Cyclone RT2S: Wie viel Geländekompetenz steckt wirklich im China-Roller?

Cyclone RT2S Adventure-Roller
Mehr Schein als Sein?

ArtikeldatumVeröffentlicht am 17.10.2026
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Mit dem Cyclone RT2S nehmen wir in kurzer Zeit den dritten Roller der Marke aus der Zongshen Motorcycle Group, die im chinesischen Chongqing beheimatet ist, unter die Lupe. Der RT2S greift auf die gleiche Antriebstechnik zurück wie die Schwestermodelle RT5 und RT3E. Allerdings versucht sich der RT2S im Segment der Crossover-Roller zu behaupten.

Crossover im Rollerbereich – wie ist das zu verstehen?

Hondas X-ADV darf als Initialzündung des Crossover-Genres im Rollerbereich genannt werden. Er wurde für den Modelljahrgang 2017 präsentiert und erzeugte großes Marktinteresse. Der vom Design her stark an die Reiseenduro-Markenschwester Africa Twin angelehnte Scooter stellte mit seinem Doppelkupplungsgetriebe (DCT), dem tief im Chassis eingebauten 750er-Zweizylindermotor und den Drahtspeichenrädern die Scooter-Szene auf den Kopf.

Seitdem findet die Grundidee eines Rollers mit längeren Federwegen, gröberer Enduro-Bereifung und SUV-Appeal viele Nachahmer, die alle nicht so revolutionär zu Werke gehen wie die Ikone des Segments, sondern auf deutlich konventionellere Antriebstechnik setzen.

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Konventionelle Triebsatzschwinge statt exotischer High-Tech-Antrieb

Womit wir wieder bei der omnipräsenten Automatik-Triebsatzschwinge mit stufenloser Variomatik in Verbindung mit einer Fliehkraftkupplung landen. Die stellt mit ihrem indirekten Leistungseinsatz ohne manuelle Kupplung im Gelände nicht das Nonplusultra dar, deshalb darf man die tatsächliche Geländeeignung beileibe nicht überschätzen.

Im Falle des Cyclone RT2S kommt also die bekannte Triebsatzschwinge mit dem flüssigkeitsgekühlten DOHC-Vierventil-Einzylindermotor zum Einsatz, der mit einem Hubraum von 247 Kubik eine Leistung von 19,5 kW (26,5 PS) produziert und ein Drehmoment von 24,5 Nm bei 6.500/min zur Verfügung stellt. Leider macht der Hersteller keine Angaben zum Spritverbrauch.

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Federwege von 120 mm vorn und 90 mm hinten sind keine Top-Werte

Bei Crossover-Scootern im Vordergrund: das Fahrwerk. Der Cyclone RT2S setzt auf einen Stahlrohr-Rahmen mit Kunststoffkarosserie und kommt mit einer konventionellen Telegabel an der Front, die 120,3 mm Federweg realisieren kann. Die beiden hinteren Stoßdämpfer sind für einen Federweg von 90 mm gut.

Für Enduros sind das keine Fabelwerte, im Roller-Segment kann sich das aber trotzdem sehen lassen selbst auf schlechtem Straßenbelag. Für echten Geländebetrieb dürfte das aber bei Weitem nicht reichen.

Kleine Gussräder bevorzugen guten Asphalt

Ebenso wenig wie die 14-/13-Zoll-Räder an Front und Heck mit den Reifendimensionen 110/80-R14 und 140/60-R13, die keine guten Voraussetzungen für schlechtes Geläuf im Gelände oder Schlagloch-verseuchte Straßenabschnitte mitbringen.

Dass das verbaute Zweikanal-ABS beim Cyclone RT2S auf eine Abschaltmöglichkeit verzichten muss, ist auf rutschigen Untergründen ebenfalls kontraproduktiv. Mit einem Trockengewicht von 179 Kilogramm und einer Sitzhöhe von 750 mm ist der optisch gefällige Scooter zudem bei Statur und Ergonomie eher touristisch ausgelegt. Man sollte ihn also eher als komfortablen Alltagsbegleiter mit Reiseenduro-Styling sehen und seine gute Ausstattung genießen.

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Typisch China: Gute Ausstattung zum günstigen Preis

Der Cyclone RT2S ist, wie bei chinesischen Fahrzeugen mittlerweile üblich, mit kompletter LED-Beleuchtung ausgestattet und bietet ein Keyless-System für Komfort im Alltag ohne lästiges Schlüssel-Gefummel. Eine Warnblink-Funktion, die Traktionskontrolle und eine Kamera in der Frontverkleidung sind Sicherheitsfeatures, die nicht alltäglich sind. Im Cockpit informiert ein Farb-TFT-Display mit 8-Zoll-Bilddiagonale über alles Wichtige und mehr.

Seine aufwändig gestaltete Sitzbank suggeriert gesteigerten Sitzkomfort, die hohe Stufe verhindert allerdings ein Variieren der Sitzposition. Das kann auf längeren Touren den Komfort am Ende einschränken und ist mehr Schein als Sein. Hier tut manch ein Hersteller zu viel des Guten, leider keine Seltenheit im Rollergeschäft.

Kommt der Cyclone RT2S nach Deutschland?

Ob und wann der in zwei Farben erhältliche RT2S auf den deutschen Markt kommen könnte, ist bisher nicht bekannt. Der deutsche Cyclone-Importeur – die Karcher AG in Birkenfeld bei Pforzheim – setzt bisher ausschließlich auf 125er-Leichtkrafträder. Sein aktueller Preis auf dem chinesischen Heimatmarkt, wo der RT2S bereits seit 2022 verkauft wird, soll 16.888 Yuan betragen, was momentan ca. 2.220 Euro entspräche. Ein Hammerpreis, der auf dem europäischen Markt niemals zu halten wäre. Hierzulande wäre ein UVP von 4.500 bis 5.500 Euro wesentlich realistischer.

Fazit