Fahrbericht Yamaha Tracer 900 GT (2018)

Tourentauglichere Tracer

Elegant gelöst: gut integrierte Koffer, neue Sitzmöbel, mehr Platz für Sozius.
Alles dran: Schöne Details und hochwertige Verarbeitung kennzeichnen diesen Low-Budget-Vollwert-Tourer.Elegant gelöst: gut integrierte Koffer, neue Sitzmöbel, mehr Platz für Sozius.Um 50 Millimeter ist die Scheibe höhenverstellbar. Dank neuem Schieberiegel, ähnlich wie bei einer Ducati Multistrada, per Einhandbedienung. Der Schild schirmt den Rumpf gut ab. Schultern und Hals bekommen allerdings auch in hochgestellter Position viel Wind ab.Unverständlich: Bei Abblendlicht leuchtet nur der linke der beiden LED-Scheinwerfer.
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Um die Touring-Qualitäten der Tracer 900 zu verbessern, schiebt Yamaha nun die Tracer 900 in der GT-Version nach - sie kann kann Sport und Touring, Emotionen und Nutzwert gibt's serienmäßig dazu. Test-Redakteur Thomas Schmieder ist sie gefahren.

Die Yamaha Tracer 900 hat ihre tourensportlichen Qualititäten optimiert, verspricht jetzt beispielsweise mit einen größeren, manuell justierbaren Windschild sowie komfortabler positionierten Rasten und Haltegriffen für den Sozius eine deutlich verbesserte Tourentauglichkeit.

Yamaha Tracer 900.
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Fahreindrücke

Der Dreizylinder der Yamaha Tracer 900 GT ist bereits im tiefsten Drehzahlkeller hellwach und sehr elastisch, in der Mitte kräftig und mit  turbinenartiger Drehfreude. Ausdrehen bis zu vollen 10.000 Touren? Muss nie sein, bei so viel Midrange-Power. Schon die ersten Meter auf diesem hochbeinigen Tourer mit 17-Zoll-Rädern (Crossover-Bike heißt so etwas auf Neudeutsch) machen klar, was für ein famoser Antrieb das hier ist!

Trotzdem darf man die neue Yamaha Tracer 900 GT nicht auf ihren famosen Antrieb, klangstark und emotional, reduzieren. Denn den gibt es ja auch in der nackten, noch feurigeren, da leichteren Yamaha MT-09. Nein, die Kombination aus Sport und Touring im besten Sinne, das Gesamtpaket macht hier die Faszination aus.

Zweifach höhenverstellbar ist der Fahrersitz und mit neuer Kontur wie Innenleben gesegnet. Hochgestellt ergibt sich eine aktivere Sitzposition, vorderradorientierter. Trotz mindestens 850 Millimetern lichter Höhe (Werksangabe) bekommst du auch mit gerade mal 1,71 Meter beide Fußsohlen sicher auf die Erde. Umgekehrt sitzen selbst große Kerls äußerst entspannt.

Die neue Yamaha Tracer 900 GT ist mit Koffern, Tempomat und Heizgriffen ausgestattet. Auch eine zweistufige, abschaltbare Traktionskontrolle ist an Bord. Sie grätschte schon im ersten Kreisverkehr(!) dazwischen. Hm, liegt das nun am hohen Drehmoment oder an etwas holzig abrollenden Dunlop D 222 in Sonderkennung F? Sie gehen wohl kaum als Grip-Weltmeister durch. Dabei soll die um üppige sechs Zentimeter längere Schwinge doch für reichlich mechanische Traktion und Stabilität bürgen. Edel aus Aluminium besteht sie und ist bananenförmig.

Tatsächlich ist die Geradeauslaufstabilität über jeden Zweifel erhaben: Bei Tachoanzeige 222 und mit leeren Koffern läuft die Yamaha Tracer 900 GT wie ein Pfeil geradeaus. Im Stadtverkehr hingegen fiel die Seilzugkupplung positiv auf. Leichtgängig ist sie – und fein dosierbar. Einziger Kritikpunkt: Der Hebel ist nicht einstellbar.

