Motorradfahren bei Hitze und heißen Temperaturen

Tipps für den Sommer

Foto: Niewrzol, nnudo
Motorrad fahren gut und sicher

Extrem hohe Temperaturen können für Motorradfahrer durchaus gefährlich werden. Doch was können Biker gegen extreme Hitze tun? Und was kann im schlimmsten Fall passieren? Sportmediziner und Motorrad-Rennarzt Dr. Christoph Scholl nennt einige nützliche Tipps. Darüber hinaus zeigen wir euch, welche Ausrüstung im Sommer für zumindest etwas Abkühlung sorgen kann.

Zugegeben: besonders viele nützliche Tipps für die Fahrt bei extrem heißen Temperaturen gibt es nicht. Trotzdem haben wir hier den ein oder anderen Ratschlag, der bei Hitze durchaus sinnvoll sein könnte. Zunächst verrät Dr. Christoph Scholl, Sportmediziner und Rennarzt aus Oschersleben, worauf bei hohen Temperaturen geachtet werden sollte. Im Anschluss folgen einige Ausrüstungstipps, die zumindest geringfügige Verbesserungen für die Motorradfahrt bei Hitze bringen können. Den wertvollsten Tipp liefern wir schon einmal vorweg: zwischen den Fahrten möglichst viel Wasser trinken!

Interview mit Dr. Christoph Scholl

MOTORRAD: Welche häufigste Bekleidungssünde begehen Motorradfahrer im Sommer?

Dr. Christoph Scholl: Ganz klar: Textilkleidung mit Membran. Sie glauben, die Klamotten sind atmungsaktiv, aber das stimmt nur bei Außentemperaturen bis knapp über 20 Grad, denn darüber versagt die Funktion dieser Bekleidung. Bei Hitze bleibt die Feuchtigkeit dann in Jacke und Hose stecken wie in einer Plastiktüte. Für den Fahrer wird es unbequem, er ist in seinem Komfort stark eingeschränkt und nicht mehr voll bei der Sache. Zumindest etwas Abhilfe schafft Funktionsunterwäsche, welche konstruktionsbedingt die Verdunstungsoberfläche vergrößert und den Schweiß großflächiger verteilt. Also auch im Sommer bitte immer Funktionswäsche tragen!

Foto: Scholl
Dr. Christoph Scholl, Sportmediziner und Rennarzt aus Oschersleben.

MOTORRAD: Wie stark ist die Gesundheit in solchen Situationen gefährdet? 

Dr. Christoph Scholl: Kirche im Dorf lassen! Aber die natürliche Thermoregulation ist gestört, und das sollte man unbedingt vermeiden. Gesundheitlich kritisch wird es erst bei Temperaturen über 30 Grad, direkter Sonneneinstrahlung und Standphasen von mehr als 20 Minuten. Stadtverkehr und Autobahnstau an echten Hundstagen sind ebenfalls nicht zu unterschätzen. Unter extremen Hitzebedingungen kann die Körpertemperatur eines Motorradfahrers, der eine übliche Sicherheitsausstattung trägt, auf Fieberniveau (38,5 Grad) ansteigen. Einhergehend mit starkem Flüssigkeitsverlust kann es bei der sogenannten Hyperthermie, also Überhitzung, zu Konzentrationsverlust, Schwindel und sogar Bewusstseinseintrübungen kommen. Die Unfallgefahr ist dann dramatisch hoch. Ab 40 Grad Körpertemperatur besteht Lebensgefahr, aber dann fühlt man sich schon so schlecht, dass man vernünftigerweise wohl schon längst vom Motorrad abgestiegen ist. Menschen, die bei Sport und Hitze einen plötzlichen Herztod sterben, sind laut medizinischen Untersuchungen zum Glück die Ausnahme. In 90 Prozent der fatalen Fälle lag eine kardiale Vorerkrankung vor, etwa wenn der Herzmuskel durch eine nicht richtig auskurierte Viruserkrankung entzündet und geschwächt war.

MOTORRAD: Wie sich also bei Hitze auf dem Motorrad am besten verhalten? 

