Kawasaki Ninja H2 SX/SE 2018 im Fahrbericht

Einfach souveräner Vortrieb

Der Kompressormotor steht einfach für einen äußerst souveränen Vortrieb.
Kawasaki hat den Sporttourer H2 SX neu im Programm. Die edler ausgestattete Version heißt SE. Letztgenannte durften wir jetzt in Portugal fahren. Hier die ersten Eindrücke.Vom räudigen Charakter der Namenspaten ist bei der Tourenvariante nichts mehr geblieben. Fein hängt der Vierzylinder am Gas, schnuffelt selbst im Ort bei Tempo 50 im sechsten Gang und mit 2.000/min auf der Uhr lammfromm vor sich hin.
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Kawasaki hat auf der EICMA 2017 einen neuen Sporttourer mit einem Kompressor-Motor vorgestellt. Die Kawasaki H2 SX wird es zusätzlich in einer noch edleren SE-Variante geben. Und letztgenannte durften wir gerade in Portugal fahren. Hier die ersten Eindrücke.

Ein tourentauglicher Sportler mit einem Kompressor-Motor? Ganz recht. Kawasaki hat mit der neuen Kawasaki H2 SX einen neuen Ableger aus der H2-Reihe auf der EICMA 2017 in Mailand präsentiert. Im Vergleich zur H2 der ersten Generation soll sich einiges getan haben. Schwachstellen wie das leicht verzögerte Ansprechverhalten und spürbares Nachschieben bei geschlossenem Gasgriff sollen ausgemerzt worden sein. Dafür hat Kawasaki tief in die Trickkiste gegriffen: neue Kurbelwelle, neue Nockenwellen, neue Zylinder und eine neue Auspuffanlage, um nur die wichtigsten Änderungen rund um den 1.000er-Vierzylindermotor zu nennen. Kawasaki verspricht die gleiche Leistung bei einem leicht höheren Drehmoment und einem deutlich geringerem Verbrauch. Der 200 PS-starke Motor soll 200 PS bei 11.000/min und 137 Nm bei 9.500/min leisten.

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Video vom Top-Test der Ninja H2 SX SE

Der Kompressor-Sporttourer verbindet Leistung und Luxus, Speed und Komfort.
Foto: Möller-Töllner
Wir konnten die SX bereits fahren.
Wir konnten die SX bereits fahren.

Im Vergleich zur ersten H2-Generation ist der neue Motor der Kawasaki H2 SX zudem um drei Kilogramm leichter geworden. Mit der neuen H2 SX möchte Kawasaki das Zusammenspiel aus Komfort und Fahrdynamik auf ein neues Level heben. Durch einen steiferen Rahmen, einen längeren Radstand und einem neuen Windschutz sollen Komfort und Ergonomie deutlich verbessert worden sein. Weil die H2-Modelle als Solisten-Fahrzeuge daherkommen, die H2 SX-Typen gerne aber auch einen Sozius mitnehmen (195 Kilogramm Zuladung sind erlaubt) wuchs das Gewicht etwas an. Merke: Ein steiferer Rahmen ist kein Weight-Watchers-Programm. Bei 260 Kilogramm mit vollem 19 Liter Fass soll der Zeiger der Waage bei der in Portugal präsentierten H2 SX SE stehen bleiben. SE steht für „Special Edition“. Diese Version besitzt einige technische Gimmicks mehr als die vier Kilo leichtere Basisversion.

Foto: Kawasaki
Kawasaki Ninja H2 SX SE.
Kawasaki Ninja H2 SX SE.

Die SX kann lammfromm, aber auch zornig

Doch genug der Vorrede jetzt. Wie fährt das Kompressor-Tier? Wohlerzogen. Um es einmal mit einem Wort zu sagen. Wer je sein Bein über die Speedbolzen-H2 schwang, mag sich darüber wundern, aber es ist so. Vom räudigen Charakter der Namenspaten ist bei der Tourenvariante nichts mehr geblieben. Und das ist auch gut so. Fein hängt der Vierzylinder am Gas, schnuffelt selbst im Ort bei Tempo 50 im sechsten Gang und mit 2.000/min auf der Uhr lammfromm vor sich hin. Laufkultur par excellence.