Dafür kommt die Yamaha Tracer 900 GT mit einem einwandfrei funktionierenden Schaltassistenten und einer servounterstützten Anti-Hopping-Kupplung („Assist Slip Clutch“), das Getriebe agiert im besten Sinne unauffällig. Drei Mappings kennen die elektronisch angesteuerten Drosselklappen (Ride-by-Wire). A, Standard und B. In A ist die Gasannahme am zackigsten. Allerdings sind dann auch die Lastwechselreaktionen am größten. Weicher in jeder Hinsicht arbeitet B, meist passt Standard ganz gut. Man merkt die Modifikationen: Die Yamaha Tracer 900 GT fährt agil, aber nie nervös. Handlich, doch seriös und dabei sehr verlässlich. Ein leichtes Motorrad, aber kein Bruder Leichtfuß. Im guten Sinne ist die Tracer GT kein „schweres Motorrad“. 215 Kilogramm soll sie vollgetankt wiegen, 227 Kilogramm inklusive Koffern und allem Drum und Dran. Nicht viel für einen agilen Tourer erster Güte. Überraschend straff hält das Federbein den Kontakt zur Fahrbahn. Nicht nur angesichts üppiger 142 Millimeter Federweg bietet das Heck reichlich Reserven.

Bremsen mit der Yamaha Tracer 900 GT

Weit taucht die Front beim Griff zur bissigen, aber niemals böse zubeißenden Bremse ab. An der Yamaha Tracer 900 GT ist die Upside-down-Gabel voll einstellbar. Nicht ganz neutral bleibt die Vorderpartie, wenn du auf der Bremse in die Kurve reinfährst und dann loslässt; umgekehrt gibt es auch eine leichte Aufstelltendenz beim Bremsen in Schräglage. Okay, die knackigen Bremsen, radiale Vierkolbenstopper mit verschieden großen Bremskolben, waren mal Supersport-Ware. Aber ganz ehrlich, hier steht eher der Reifen unter Verdacht.

Wenige Kritikpunkte

Echte Kritikpunkte sind praktisch Mangelware. Das zulässige Gesamtgewicht sollte größer sein. 179 Kilogramm Zuladung verspricht Yamaha für beide Versionen - Tracer 900 und Tracer 900 GT. Ziemlich wenig für einen Vollwert-Tourer im Zweipersonenbetrieb – allein die Koffer wiegen ja schon 12 Kilo. Wer für gut 12.000 Euro ein Motorrad für alles sucht, sollte jetzt zugreifen.

Was ist neu?

Tracer 900:

  • Frontverkleidung mit überarbeitetem Design, neue Farbkombinationen
  • Verkleidungsscheibe neu, mit Einhand- Höhenverstellmechanismus (um 50 mm)
  • Lenker 16,5 Millimeter schmaler, samt veränderten Handprotektoren 100 mm schmaler
  • Schwinge 60 Millimeter länger (592 statt bislang 532 mm)
  • Radstand daher 1500 statt bisher 1440 mm
  • Federbein modifiziert; Federweg nun 142 statt 130 mm
  • Heckrahmen (Stahl) neu, mit integrierten Aufnahmepunkten für Koffer
  • Sitzbank (zweiteilig) mit neuer Form und Mehrzonenschaum im Inneren
  • Sozius-Haltegriffe ergonomisch verbessert, längere Fußrasten-Ausleger
  • Drosselklappenkörper modifiziert
  • Spiegelausleger verlängert
  • Kennzeichenträger geändert

Tracer 900 GT zusätzlich:

  • Tempomat und Heizgriffe serienmäßig
  • Koffer mit je 22 Litern Inhalt und lackierten Deckeln inklusive
  • Gabel voll einstellbar
  • Federbein mit hydraulischer Fernverstellung der Federbasis ohne Werkzeug
  • Schaltassistent serienmäßig
  • TFT-Farbcockpit mit Tag-/Nachtanzeige
  • Gewicht 215 statt 214 Kilogramm vollgetankt (plus 12 kg Koffer)

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