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Ducati Multistrada V4 S Fahrbericht 2020 Ducati
Ducati Multistrada V4 S Fahrbericht 2020
Ducati Multistrada V4 S Fahrbericht 2020
Ducati Multistrada V4 S Fahrbericht 2020
Ducati Multistrada V4 S Fahrbericht 2020 20 Bilder

Ducati Multistrada V4 S (2021) im Fahrbericht

Ducati Multistrada V4 S 2021 im Fahrbericht Dynamik, Leichtfüßigkeit und hoher Komfort

Der neuen Ducati Multistrada V4 gelingt Verblüffendes: milde und wilde Charakterzüge zu einer harmonischen Einheit verschmelzen. Und ihr V4-Motor weckt prickelnde Emotionen und Begeisterung.

Dass die Ducati Multistrada V4 S ein richtig großer Wurf ist, steht schon nach wenigen Testkilometer fest. So spielerisch, so leichtfüßig und dabei so druckvoll ließ sich selten eine große Reiseenduro bewegen. Dabei schlug der Multi V4 vor Fahrtantritt durchaus eine gewisse Reserviertheit entgegen: Schließlich hatten sich touristisch angehauchte Ducatis bislang jedes Mal als verkappte Sportler im Reisetrimm entpuppt. Diesmal hingegen haben die Entwickler ganze Arbeit geleistet und ein komplett neues Motorrad gebaut: Motor, Rahmen, Fahrwerk, Abstimmung – alles auf dynamisches Touren ausgelegt und mit pfiffigen Lösungen bestückt.

Intuitive Menü-Bedienung per Joystick

Ein paar von ihnen zeigen sich schon auf dem kurzen Autobahnstück, das zu Beginn der Testfahrt ansteht und dem Ausprobieren des integrierten Radarsystems dient. Beide Füße an der Zahlstelle auf den Boden zu stellen, das klappt mit knapp 1,80 m Größe ganz locker. Bei Bedarf lässt sich die Sitzbank auch zwei Zentimeter niedriger unter dem Tank einfädeln, und zwar ohne Werkzeug. Superpraktisch ist das kleine Fach auf dem Tank fürs Smartphone, USB-Buchse zum Aufladen inklusive, auch das Autobahnticket findet dort Platz. Und natürlich der etwas unhandliche Transponder des Keyless-Systems. Jetzt noch den Windschild lässig nach oben ziehen – dafür reicht ein einziger Finger –, Gas auf, und schon geht es mit beflügelndem Schub voran. Wie in einer Blase schwebt die Ducati Multistrada V4 S über die Autostrada, vom lästigen Fahrtwind kommt im Sattel wenig an. Dank Radar bleibt sogar Muße, das neue Menü zu würdigen, das sich über einen Joystick intuitiv bedienen lässt. Sechs Menüsprachen stehen bereit, auch Deutsch. Das 6,5 Zoll große TFT-Display informiert übersichtlich und lässt sich sogar leicht kippen, um die Lesbarkeit auch bei Sonneneinstrahlung zu erhalten.

Fühlt sich leichter an als sie ist

Autobahnfahrten sind aber ein Pflichtprogramm, das auch die früheren Multis gut beherrschten. Mehr Spannung verheißt daher die Kür im kurvigen Geläuf. Auf den "Ganzole", einer schnellen Berg-und-Tal-Bahn südlich von Bologna, gilt‘s für die neue Ducati Multistrada V4 S. Und wie! Sie scheint die richtige Linie fast von allein zu finden, so prompt folgt sie jedem Lenkbefehl. Wird dabei aber nie kippelig oder nervös, sondern bleibt immer stabil auf Linie. 240 kg bescheinigt ihr Ducati vollgetankt, doch sie fühlt sich deutlich leichter an, so beschwingt wieselt sie durch die Kurven. Dabei hilft die bequeme, fahraktive Sitzposition, die im Verein mit dem 19-Zoll-Vorderrad für ein hervorragendes Kontrollgefühl sorgt, sowie das ausgewogene semiaktive Fahrwerk von Marzocchi, das Unebenheiten im Asphalt gut ausgleicht. Und natürlich der V4, der perfekt am Gas hängt, eifrig bei der Sache und immer mit genau der richtigen Leistung präsent ist.

