Markus Jahn
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BMW R 1200 GS und BMW R 1200 GS Adventure im Vergleichstest

Ist die Adventure die bessere GS?

Mit einem Jahr Verzögerung erhielt auch die BMW R 1200 GS Adventure den wassergekühlten Boxermotor. Mehr Schwungmasse auf der Kurbelwelle und ein Torsionsdämpfer im Kardanantrieb sollen sie geländetauglicher machen. Ist die BMW R 1200 GS Adventure sogar die bessere GS?

Hätten Sie’s vermutet? Rund die Hälfte aller BMW R 1200 GS-Modelle rollen derzeit in der Adventure-Version vom Band. In den ver­gangenen Jahren hatte sich der Anteil der BMW R 1200 GS Adventure bei etwa 30 Prozent eingependelt. Wer von dieser Entwicklung ­einen neuen Trend zu mehr Offroad-Begeisterung der GS-Klientel ableitet, dürfte ­dennoch falschliegen. Denn während die Basisversion der GS im vergangenen Jahr runderneuert wurde, musste die Adventure-Ausgabe bis zu dieser Saison auf den vertikal durchströmten, wassergekühlten Motor warten.

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Insofern profitieren die ak­tuellen Absatzzahlen der Neuen sicher von einem Nachholeffekt. Aber: Neben den für die BMW R 1200 GS Adventure seit Jahren obligatorischen Zutaten wie Speichenräder, größerer Tank und längere Federwege unterscheidet sie sich vor allem in zwei zusätzlichen Details von der Standard-GS: Die Kurbelwelle erhielt 950 Gramm mehr Schwungmasse und die Kardanwelle einen Torsionsdämpfer.

Wie ein Supertanker neben der Queen Mary

Zunächst wenig spektakulär. Denn beide Features schuldet die BMW R 1200 GS Adventure vor allem ihrem in Richtung Offroad erweiterten Einsatzbereich. Die zusätzliche Schwungmasse soll den Leistungseinsatz im trak­tionsarmen Gelände zähmen, der Torsionsdämpfer den unrunden Lauf des Antriebsstrangs glätten, der durch die 20 Millimeter längeren Federwege und daher engeren Knickwinkel der Kardangelenke entsteht. Maßnahmen, die dennoch so manchen Besitzer einer 2013er-GS hellhörig werden lassen. Denn unbestritten ist zwar, dass mit der Neuentwicklung den BMW-Technikern eine in der Summe ihrer Eigenschaften ­formidable Reiseenduro gelungen ist. Doch empfinden nicht wenige GS-Treiber den betont spritzigen Motor als zu aggressiv und die als dumpfes Dröhnen wahrnehmbaren, im Schiebebetrieb gelegentlich auftretenden Resonanzschwingungen des Antriebsstrangs als nervig und eines hochpreisigen Bestsellers unwürdig.

Weshalb sich die Frage aufdrängt: Ist die BMW R 1200 GS Adventure vielleicht die bessere GS? Zunächst einmal ist sie die teurere. 1500 Euro Aufschlag fallen für die Abenteuer-Ausgabe an. Mit der überwiegend georderten Ausstattung (Dynamic ESA, Gepäcksystem) überspringt sie die 21.000-Euro-Hürde, stellt mit diesem Tarif alle Reiseenduros und einen Großteil der Tourer in den Schatten. Und sie ist die schwerere. 272 Kilogramm wiegt die Adventure. Beachtliche 22 Kilo mehr als ihre 250 Kilo schwere Basisversion – auch wenn knapp acht davon auf das Konto des zusätzlichen Benzinvorrats im 30-Liter-Tank (Standard-GS: 20 Liter) gehen. Weshalb sie auch die ausladendere R 1200 GS ist. Denn mit dem imposanten Spritfass, dessen drei Zentimeter breiterem Knieschluss (390 statt 360 Millimeter), den Sturzbügeln, der 42 Millimeter höheren Sitzbank und der hohen Serien-Scheibe wirkt die Adventure im Vergleich zur ohnehin alles andere als schmächtigen Basis-GS wie ein Supertanker neben der Queen Mary. Piloten unter 1,80 Meter Körpergröße werden vor der Erstbesteigung kräftig Luft holen.