Dr. Christoph Scholl: Viel trinken! Fünf Milliliter pro Kilo Körpergewicht und pro Stunde (Bsp: 80 Kilo Gewicht => 0,4 Liter in der Stunde). Und eigentlich luftige Kleidung tragen, doch der Sicherheit auf dem Motorrad wegen ist der Grat hier sehr schmal. Schutzausrüstung zu tragen ist gut, aber man sollte bei Hitzefahrten das Helmvisier zumindest ein Stück weit öffnen, dito die Jackenärmel und Hosenbeine, sowie im Brustbereich den Reißverschluss so weit herunterziehen, dass zwar Luft an den Körper kommt, die Jacke aber trotzdem fest genug sitzt.

Motorrad-Bekleidungstipps für heiße Temperaturen

Vorweg sei gesagt, dass die folgende Ausrüstung nicht aufgrund ihrer Sicherheitsfeatures ausgewählt wurden. Wir haben uns für Bekleidung entschieden, die sich aufgrund ihres Materials oder ihrer Beschaffenheit noch eher für heiße Tage eignen als Textilbekleidung mit Membran oder eine Lederkombi. Auch dass ein Jethelm luftiger ist als ein Integralhelm, dürfte kein großes Geheimnis sein. Und dass ein Integralhelm bei einem Sturz im Vergleich den besseren Schutz bietet, wohl ebenfalls nicht. Wertvolle Dienste kann darüber hinaus sommertaugliche Funktionsunterwäsche leisten. 

Helm: Nahezu jeder Hersteller hat mindestens einen Jethelm im Programm. Entsprechend groß ist die Auswahl an unterschiedlichen Modellen. Wie bereits oben erwähnt, bieten Integralhelme im Fall der Fälle einen besseren Schutz. Allerdings ist die Wärmeentwicklung im Inneren auch deutlich größer. 

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Foto: Hersteller, Amazon, mps-Studio
Einige Bekleidungsstücke, die sich auch für wärmere Tage eignen.

Bekleidung: Textilbekleidung mit Membran ist zumindest an sehr heißen Tagen nicht empfehlenswert. Viele Bekleidungshersteller bieten darüber hinaus speziell für den Sommer entwickelte Bekleidung an. So werden Textiljacken besonders luftdurchlässig gestaltet. Häufig sind solche „Sommerjacken“, zumindest an den Ellbogen und den Schultern, allerdings lediglich mit Softprotektoren ausgestattet. Rückenprotektoren müssen zudem meist nachgerüstet werden. Geeignete luftdurchlässige Textiljacken findet man beispielsweise von Held, Alpinestars und Rukka. Auch bei der Hose sollte man gegebenfalls auf Lüftungsschlitze und generell luftdurchlässigeres Material achten. 

Handschuhe: Handschuhe sind nicht gleich Handschuhe. Für den Sommer bieten sich kürzere Handschuhe an, die zudem mit Lufteinlässen ausgestattet sind. Auch hier gibt es von nahezu jedem Hersteller eine passende Variante. Preislich sind solche „Kurzhandschuhe“ zudem häufig etwas günstiger. 

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Stiefel: Zwar ist der letzte „City-Stiefel“-Vergleichstest schon ein Weilchen her, trotzdem finden sich dort zahlreiche Stiefel, die sich für heißere Tage eignen. Zwar bieten viele der Modelle nicht ganz so viele Sicherheits-Features wie hochwertige Motorradstiefel, allerdings eignen sie sich in jedem Fall besser zum Motorradfahren als gewöhnliche Sneaker. Besonders gut abgeschnitten hatte im angesprochenen Vergleichstest der sogenannte „Ride“ von BMW.

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Funktionsunterwäsche: Verschiedene Hersteller bieten spezielle und luftdurchlässige Funktionsunterwäsche für den Sommer an. Empfehlenswert ist beispielsweise die Vanucci Coolmax-Kombination. Auch andere Lösungen konnten uns im Funktionsunterwäsche-Test, der unter dem diesem Link zu finden ist, durchaus überzeugen.  

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Regenkombi: Heiße Temperaturen haben häufig Gewitter zufolge. Entsprechend kann es nicht schaden eine Regenkombi parat zu haben, wenn es doch einmal feucht wird. Auf den gängigen Verkaufsportalen gibt es eine riesige Auswahl, bei der man quasi die Qual der Wahl hat.

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