Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) hat sich für ein absolutes Alkoholverbot am Steuer ausgesprochen Gerd Altmann_www.pixelio.de

Betrunkene Mopedfahrer in den USA

Über 30 Prozent alkoholisiert unterwegs

Forscher werteten Unfalldaten eines medizinischen Zentrums aus und fanden heraus: US-Mopedfahrer stehen überdurchschnittlich häufig unter Alkoholeinfluss.

"Hier in North Carolina nennt man einen Roller auch 'Schnapswagen'. Weil 99 Prozent der Fahrer wegen Alkohol am Steuer erwischt werden." Das ist ein Zitat des Moonshiners Jim Tom aus dem mehrteiligen amerikanischen Dokudrama "Moonshiners" (Staffel 8, Folge 22 "Die Legende von Jim Tom", ab Minuten 26:38). Um den Zusammenhang zwischen den laxen Regelungen und betrunkenen Mopedfahrern aufzuzeigen, wertete bereits vor einigen Jahren das Carolina Medical Center Unfalldaten aus North Carolina und South Carolina aus drei Jahren aus. Die Zahlen von 2007 bis 2009 führten damals schon zu teilweise erschreckenden Erkenntnissen. Im Verlauf der Studie wurden Daten von 65 verunfallten Mopedfahrern detailliert ausgewertet. Ergebnisse:

  • 49 % hatten ein positives Blutbild.
  • 72 % davon waren Wiederholungstäter.
  • 38 % hatten zum Zeitpunkt der Verletzung eine entzogene Lizenz.
  • 34 % waren wegen des Fahrens trotz entzogenem Führerschein bereits vorbestraft.
  • Mopedfahrer sind zum Zeitpunkt der Verletzung oft betrunken und stellen ein öffentliches Sicherheitsrisiko dar.
  • Die Mehrheit der Patienten (85 %) waren Männer mit einem Durchschnittsalter von 42 Jahren.
  • Die Mehrheit sind Rückfalltäter mit mehrfachen alkoholbedingten Strafzetteln.

Moped-Führerscheinregelung zu lax

Schlussfolgerung der Autoren der Studie: Die Führerscheinregelungen für Mopeds müssen in vielen der 50 US-Bundesstaaten strenger werden, gesetzliche Strafen müssen geprüft, nachjustiert und vor allem auch angewendet werden. Außerdem sollte eine Beratung von alkoholisierten Fahrern angeboten werden, besonders dann, wenn es sich um Wiederholungstäter handelt.

In den USA ist ein Moped folgendermaßen definiert: Das motorisierte Zweirad hat nicht mehr als 50 cm³ Hubraum und erreicht maximal 45 km/h (28 mph). Für Mopeds gelten in den USA weniger strenge Zulassungsgesetze als für Kraftfahrzeuge wie Motorräder und Autos. Die Lizenzvorschriften unterscheiden sich von Staat zu Staat, oft braucht es nicht mal einen Führerschein. Und auch eine Versicherung ist nicht in jedem Bundesstaat Pflicht. Darüber hinaus ist es in mehreren Staaten möglich, eine Moped-Lizenz zu erhalten – unabhängig von der Eignung für den regulären Führerschein. "Bei uns darf man Roller bis 50 cm³ ohne Führerschein fahren. Nur ein Helm ist Pflicht. Ich fahre seit 30 Jahren Roller – schon bevor ich den Führerschein abgeben musste.", so Jim Tom im Dokudrama "Moonshiners".

5,3 % der Kleinkraftradfahrer in Deutschland

Wie in vielen US-Bundesstaaten, dürfen wir auch in Deutschland mit dem Auto- oder dem Motorradführerschein Mopeds fahren, also motorisierte Zweiräder mit bis zu 50 cm³ und 45 km/h Höchstgeschwindigkeit. Haben wir so eine Lizenz nicht, benötigen wir den Führerschein der Klasse AM, für den das Mindestalter bei 16 Jahren liegt. Die Regelungen gelten bei uns allerdings einheitlich und bundesweit.

Eine weitere Parallele zu der amerikanischen Studie können wir aber dennoch ziehen: Auch in Deutschland sind es Fahrer von Kleinkrafträdern, die im Vergleich zu anderen Fahrzeugführern besonders häufig unter Alkoholeinfluss stehen. 5,3 Prozent der Unfallbeteiligten waren es im Jahr 2019, laut der aktuellsten Unfallstatistik.

E-Scooter-Fahrer neue Spitzenreiter?

Seit 1. Januar 2020 erfasst und registriert die Polizei E-Scooter-Unfälle gesondert. Womöglich lösen sie in der Unfallstatistik 2020 dann – zumindest im Verhältnis – die Fahrer von Kleinkrafträdern ab. Das erfahren wir aber erst im Frühjahr 2021, wenn das Statistische Bundesamt die nächste Unfallstatistik veröffentlicht.

Fazit

Wer in den USA alkoholisiert auf einem Moped verunfallt, hat – außer den Verletzungen – oft keine weiteren Konsequenzen zu befürchten. Besonders verletzte Fahrer werden von gesetzlichen Maßnahmen häufig verschont. Hinzu kommt, dass in einigen Bundesstaaten nicht einmal ein Führerschein benötigt wird, um ein Moped fahren zu dürfen und oft auch keine Versicherungspflicht besteht. Die Unterhaltskosten sind sehr gering und die Hürde, betrunken zu fahren, aus genannten Gründen niedrig.

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