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Das Bessere ist des Guten Feind

Um bereits nach den ersten Metern entspannt aufzuatmen. Denn in Fahrt benimmt sich das Duo, als hätte es einen Zentner Ballast in der Garage zurückgelassen. Blitzsauber ziehen BMW R 1200 GS Adventure und BMW R 1200 GS ihre Spur und begeistern mit einer im Vergleich zu den früheren GS-Modellen deutlich verbesserten Rückmeldung der Tele­lever-Frontpartie. Dass sich die Kolleginnen trotz des beträchtlichen Gewichtsunterschieds in Sachen Handling fast identisch anfühlen, hat freilich seinen Grund. Mit einem um ein Grad steileren Lenkwinkel und sieben Millimetern geringerem Nachlauf – dank eines modifizierten Längslenkers – kompensiert die BMW R 1200 GS Adventure die Auswirkungen ihrer zusätzlichen Pfunde gekonnt. Nur in Wechselkurven muss sie Farbe bekennen, verlangt beim behänden Schwenk nach kräftigerem Schenkeldruck als ihre Schwester.

Wer jetzt befürchtet, dass die Dicke ihr aufpoliertes Handling mit Nervosität auf der Autobahn erkaufen muss, der irrt. Ob’s den Lenkungsdämpfer tatsächlich gebraucht hätte oder nicht, sei dahingestellt, doch Fakt ist: Die BMW R 1200 GS Adventure liegt auch mit Beladung bei Topspeed wie das sprichwörtliche Brett. Dass die Standard-GS – als einzige wesent­liche Modifikation am 2014er-Modell – ebenfalls einen Lenkungsdämpfer spendiert bekam, liegt laut BMW am dadurch vereinfachten Produktionsablauf beider Modelle. Das klingt glaubhaft, da sich auch das se­rienmäßig ohne Lenkungsdämpfer ausgestattete 2013er-Modell in dieser Beziehung unkritisch benahm.

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Torsionsdämpfer der Adventure ist überlegen

Im Gegensatz zu dessen Antriebsstrang. Der muckt vor allem in der Zwei-Personen-Abstimmung des ESA, in welchem die Federbasis um 20 Millimeter angehoben wird. Im ausgefederten Zustand oder im Solobetrieb mahlen die Kardan­gelenke lautstark. Ein Phänomen, welches, weshalb auch immer, an der 2014er-Test-GS bei Weitem nicht in diesem Ausmaß auftritt – und an der BMW R 1200 GS Adventure überhaupt nicht. Denn gleich in welcher Einstellungsvariante, glättet der Torsionsdämpfer den technisch nicht vermeidbaren unrunden Lauf der Kardanwelle wirkungsvoll, zeigt sich der Standard-GS nicht nur in dieser ­Beziehung klar überlegen. Denn auch das erwähnte Dröhnen im Antriebsstrang ist deutlich reduziert. Vielleicht auch, weil die größere Schwungmasse des Motors zusätzliche Schützenhilfe leistet. Gerade im Drehzahlkeller zwischen 2000 und 3500/min läuft der Adventure-Motor spürbar gleichmäßiger, tritt aus Kehren geschmeidiger und kultivierter an, ohne dabei träge zu wirken. Er trifft mit diesem Charakter sozusagen die goldene Mitte zwischen dem gutmütigen luftgekühlten Boxer und der spritzigen ­aktuellen Version.

