Honda NT 1100 2022 Honda
Honda NT 1100 2022
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Honda NT 1100 2022
Kawasaki Versys 1000 12 Bilder

Vergleich: NT 1100, Tracer 9, Versys 1000, R 1250 RT

Honda NT 1100 im Vergleich Die Definition von Tourer

Mit der NT 1100 möchte Honda ein Tourenmotorrad bieten, dass kein Crossover- oder Adventurebike ist. Gegen wen tritt die neue Honda an?

Honda hat ein genaues Bild im Kopf. Das Bild des NT-1100-Käufers. Sie und er sind Halter von VFR-Modellen, Freunde der Pan European oder beinharte Fans der Deauville. Für diese Zielgruppe wurde die neue NT 1100 als Tourer entwickelt. Kein Crossover-Modell mit Supersportgenen, kein auf Straßentauglichkeit getrimmtes Adventurebike und auch kein ähnlich gearteter Hybrid. Eben diese neuen Gattungen haben das ohnehin löchrige Segel der alten Tourer-Klasse weiter angeknabbert. Gegen wen tritt Honda mit der NT 1100 an? MOTORRAD hat sich den Markt angesehen und die NT 1100 mit Yamaha Tracer 9, Kawasaki Versys 1000 und BMW R 1250 RT auf dem Papier verglichen.

Twins, Triples und Reihenvierer

Beginnen wir mit den Motoren der Kandidaten, die in Bauweise, Hubraum und Power große Unterschiede offenbaren und die Spreizung im Segment doppelt unterstreicht. Honda vertraut auf den Reihentwin aus der Africa Twin. Mit 1.084 Kubik, 102 PS und 104 Nm hält er den Trumpf in der Hand optional per Doppelkupplungsgetriebe (DCT) seine Kraft an die Kette zu bringen. Ja: Mit dieser Leistung steht der Honda-Twin mit seinen 90-Grad-Hubzapfenversatz am Ende der Liste, wenn es um die reinen Leistungsdaten geht. Angeführt wird diese vom Boxer in der BMW. Er holt aus 1.254 Kubik 136 PS und 143 Nm. Seine technische Besonderheit ist die variable Nockenwelle auf der Einlassventile. 119 PS und 93 Nm holt der Triple der Tracer 9 aus seinen 889 Kubik und bietet mit den höchsten Drehzahlen das breiteste Drehzahlband im Reigen. Die Kawasaki Versys 1000 führt einen Reihenvierer mit 1.043 Kubik ins Feld. Er holt 120 PS und 102 Nm raus und steht für japanische Hochkultur im Motorenbau.

Fazit Motoren: Honda hält sich mit der Leistung der NT 1100 sehr zurück und wird selbst vom deutlich kleineren Yamaha-Triple übertroffen. Das größte Plus des Twins ist der große Hubraum und das optionale DCT-Getriebe. Die BMW ist die einzige Maschine mit Kardan als Endantrieb.

Fahrwerke von Basis bis Luxus

Große Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Tourerkonzepten zeigen die Chassis-Konstruktionen und Fahrwerks-Komponenten der vier Motorräder. Honda setzt auf den Stahlrohrrahmen mit Doppelschleife und Aluheck der Africa Twin. Die Front führt eine USD-Gabel von Showa mit 43 Millimeter Standrohr-Durchmesser und 150 Millimeter Federweg, einstellbar in Vorspannung und Zugstufe. Hinten arbeiten eine Alu-Schwinge und ein Pro-Link Dämpfer zusammen. Die Vorspannung ist hydraulisch einstellbar, der Federweg beträgt 150 Millimeter. Die NT 1100 fährt mit einem Lenkkopfwinkel von 63,6 Grad und einem Nachlauf von 108 Millimetern bei 1.535 Millimeter Radstand. Die BMW setzt auf einen Rohrrahmen aus Stahl, das Telelever-System mit 120 Millimeter Federweg vorn und ein Zentralfederbein mit 136 Millimeter Federweg im Paralever hinten. Im Heck sind Vorspannung und Zugstufe einstellbar. 64,1 Grad Lenkkopfwinkel treffen auf 116 Millimeter Nachlauf und 1.485 Millimeter Radstand. Yamaha setzt auf einen Alurahmen in Deltaboxbauweise und eine Alu-Schwinge. Vorn arbeitet eine voll einstellbare USD-Gabel mit 41 Millimeter Durchmesser und 130 Millimeter Federweg. Das Zentralfederbein ist nur per Werkzeug in der Vorspannung justierbar und bietet 137 Millimeter Federweg. 65 Grad Lenkkopfwinkel, 108 Millimeter Nachlauf und 1.500 Millimeter Radstand sind die Geometrie-Daten der Yamaha Tracer 9. Die Versys 1000 bietet einen Alurahmen mit 43-Millimeter-USD-Gabel, 150 Millimeter Federweg und einstellbarer Vorspannung und Zugstufe. In der Schwinge arbeitet ein Zentralfederbein mit 152 Millimeter Federweg, einstellbarer Zugstufendämpfung und hydraulischer Vorspannung. Geometrie: 106 Millimeter Nachlauf, 63 Grad Lenkkopfwinkel und 1.520 Millimeter Radstand.

