Motorradlärm
Debatte um Lautstärke von Motorrädern
Initiative Silent Rider Eifel Welcome Veranstaltungsgesellschaft

Silent Rider distanziert sich von 80 dB-Obegrenze

Silent Rider Initiative gegen Motorradlärm Forderung nach 80 dB-Obergrenze scheint zu kippen

In der Eifel gründeten 2019 acht Städte und Gemeinden die Initiative "Silent Rider" gegen Motorradlärm. Motorradfahrer seien herzlich willkommen, Krachmacher aber unerwünscht. Von der viel diskutierten 80 dB-Obergrenze scheint sich der Verein jetzt zu distanzieren.

Lärm macht krank – auch der, der von Motorrädern ausgeht. Die Bürgermeister der Nationalparkregion Eifel stellten allerdings klar, dass sich die Kampagne "Silent Rider" gezielt gegen die "schwarzen Schafe" unter den Motorradfahrern richtet. "Die Eifel und alle anderen betroffenen Regionen begrüßen ausdrücklich alle, die mit ihren Motorrädern einen Ausflug in unsere Regionen machen", so Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns aus Simmerath im Jahr 2019. Zu den weiteren Gemeinden gehören Heimbach, Hürtgenwald, Nettersheim, Nideggen, Schleiden, Bad Münstereifel und Blankenheim. Auch der Bundesverband der Motorradfahrer (BDVM) unterstützte die Initiative zu Beginn, kündigte aber 2021 seine Mitgliedschaft zum Ende des Jahres mit folgender Begründung:

"Der BVDM ist Silent Rider beigetreten, weil wir im Ziel – den Verkehrslärm zu reduzieren – übereinstimmen und die Hoffnung hatten, im Dialog und der konstruktiven Auseinandersetzung mit Silent Rider (als Vertreter der Anwohner), Lösungen für die Lärmproblematik zu entwickeln. Die Hoffnung hat sich leider als trügerische erwiesen. Konkrete gemeinsame Aktionen hat der Vorstand von Silent Rider abgelehnt, die fachliche Expertise des BVDM in Bezug auf den Forderungskatalog (die wir sowohl mündlich als auch schriftlich vorgebracht haben), bewusst ignoriert. Der Vorstand thematisiert zudem Lärm ausschließlich einseitig in Bezug auf Motorradfahrer."

80 dB-Obergrenze soll anders formuliert werden

Aus Sicht des neuen Silent Rider-Vorstands sei es künftig nicht die Aufgabe des Vereins, "detaillierte technische Vorgaben oder Forderungen zu stellen, sondern die Interessen der Betroffenen zu kommunizieren." Als Beispiel nannte der Vorstand "die Forderung nach max. 80 dB als Schallobergrenze am Motorrad. Diese ist und bleibt ein Streitthema, aber die Formulierung muss verändert werden." Silent Rider formulierte, dass es der Initiative darum gehe, die 80 dB – beziehungsweise die dann festgestellte gesundheitsschädigende Grenze beim Anlieger – nicht zu überschreiten. Es gehe nicht um 80 dB direkt am Motorrad, "denn auf freier Strecke mit gutem Schallschutz ist auch wesentlich mehr an den Fahrzeugen ok, da beim Anlieger dann nicht mehr als 80 dB ankommen würden." Die detaillierte Bewertung, mit welchen technischen Möglichkeiten dies dann erfüllt werden kann, obliege dann Land und Bund mit ihren Fachleuten und nicht dem Verein, dessen Kernkompetenz dies sicher nicht ist, so die Haltung des Vorstands auf der Versammlung vom 29. Juni 2021.

Ursprüngliche Kampagne

Gestartet wurde die Kampagne im Frühjahr 2020. Bei einem ersten Treffen waren auch Vertreter der Regionen Bergisches Land, Rhön, Odenwald, Sauerland, Südhessen und Südschwarzwald vertreten. Aufgestellt wurde auch ein Forderungskatalog, der unter anderem schärfere rechtliche Rahmenbedingungen für die Geräuschentwicklung von Motorrädern, eine Halterhaftung, höhere Strafen für Manipulationen an der Abgasanlage sowie eine zusätzliche Information darüber, wer der Fahrer des Motorrads ist – am Helm oder an der Front des Fahrzeugs.

Unterstützung aus Landespolitik

Wie die Zeitung Express berichtet, sind seit der Auftaktveranstaltung in Düren zahlreiche weitere Verpflichtungserklärungen im E-Mail-Eingang der geschäftsführenden Gemeinde Simmerath eingetroffen. Darunter sind unter anderem der Landkreis Osnabrück, die Gemeinde Bayrisch Zell an der österreichischen Grenze, die Gemeinde Glienicke/Nordbahn aus Brandenburg oder die Städte Schmallenberg und Sundern im Sauerland. Sie alle haben sich verpflichtet, 5.000 Euro in die gemeinsame Kasse zu zahlen, aus der die Projekte der Initiative finanziert werden sollen.

Unterstützung zeichne sich auch aus der Politik ab. So habe sich das Verkehrsministerium Baden-Württemberg gemeldet, weil es die Initiative unterstützen wolle. Auch die Grünen im NRW-Landtag in Düsseldorf hätten ihr Interesse bekundet. Ebenso habe der Lärmschutzbeauftragte aus Baden-Württemberg, Thomas Marwein, um ein Gespräch im Simmerather Rathaus zu diesem Thema gebeten. Marwein hatte zuletzt gegenüber der ZVW gesagt, das Problem Motorradlärm sei inzwischen in ganz Baden-Württemberg dasselbe – ob im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Wald, ob in den Löwensteiner Bergen, auf dem Welzheimer Wald oder im Schurwald. 40 Prozent der Beschwerden beim Lärmschutzbeauftragten entfielen auf Motorräder, hauptsächlich zwischen Ostern und Oktober. Aber nicht nur Motorräder sind viel zu laut, auch viele PS-starke Automobile machen Lärm.

Bund will keine weiteren Einschränkungen

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer lehnt weitere Verbote und Beschränkungen für Motoradfahrer dennoch ab. Der dpa sagte er Anfang Juli 2020: "Wir haben ausreichende, geltende Regeln. Die Biker zeigen bei den Protesten ihre Haltung gegen Verschärfungen und Verbote. Das ist auch meine Haltung. Ich werde die Beschlüsse des Bundesrates, also der Bundesländer, nicht umsetzen."

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Fazit

Ob man es jetzt "Umformulierung" oder "Distanzierung" nennen mag – wir begrüßen die Haltung des neuen Vorstands, dass es nicht um 80 dB direkt am Motorrad gehen kann. Wichtig ist bei der Lösungserarbeitung ein Miteinander. Und das scheint nun wieder eher möglich, als noch zu Zeiten, zu denen die 80 dB-Obergrenze strikt gefordert wurde.

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