Auch das Konstantfahr­ruckeln im niedrigen Drehzahlbereich, das ein Teil der BMW R 1200 GS-Kundschaft bemängelte, kennt der Adventure-Motor kaum noch. Zur Ehrenrettung der Standard-GS: Im Vergleich zur 2013er-Dauertest-Maschine von MOTORRAD benimmt sich die 2014er-GS in dieser Beziehung ohnehin besser. Der technische Hintergrund bleibt allerdings auch hier im Dunkeln. Die Verbesserung lässt auf ein zwischenzeitlich optimiertes Mapping oder sonstige nicht kommunizierte Modellpflegemaßnahmen schließen.

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Gewaltige Dimensionen, horrendes Gewichts

Wie dem auch sei, definitiv eine Liga höher als die GS spielt die BMW R 1200 GS Adventure in Sachen Windschutz und Federungskomfort. Die Kombination aus der riesigen Scheibe und den seitlichen Windabweisern bietet Wetterschutz auf Tourerniveau. Was auch für das Fahrwerk der Adventure gilt. Als brillierten die Federelemente der GS nicht ohnehin schon, pulverisieren die zwei Zentimeter längeren Federwege und die flauschige Sitzbank der Adventure jedes Schlagloch vollends. Viel komfortabler geht’s nimmer. Dass die mächtige Adventure sich nur marginal schlechtere Fahrleistungen und einen minimal höheren Verbrauch (0,2 Liter/100 km) leistet, adelt deren beein­druckenden Auftritt umso mehr. Denn mit ihrem gelungen modifizierten Motor und dem gedämpften Kardan besitzt die BMW R 1200 GS Adventure zwei starke Argumente. Ob sie deshalb auch die bessere R 1200 GS ist, bleibt angesichts der gewaltigen Dimensionen und des horrenden Gewichts dennoch eine individuelle Entscheidung. Wer allerdings hofft, dass auch die Standard-GS für das Modelljahr 2015 mit dem Motor und Antriebsstrang der BMW R 1200 GS Adventure ausgestattet sein wird, der liegt falsch. Zu diesem Schritt hat sich BMW nicht durchgerungen – zumindest bisher nicht.

Daten und Messwerte

Motor

  BMW R 1200 GS Adventure     BMW R 1200 GS
Bauart Zweizylinder-Viertakt-
Boxermotor
Zweizylinder-Viertakt-
Boxermotor
Hubraum 1170 cm³ 1170 cm³
Leistung 92,0 kW (125 PS)
bei 7750/min
92,0 kW (125 PS)
bei 7700/min
Drehmoment 125 Nm bei 6500/min 125 Nm bei 6500/min

Maße + Gewicht

  BMW R 1200 GS Adventure    BMW R 1200 GS
Radstand 1510 mm 1507 mm
Lenkkopfwinkel 65,5 Grad 64,5 Grad
Nachlauf 93,0 mm 100,0 mm
Federweg vorne/hinten 210/220 mm 190/200 mm
Sitzhöhe¹ 890–910 mm 850–870 mm
Gewicht vollgetankt¹ 272 kg 250 kg
Zuladung¹ 208 kg 200 kg
Tankinhalt/Reserve 30,0/4,0 Liter 20,0/4,0 Liter
Preis 15.900 Euro 14.400 Euro
Preis Testmotorrad 20.675 Euro² 18.590 Euro³
Nebenkosten 390 Euro 390 Euro

MOTORRAD-Messwerte

  BMW R 1200 GS Adventure      BMW R 1200 GS
Höchstgeschwindigkeit*  213 km/h 219 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h 3,7 sek 3,6 sek
0–140 km/h 6,0 sek 5,8 sek
0–200 km/h 14,5 sek 14,4 sek
Durchzug
60–100 km/h 3,7 sek 3,4 sek
100–140 km/h 3,9 sek 3,8 sek
140–180 km/h 5,6 sek 5,2 sek
Verbrauch Landstraße/100 km   5,0 Liter 4,8 Liter
Reichweite Landstraße 600 km 417 km

*Herstellerangabe; ¹MOTORRAD-Messungen; ²inkl. Touring-Paket (1740 Euro), Comfort-Paket (440 Euro), Dynamik-Paket (1020 Euro), Alu-Koffer (900 Euro) und Navigationssystem (675 Euro); ³inkl. Touring-Paket (1340 Euro), Comfort-Paket (510 Euro), Dynamik-Paket (1020 Euro), Variokoffer (645 Euro), Navigationssystem (675 Euro).