Fazit Fahrwerk: Honda arbeitet bei der NT 1100 mit einfacher Hardware. Die fehlenden umfangreichen Schrauben zum Einstellen des Fahrwerks, müssen bei guter Abstimmung kein Minus bedeuten. Sie könnten aber einen Hinweis auf die bisher unbekannte Preisgestaltung der Honda geben. Anmerkung zur BMW: Aktuell (Oktober 2021) bietet BMW das semiaktive Fahrwerk nicht an, da das ZF-Werk im Ahrtal nach der Flutkatastrophe noch nicht wieder die nötige Schlagzahl bei dessen Produktion erreicht hat.

Tourer mit Ausstattung

Ab Werk kommt die neue NT 1100 mit umfangreicher Ausstattung. Koffersystem, Hauptständer, Tempomat, verstellbare Scheibe, TFT-Display, Konnektivität per Bluetooth und Griffheizung sind serienmäßig. Mit drei optionalen Paketen und dem optionalen DCT ist die Honda bestellbar. ABS, einstellbare Traktionskontrolle sowie fünf Fahrmodi sind an Bord. Ob das System schräglagen-sensibel ist, hat Honda nicht explizit dargestellt. Bei der BMW heißen die serienmäßigen Schräglagen-Systeme ABS Pro und DTC (Dynamic Traction Control). Die RT kommt mit Griffheizung, TFT-Cockpit, elektrischem Windschild, Koffersystem, drei Fahrmodi, Tempomat und Hauptständer. Yamaha bietet in der Tracer 9 wie die BMW ein sogenannten Kurven-ABS sowie eine schräglagenabhängige, dreistufige Traktionskontrolle. Gesteuert werden können die per zweiteiligem TFT-Display. Die übrige Serienausstattung der Tracer 9 ist zurückhaltend gewählt. Außer einem höhenverstellbaren Windschild sind keine weiteren Features im Basispreis enthalten. Zusammen mit der Yamaha gibt sich die Kawasaki Versys 1000 in der Basisausstattung preisbewusst. Die Elektronik ist mit schräglagen-sensiblen Systemen und Tempomat auf dem Stand der Zeit, jeder weitere Komfort muss dazu bestellt und bezahlt werden.

Fazit Ausstattung: Hier kann die Honda punkten und viel teure Ausstattung ab Werk bieten. Bemerkenswert ist vor allem das serienmäßige Koffersystem. Erwähnenswert: Kein Fahrhilfen mit Schräglagen-Funktion.

Tourer brauchen Reichweite

Königsdisziplin für Tourer ist die Reichweite. Wer kommt wie weit? Die Honda NT 1100 hat einen 20 Liter Tank und ist mit einem Verbrauch von fünf Liter pro 100 Kilometern angegeben. Macht 400 Kilometer Reichweite, theoretisch. Zuladen darf die Honda 194 Kilo und in Summe 432 Kilo wiegen. Das Gewicht fahrfertig liegt bei 238 Kilogramm (mit DCT 248 Kilo). 25 Liter Tankvolumen hat die BMW und soll nur 4,75 Liter verbrauchen. Macht theoretisch 526 Kilometer Reichweite. Dem gegenüber stehen 279 Kilo Leergewicht, die um 226 Kilogramm Zuladung erhöht werden dürfen. Yamaha hat die Tracer 9 mit fünf Liter Verbrauch angegeben, die aus einem 18-Liter-Tank abgerufen werden. Ergibt 360 theoretische Kilometer. Sie darf noch 193 Kilogramm zu ihren 213 vollgetankten Kilos tragen. Die Versys kommt mit ihren 21 Litern im Tank und einem Verbrauch von 5,5 Litern auf dem Papier 381 Kilometer weit. 210 Kilo dürfen den vollgetankten 253 Kilogramm hinzugefügt werden.

Fazit Reichweite: Honda hat bei der NT viel richtig gemacht. Großer Tank, genügsamer Motor und ein vergleichsweise leichtes Motorrad. Viele wichtige Punkte im Vergleich der Tourerkonzepte.

Alles eine Frage des Preises

Honda bietet die NT 1100 als Schaltvariante für 13.509 Euro an. Die BMW markiert die Luxusklasse mit 19.950 Euro. Tracer 9 und Versys 1000 sind die Sonderangebote mit 11.599 Euro und 11.995 Euro, wobei der geringe Preisunterschied die großen konzeptionellen Unterschiede nicht klar darstellt – oder die 40 Kilo Gewichtsunterschied. Übrigens: Die Tracer wie die Versys gibt es als GT beziehungsweise S und SE-Versionen mit deutlich mehr Ausstattung und wären hier verglichen worden, wenn es um die Frage ginge: Was bekomme ich für mein Geld?

Fazit Preis: Im diesem Vergleich passt die Honda am besten zwischen die BMW und die anderen Japaner. Ausstattung und Prestige geben nicht mehr und das und wird vom deutschen Preis am Ende unterstrichen.

Fazit

Wäre dies ein echter Test gewesen, so wäre die Modellauswahl wohl eine andere gewesen. Jedoch zeigt diese Auswahl die Palette an Konzepten, mit der Hersteller das Thema Tourer angehen. Die enorm teure BMW fährt mit üppiger Ausstattung und vielen Features in einer anderen Liga. Yamaha und Kawasaki bilden als gute Basis-Bikes für Preisbewusste ihre eigene Klasse. Und die Honda? Von den Papierwerten steht sie genau dazwischen. Wir warten mit Spannung auf den ersten echten Test.

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