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BMW CE 04 im ersten Test

BMW CE 04 im ersten Test Ruhe und Kraft für die Stadt

Ein neuer Antrieb, ein eigenständiges Design und ein straff kalkulierter Preis sollen den Hochvolt-Flitzer zum Star der urbanen Mobilität machen. MOTORRAD düste mit dem BMW CE 04 durch Barcelona.

Fahrbericht BMW CE 04 BMW Motorrad
Fahrbericht BMW CE 04
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Fahrbericht BMW CE 04
Fahrbericht BMW CE 04 14 Bilder

Das ist ein Roller. Die 15-Zoll-Räder sprechen dafür. Ebenso die Front, die den Fahrer gut vor Wind, Spritzwasser und anderem Stadtdreck schützt. Und die Trittbretter des neuen BMW CE 04. Jedoch: die lange flache Sitzbank, der mit 1.675 Millimetern lange Radstand, dazu die offene Architektur bis zum weit hinten liegenden, voll ausgekleideten Rad, der eigentlich fehlende klassische Roller-Durchstich zwischen Verkleidung und dem Rest – all diese Features entlarven den CE 04 zwar nicht als Motorrad, dafür als eigenständiges Fahrzeug im urbanen Umfeld.

Neuer Antrieb, kleine Akkus

Ebenso der neue Antrieb. Ganz flach und weit unten liegt der Akku-Pack mit 40 Lithium-Ionen-Zellen, die in dieser Bauweise auch im vierrädrigen E-Aushängeschild der Bayern, dem BMW iX, den Strom speichern. Den CE 04 kann man mit dem alten C-Evolution, dem ersten E-Roller von BMW, nicht vergleichen. Dessen drei dicke Akku-Packs wogen 40 Kilo mehr. Nach der Revolution zum CE liegt dessen Gesamtgewicht bei knapp 230 Kilo. A2-konforme 31 kW (42 PS) leistet der Antrieb mit dem kompakten Motor, der übrigens eine Variante aus dem BMW-Vierradsektor ist, wo er einen Hybrid antreibt. Die Spitzengeschwindigkeit beträgt 120 km/h. Eine 11 kW-Version für A1- und B196-Führerscheininhaber gibt es ebenfalls. Die elektronischen Komponenten im Antrieb sind wassergekühlt, während der Flachspeicher durch ein mit Längskanälen versehenes Alugehäuse am Unterboden mit Luft auf Temperatur gehalten wird.

Ab geht die Post

"Zündung" an, Bremse gezogen und Startknopf gedrückt: Im großen 10,25-Zoll-TFT-Display erscheint die "Momentanschaukel", die bei Fahrt bzw. beim Bremsen die über Rekuperation zurückgeführte Energie anzeigt. Der BMW CE 04 ist damit scharf, es kann losgehen. So richtig die Muckis spielen lässt die "offene" Version. Im Dynamic-Modus zieht der Flitzer jeden Verbrenner an der Ampel ab. In 2,6 Sekunden steht die Uhr auf 50 km/h, was viel Spaß macht, aber der Ladung damit natürlich arg zusetzt. Doch den Tag in Barcelona hielt der CE 04 so locker durch. Beim Losfahren standen 130 Kilometer auf dem Display. Mit knapp 50 Kilometern Restreichweite kamen wir am Nachmittag am Startpunkt wieder an – nach vielleicht drei Stunden Netto-Fahrzeit und 65 km Strecke mit etlichen Ampelstarts, Stop and Go, Durchschlängeln, Speedabschnitten über die Stadtautobahn und freier Fahrt auf den Barcelona-Hausberg, wovon wir gut 70 Prozent in "Dynamic" absolvierten. Sicher mehr Restreichweite gehabt hätte der 04er, hätte ich ihn im Rain, Eco- oder Road-Modus bewegt. Aber erstens schien in Barcelona die Sonne, zweitens ist der Eco-Modus zwar lieb, nett und spart Energie, aber dafür ist er trotz astreiner Gasannahme für die Kennenlernrunde etwas weichgespült, und der Road-Modus rekuperierte mir im Stadtverkehr zu sehr, was nach dem Gasgriffschließen in abruptes Verzögern mündet und dann ohne Ohrenstöpsel über längere Zeit dann doch etwas zu nervig pfeift. Das Schöne am CE: Er selbst ist eigentlich Ruhe und Kraft im Chaos der Großstadt.

