Aktuelle Lage bei KTM: Weitere 500 Jobs gestrichen, neuer Top-Manager von BMW

Bajaj und KTM – so geht’s 2026 weiter
KTM streicht 500 Jobs und holt Top-Manager von BMW

ArtikeldatumVeröffentlicht am 14.01.2026
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KTM Produktion Neustart Juli 2025
Foto: KTM (Neustart der Produktion im Juli 2025)

Schon im Oktober 2025 hatte Rajiv Bajaj, nach der Insolvenz von KTM neuer De-facto-Eigentümer der österreichischen Marke, in einem Interview mit dem indischen Fernsehen Klartext gesprochen: "Wenn das Topmanagement eines Unternehmens nur noch dessen Börsenkurs im Blick hat, weil seine Vergütung daran geknüpft ist, kann das furchtbar schiefgehen," sagte der indische Manager und Konzern-Boss über die Gründe der KTM-Insolvenz – ohne den Namen seines ehemaligen Partners, des bisherigen KTM-Chefs Stefan Pierer, dabei je zu nennen.

Rajiv Bajaj äußerte sich kritisch zur Lage bei KTM

Gegenüber dem indischen TV-Sender erklärte Rajiv Bajaj auch, dass ein weiterer Abbau von Stellen bei KTM in Mattighofen unvermeidlich sei. Es sei in seinen Augen geradezu grotesk, dass von aktuell noch 4.000 KTM-Angestellten nur rund 1.000 direkt mit der Fertigung von Motorrädern zu tun haben, während die übrigen 3.000 Schreibtischjobs hätten.

Bajaj aus Indien regiert jetzt bei KTM

Der indische Bajaj-Konzern hatte KTM im Frühjahr 2025 mit insgesamt 800 Millionen Euro aus der Insolvenz gerettet und dafür die Kontrolle über KTM, Husqvarna und GasGas übernommen. Seit 19. November 2025 hält Bajaj 74,9 Prozent an der Pierer Mobility AG, der Muttergesellschaft von KTM. Am 13. Januar 2026 wurde die Pierer Mobility nun in Bajaj Mobility umbenannt. Parallel dazu wurde der Sitz der Aktiengesellschaft vom oberösterreichischen Wels, wo Ex-Chef Stefan Pierer laut Presseberichten seinen Hauptwohnsitz hat, nach Mattighofen in die KTM-Zentrale verlegt.

Weitere 500 Arbeitsplätze bei KTM abgebaut

Und jetzt, nachdem der Bajaj-Konzern nach Wahrung aller juristischen Fristen endgültig die Führung in Mattighofen übernommen hat, folgen den markigen Worten des Firmenchefs Taten: Rund 500 Beschäftigte, überwiegend in Angestelltenbereichen und im mittleren Management, müssen gehen, das hat die Bajaj Mobility AG Mitte Januar 2026 mitgeteilt. Der Schrumpfungsprozess sei Teil einer globalen Restrukturierung der Marke, heißt es in der Konzern-Info.

Anzahl der Jobs in Österreich inzwischen halbiert

Ende 2024, also in der Zeit der Insolvenz, hatte KTM noch 5.310 Mitarbeiter. Ein Jahr später, am 31. Dezember 2025, waren es noch 3.794. Die Zahl der KTM-Mitarbeiter schrumpft also jetzt auf noch knapp 3.300 – sie hat sich somit im Vergleich zur Phase vor der Insolvenz in etwa halbiert. Und auch vor den Motorrädern macht der Schrumpfungsprozess in Mattighofen nicht halt. Die als Hauptgrund der KTM-Insolvenz geltende, zuvor erfolgte Überproduktion von Maschinen sei weiter abgebaut worden.

Abverkauf der Überproduktion läuft immer noch

Standen Ende 2024 weltweit noch 248.580 unverkaufte (hauptsächlich KTM-)Motorräder auf Halde, so waren dies zum 31. Dezember 2025 "nur" noch 147.427. Das heißt: Rund 100.000 Motorräder wurden zwischenzeitlich verkauft oder wenigstens in den Handel gebracht. Das heißt aber auch: Es sind immer noch fast 150.000 Motorräder zu viel – eine gigantische Menge, für die weiterhin Lagerungs- und Logistikkosten anfallen.

Reduzierung der Modellpalette

Teil der jetzt geplanten Spar-Maßnahmen sei daher auch eine Reduzierung der Modellpalette, sagte KTM-CEO Gottfried Neumeister. Kurz vor der Insolvenz hatte Stefan Pierer den österreichischen Manager ins Boot geholt und zu seinem Stellvertreter und designierten Nachfolger gemacht. Stefan Pierer musste sich nach der Insolvenz offenbar auf Druck aus Indien zurückziehen. Neumeisters Führungsposition in Mattighofen hingegen wurde von Bajaj inzwischen bis Ende 2028 bestätigt.

BMW-Manager Stephan Reiff wechselt zu KTM

Weitere personelle Unterstützung hat KTM sich jetzt von der bayerischen Konkurrenz geholt: Stephan Reiff, seit Sommer 2022 globaler Vertriebs- und Marketing-Chef bei BMW Motorrad, wechselt zum April 2026 von München nach Mattighofen. Der Deutsche wird Vertriebs-Vorstand (Chief Commercial Officer) im Vorstand der KTM AG und übernimmt für den österreichischen Motorradhersteller sehr ähnliche Aufgaben wie zuvor für BMW Motorrad.

Stephan Reiff
BMW

Wie geht es bei KTM weiter – in Österreich?

Wie es mittel- und langfristig um die Zukunft von KTM als österreichische Marke bestellt ist, wird sich zeigen. Schon seit Jahren werden die KTM-Einzylinder-Modelle bis "390" bei Bajaj in Indien gefertigt. Parallel entstehen weiterhin Reihenzweizylinder-Modelle bei CFMoto in China. Es könnte also nur eine Frage der Zeit sein, wann weitere Teile der KTM-Produktion aus Europa nach Indien oder Asien verlagert werden. Auch dazu hatte Rajiv Bajaj im eingangs zitierten Fernseh-Interview einen Satz gesagt: "Das ist eindeutig der Weg in die Zukunft."

Fazit