Punktewertung

Motor

  Maximale Punktzahl     BMW R 1200 GS Adventure     BMW R 1200 GS
Durchzug 40 31 32
Beschleunigung 40 25 25
Topspeed 30 15 16
Motorcharakteristik 30 25 25
Ansprechverhalten 20 15 15
Lastwechsel 20 13 13
Laufruhe 20 11 10
Kupplung 10 7 7
Schaltung 20 12 12
Getriebeabstufung 10 8 8
Starten 10 9 9
Summe 250 171 172

Fahrwerk

  Maximale Punktzahl     BMW R 1200 GS Adventure     BMW R 1200 GS
Handlichkeit 40 27 29
Stabilität in Kurven 40 31 31
Lenkverhalten 40 27 27
Rückmeldung 10 6 6
Schräglage 20 17 16
Geradeauslaufstabilität  20 17 17
Fahrwerksabstimmung vorn  20 16 15
Fahrwerksabstimmung hinten   20 16 15
Einstellmöglichkeiten Fahrwerk   10 9 9
Federungskomfort 10 6 8
Fahrverhalten mit Sozius 20 16 16
Summe 250 191 189

Alltag

  Maximale Punktzahl    BMW R 1200 GS Adventure   BMW R 1200 GS
Ergonomie Fahrer 40 35 34
Ergonomie Sozius 20 16 16
Windschutz 20 15 13
Sicht 20 10 11
Licht 20 18 17
Ausstattung 30 29 29
Handhabung/Wartung     30 20 23
Gepäckunterbringung 10 6 5
Zuladung 10 8 7
Reichweite 30 30 27
Verarbeitung 20 15 15
Summe 250 202 197

Sicherheit

  Maximale Punktzahl     BMW R 1200 GS Adventure    BMW R 1200 GS
Bremswirkung 40 30 30
Bremsdosierung 30 22 22
Bremsen mit Sozius/Fading
20 16 16
Aufstellmoment beim Bremsen   10 8 8
ABS-Funktion 20 16 16
Lenkerschlagen 20 18 18
Bodenfreiheit 10 9 9
Summe 150 119 119

Kosten

  Maximale Punktzahl    BMW R 1200 GS Adventure    BMW R 1200 GS
Garantie 30 17 17
Verbrauch (Landstraße)  30 19 20
Inspektionskosten 20 17 17
Unterhaltskosten 20 8 8
Summe 100 61 62

  Maximale Punktzahl    BMW R 1200 GS Adventure    BMW R 1200 GS
Gesamtwertung 1000 744 739
Platzierung 1. 2.
Preis-Leistungs-Note  1,0 2,7 2,3

Testergebnisse

1. BMW R 1200 GS Adventure: Der modifizierte Motor und Antriebsstrang machen die Adventure zur besseren GS – aber nur für diejenigen, die sich mit den imposanten Dimensionen der Abenteurerin arrangieren können.

2. BMW R 1200 GS: Wie heißt es doch so schön: Das Bessere ist des Guten Feind. Weil die Adventure ganz gezielt die wenigen Schwachstellen der GS ausmerzt, muss sogar die Dauer-Testsiegerin klein beigeben. Wenigstens bleibt ihr der Preis-Leistungs-Sieg.

Datenbank

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In Deutschland ist die Auswahl gebrauchter BMW sehr groß.

Die passende BMW zu finden sollte recht einfach sein, denn die Auswahl gebrauchter R 1200 GS ist am Motorradmarkt enorm. Die R1200GS Adventure ist hier schon seltener, das Angebot ist aber auch ausreichend. Hier ein aktueller Marktüberblick: gebrauchte BMW R1200GS und R1200GS Adventure in Deutschland.

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