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Leises Gleiten und volle Power

Das wollte ich erleben. Und das bot die "Beam-Machine", die perfekt in die moderne Architektur von Barcelonas Außenbezirken passte und wie ein Fahrzeug aus Star Wars rüberkommt; wo bitte geht’s zu Chalmuns Cantina in Mos Eisley auf Tatooine? Erstaunlich souverän ist das Handling des langen Gleiters. Trotz sehr tiefen Schwerpunkts ist der CE zu keiner Zeit kipplig und der lange Radstand machte sich beim Schlängeln durch die Blechkäfig-Reihen nie negativ bemerkbar. Hinauf zum Olympia-Gelände oder den Montjuic lässt sich mit dem CE sogar sportlich und zielgenau durch die Kurven fliegen, was die Pirelli Diablo Rosso "Scooter" maßgeblich unterstützen. Kurskorrekturen rund um wild spurwechselnde Minivans oder Kleinlaster in den weiten Kreisverkehren gingen spielend.

Stabil und sportlich

Das Fahrwerk sorgt für Stabilität und außer bei provokanten Einlagen über Speed-Bumps für ausreichend Komfort. ABS ist an Bord und auf Wunsch und Aufpreis sogar als Kurven-ABS zu haben. Das Bremsen an sich ist enorm effektiv und je nach Modus geht es im Stadtverkehr sogar meist exklusiv über die Rekuperationsverzögerung. Gegen Ausbrechen auf glatt gerubbelten Kreisverkehren oder durchdrehende Hinterräder beim Dragster-Ampelstart hilft das serienmäßige ASC, wer mit mehr Sportlichkeit ans Werk geht, kann das komplexere DTC dazu ordern.

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Flacher Sitz, hoher Komfort

Sitzkomfort und -position haben mir sehr gut gefallen. Die Bank ist flach gepolstert und bietet sicher nicht die Flauschigkeit der einen oder anderen dicken Roller-Polster, aber dafür kann ich meine Position permanent ändern, mal die Füße flach weit hinten auf das Trittbrett stellen und dazu fahraktiv weit vorn sitzen oder lässig die Flossen schräg in die Verkleidung stellen und hinten im Polster fläzen. Die niedrige Sitzposition kostet kein bisschen Überblick im anarchischen Verkehr der katalanischen Millionenstadt, macht dazu das Auf- und Absteigen entsprechend easy.

Fahren und Laden

Sechs bis 19 Kilometer ermittelten Studien für die tägliche Strecke von Zweirad-Pendlern im urbanen Umfeld. Damit dürfte nach unserer ersten Erfahrung mit dem CE 04 eine volle Ladung pro Woche genügen. An der 220 Volt Haussteckdose lädt der entladene CE mit einer Ladeleistung von 2,3 kW in knapp 4 Stunden und 20 Minuten wieder voll auf. Mit 6,9 kW und dem C2-Stecker der üblichen Ladestationen geht es in einer Stunde und 20 Minuten wieder hoch auf 100 Prozent. Etwas schneller geht es bei der 11 kW-Version.

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Ein Elektroroller für's Pendeln und den Stadtverkehr kann ich mir vorstellen.
Ein kleines, wendiges Elektromopped macht bestimmt Spaß.
Gar keins.

Fazit

Ob jetzt Roller oder was auch immer, ich bin beeindruckt vom CE 04. Mehr Spaß hat dichter Stadtverkehr auf zwei Rädern noch nie gemacht. Und beeindruckt hat der BMW wohl auch die vielen Rollerfahrer Barcelonas. Permanent wurde in den Pulks an den Ampel-Startlinien geschaut und nachgefragt. Spätestens beim nächsten Stopp, als die Verbrennerflotte dann wieder aufgeschlossen hatte, gab es den respektvollen Daumen nach oben. Wer das gern täglich haben möchte, muss sich noch bis Frühjahr 2022 gedulden, dann kommt der CE 04 zu den BMW Motorrad-Händlern. Bis dahin sollte man dann die 11.990 Euro Einstiegspreis zusammen haben.

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