristallen. Denn eigentlich geht bei sowas heute mehr, buntes TFT-Display gibt es heutzutage auch in der Mittelklasse. Nun, irgendwo muss man den Rotstift ja mal spüren, in diesem preissensiblen Segment. 7.374 Euro kostet die nicht grundlegend neue, und doch deutlich bessere MT-07 des Jahrgangs 2021. Das sind moderate 204 Euro mehr als 2020. Unser Fazit: das ist sie locker wert. Die Erfolgsstory geht in die nächste Runde. Reloaded eben. Mal schauen, was das für die erwiesenermaßen hohen Gebrauchtpreise der bisherigen Yamaha MT-07 bedeutet.

Fazit

Eine für alle. Mit Yamahas MT-07 ist bisher jeder richtig warm geworden und die immer weiter verbesserten Eigenschaften finden mit einem nochmals besseren Fahrwerk und kräftigeren Bremsen aktuell einen Höhepunkt. Auch die neue LED-Front gefällt. Ob nach Euro 5 1,4 PS und 1 Nm fehlen, fällt fast schon unter die Messtoleranz.

Yamaha MT-07
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