Und selbst wenn bei dieser Drehzahl der Motor spontan hochdrehen soll, erledigt er diesen Job ohne Murren. Hört sich ziemlich unspektakulär an, steht aber einfach für einen äußerst souveränen Vortrieb.

Wem das jetzt zu langweilig ist: Einfach mit dem Blipper der H2 SX SE die Gänge nach unten steppen. Zornig kann der Kompressor-Motor nämlich immer noch. Mit jedem 1.000er-Drehzahlschritt, den die Drehzahlmessernadel gen Höchstleistung von 200 PS bei 11.000 Touren strebt, drückt der Vierer stärker voran. Komplett ohne Einbruch, immer heftiger. Die einstellbaren Schaltblitze im TFT-Cockpit der H2 SX SE mahnen um Aufmerksamkeit, der nächste Gang fliegt ohne Griff zur Kupplung hinterher. Da ist sie, die Macht des Kompressors. Selbst weit über 200 km/h heißt die Prämisse immer noch: Gib Schub, Rakete.

Wobei: Von der Radikalität der H2 ist die H2 SX ein Stück weit entfernt. Der Kompressor besitzt zwar den gleichen Durchmesser, allerdings sind die Finnen etwas anders geformt. Zwar soll das am Ladedruck laut Hiroyuki Watanabe, dem Projektleiter der H2 SX, nichts geändert haben, trotzdem hat man das Gefühl, dass der Kompressor-Sporttourer nicht ganz so mächtig antritt wie die H2. Aber vielleicht liegt dieser Eindruck nur an den viel gesitteteren Umgangsformen der H2 SX, die sauber, mit feinem Ansprechverhalten am Gas hängt. Auch wenn subjektiv so der ganz fette Druck fehlt, beeindruckend ist das immer noch.

Kawasaki Ninja H2 SX SE.

Soundcheck Kawasaki H2 SX Soundcheck

Foto: Kawasaki
Fahrwerk und Bremsen lassen kaum Wünsche offen.
Fahrwerk und Bremsen lassen kaum Wünsche offen.

Sporttouren auf höchstem Niveau

Und weil die H2 SX SE mit Vehemenz die Geraden unter sich durchschnupft, ist es gut, dass die 320er-Scheiben samt radial montierter Zangen und radialer Bremspumpe einen fein dosierbaren, standfesten Bremsmix zur Verfügung stellen. Das wirkungsvolle und mit Vehemenz zupackende ABS erledigt dann den Rest. Ähnlich gut gibt sich das voll einstellbare Fahrwerk. Klar kann es die mehr als fünf Zentner nicht kaschieren, aber die H2 SX SE liegt sehr satt auf der Straße. Die Gabel nimmt sanft ansprechend dem portugiesischen Rumpel-Asphalt den Schrecken, während der Dämpfer hinten etwas unsensibler arbeitet. Wobei das wirklich Klagen auf höchstem Niveau ist.

Das hohe Niveau gibt es auch beim Preis. 21.995 Euro kostet die H2 SX SE. Dafür erhält der Kawa-Fan neben der Kompressortechnik aber auch ein Motorrad, das mit Features wie Lauchcontrol, TFT-Display und Blipper einige Features besitzt, welche die günstigere Schwester für 18.995 Euro nicht aufweist. Beide verfügen über Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Motorbrems-Kontrolle, Tempomat, LED-Beleuchtung, 12.000er-Wartungsintervalle und drei Fahrmodi. Wer noch grübelt: Vom 2018er-Modell kommen nur 295 Stück nach Deutschland.

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