Motor der neuen Multistrada V4

Überhaupt, dieser Motor! Ein wahres Prachtstück ist Ducati da gelungen. Er stammt vom supersportlichen Antrieb der Panigale V4 ab, doch für die Multistrada V4 S erzogen ihm die Entwickler zurückhaltendere Manieren an und bohrten ihn auf drehmomentfördernde 1.158 Kubik auf. Mit seinem beeindruckenden Schub schon bei tiefen und mittleren Drehzahlen erobert er die Testerin, bisher bekennende Vierzylinder-Skeptikerin, im Handumdrehen. Anders als erwartet vermisst sie den V2 kein bisschen, denn dieser Vierzylinder braucht keine hohen Drehzahlen, um Temperament zu entwickeln. Er macht nie Zicken, nie gebärdet er sich aggressiv oder gar Furcht gebietend. Wohltuend angriffslustig dagegen schon, immerhin stehen ja stramme 170 PS zur Verfügung. Wer es wissen will, dem führt der von Ducati "Granturismo" getaufte Antrieb ab etwa 6.500/min ein kraftvolles Muskelspiel mit lebhaftem Vorwärtsdrang vor, wohliges Kribbeln im Bauch inklusive.

Soundkulisse kann manchen V2 neidisch machen

Dass er nach Jahrzehnten mit dem Desmo-Dogma von Ducati bricht und ausschließlich auf schnöde Schlepphebel setzt – geschenkt. Ein Motor, der aus dem tiefen Drehzahlkeller eine so lineare und perfekte Beschleunigung entwickelt, darf seine Ventile betätigen, wie immer es die Ingenieure für richtig halten. Zumal auch der kernige, dabei aber dezente Klang stimmt: Dank 70 Grad Hubzapfenversatz an der rückwärts drehenden Kurbelwelle liefert die Zündfolge eine Soundkulisse, die manchen V2 neidisch machen würde.

Doch wie macht sich Ducatis neues Touring-Wunder auf kleinen und kleinsten Kurvensträßchen? Der Apennin wartet in dieser Hinsicht mit einer wahren Fülle an Strecken auf. Also weiter Richtung Futa-Pass, tief hinein ins Revier der Ducati-Testfahrer, wo als Höhepunkt enge Kehren warten. Als die Ducati Multistrada V4 S auch noch diese anspruchsvolle Aufgabe im dritten Gang bei niedrigsten Drehzahlen meistert, ohne zu mucken oder zu zucken, zu kippeln oder zu zögern, ist es endgültig um die Testerin geschehen. Die Kombination aus erfrischender Dynamik, Leichtfüßigkeit und hohem Komfort – großartig!

Neue Multi entkräftet Vorurteile

Für Ducati ist die neue Multistrada V4 ein echter Meilenstein, denn sie entkräftet viele Vorurteile, mit denen die Marke zu kämpfen hat.
Ducs sind immer rein auf Höchstleistung getrimmt? Leistung im Überfluss bringt auch die Ducati Multistrada V4 S mit, gibt sie aber höchst kultiviert und manierlich ab.
Ducs sind viel zu laut? Die Multistrada V4 nicht, ihr voller, aber politisch korrekter Klang und das Standgeräusch von 92 dB(A) stellen sogar die Tiroler Lärmwächter zufrieden.
Ducs sind zu teuer in Sachen Wartung? Bei der Multistrada V4 muss das Ventilspiel nur alle 60.000 km kontrolliert werden, das ist Weltspitze.
Ducs sind anfällig und unzuverlässig? Auf die neue Ducati Multistrada V4 gibt der Hersteller vier Jahre Garantie – ein überzeugendes Gegenargument.
Ducs sind radikal? Das ist die neue Multi tatsächlich auch – nämlich radikal gut.

Also gar kein Haar in der Suppe? Vielleicht doch ein kleines. Zweimal starb der Motor beim Ausrollen nämlich ab. Laut Ducati dürfte das der Tatsache geschuldet sein, dass es sich um ein noch nicht perfekt abgestimmtes Vorserienmodell handelte. Ob dem so ist, wird demnächst ein ausführlicher Test in MOTORRAD klären. Mit Spannung erwarten wir außerdem das Duell mit der BMW R 1250 GS – es könnte eng werden für die Münchnerin.

Fazit

Selbstbewusst hatte Ducati im Vorfeld ein "einzigartiges" Motorrad angekündigt. Typisch italienische Übertreibung? Von wegen. Die neue Ducati Multistrada V4 ist tatsächlich ein begeisterndes Multitalent für Straßen jeder Art, sie beherrscht Pflicht wie Kür und beschert dabei prickelnde Emotionen. Vom Motor wollen wir jetzt erst gar nicht reden – an den hat die Testerin schlicht ihr Herz verloren.

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