Wheelie Jörg Künstle

Wheelies in Österreich: bis zu 10.000 Euro Strafe

Teure Wheelies in Österreich 10.000 Euro Strafe, 3 Tage Beschlagnahmung

Bisher waren Führerscheinentzug und Bußgelder in 3-stelliger Höhe möglich. Nun drohen für Wheelies & Co. bis zu 10.000 Euro Strafe und 3 Tage Fahrzeugbeschlagnahmung.

Aus dem österreichen Bundesgesetzblatt vom 13. Mai 2022 geht hervor, dass die österreichische Regierung künftig härter gegen "Wheelies, Stoppies und andere Fahrmanöver" vorgehen kann: 10.000 Euro Strafe und drei Tage Beschlagnahmung des Fahrzeugs können laut dem neuen § 102 Abs. 3c die Folge sein. Das Gesetz ist Teil einer neuen Novelle zum Kraftfahrzeuggesetz des Landes. Die Novelle verbietet auch Fehlzündungen, Donuts, Burnouts oder auch das Blockieren der Räder, z. B., um schwarze Streifen auf dem Asphalt zu ziehen. Im Fokus der aktuellsten Änderungen steht die Autotuning-Szene, anwendbar sind die neuen gesetzlichen Regelungen aber auch auf Motorradfahrer.

Im Wheelie an der Polizei vorbei

Absolut unverhältnismäßig? Übertrieben? Mag sein. Doch der neuen Regelung ging wohl ein in den österreichischen Medien sehr präsentes Beispiel voraus, das beispielhaft zu den Verschärfungen beigetragen haben könnte: Im Mai 2020 überholte ein Motorradfahrer ein anderes Fahrzeug – und zwar im Wheelie. Was der Motorradfahrer scheinbar nicht wusste: das Fahrzeug, welches er überholte, war ein Zivilfahrzeug der Polizei. Damit nicht genug. Der Mann war innerhalb des Ortsgebiets mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs (100 km/h statt erlaubten 60 km/h) und überfuhr einrädrig auch noch eine durchgezogene Linie und einen Zebrastreifen. Die Beamten nahmen dem Motorradfahrer den Führerschein ab.

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Damit aber immer noch nicht genug. Gegen 12 Monate Führerscheinentzug und Nachschulungsmaßnahmen legte der Wheelie-Fahrer Revision beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH) ein. Und der wies die Revision zurück. Unter anderem mit der Begründung, dass das Verhalten des Fahrers "an sich geeignet sei, besonders gefährliche Verhältnisse (…) herbeizuführen, und welches zwingend zur Entziehung der Lenkberechtigung (…) führe." Der VwGH bezog sich unter anderem auf einen Beschluss vom September 2018 (Ra 2017/02/0201). Wonach "die volle Beherrschbarkeit eines Motorrads nur dann gewährleistet ist, wenn beide Räder Kontakt zur Fahrbahn aufweisen, und dass der solcherart vom Gesetzgeber definierten Eigenart des Motorrads das absichtliche Fahren nur auf dem Hinterrad widerspreche. Die bloße Möglichkeit, das Vorderrad während der Fahrt von der Fahrbahn abzuheben, reiche nicht aus, diese Fahrweise gemäß dem KFG 1967 als der Eigenart des Kraftfahrzeugs entsprechend anzusehen."

Außerdem handelte es sich bei diesem Verstoß bereits um den zweiten innerhalb 15 Monate. Wegen eines entsprechenden Vorfalls wurde dem Fahrer der Führerschein schonmal für neun Monate entzogen.

Fazit

Bei manch einem könnte das neue Strafmaß für Raunen und Erstaunen sorgen, andere wiederum werden es wahrscheinlich begrüßen. Klar ist, dass der Fokus auf der Autotuning-Szene liegt und die neuen Regelungen für Extremfälle gelten sollen.

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