Indian FTR 1200

Serienmodell kommt 2019

Die Zeichnung zeigt hier allerdings ein digitales Display, wo am Prototypen noch ein analoger Tacho sitzt.
Die Kultmarke Indian besinnt sich bei ihrer Revitalisierung weiter auf die eigenen Wurzeln.Dem Flat-Track-Bike wie aus dem Gesicht geschnitten: Die Scout 1200 FTR Custom soll Sportler für die Straße sein.Ander als beim Vorbild eintfallen bei der FTR 1200 die Rahmenunterzüge. Der 1133 Kubik V2 stammt aus der Indian Scout.Der Desgin des Prototyps lehnt sich wunderbar an die fließenden Linien der Racing-FTR an. Die Tankform ist ein Gedicht.
18 Bilder

Die Studie Indian Scout FTR 1200 Custom wurde 2017 präsentiert. Das passende Serienmodell wird Indian FTR 1200 heißen und 2019 auf die Straße rollt. Die Patentamtbilder zeigen: Das Serienmodell ist dem Prototypen sehr ähnlich.

Indian FTR 1200: so wird die Serienvariante des neuen und bei Fans sehnsüchtig erwarteten "Flat-Track-Modells" von Indian heißen. Auf dem Wheels and Waves 2018 in Biarritz hat der US-Hersteller bekannt gegeben, dass das Serienmodell bereits 2019 auf die Straße rollen soll.

Das US-Patentamt veröffentlichte im September 2018 Informationen und Zeichnungen zum Serienmodell. Die Bilder zeigen: Das Serienmodell wird dem Prototypen sehr ähnlich sein: V-Twin, Doppelendrohr, kurzer Radstand, kurzes Heck, minimalistisches Cockpit und voraussichtlich 19-Zoll-Rad vorn und 18-Zoll-Rad hinten.

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Patenamtbilder der Indian FTR 1200

Was die Zeichnungen noch verraten: Wo sonst klassischerweise der Tank sitzt, trägt die Indian FTR 1200 mehrere Blenden und Verkleidungsteile. Ganz vorne befindet sich der Lufteinlasskanal. Während ein Verkleidungselement den Luftfilter dort verdeckt, wo man als erstes die Tanköffnung vermutet hätte, sitzt der Tankdeckel unterhalb, also näher am Sitzpolster. Über die Öffnung wird der Tankraum unterhalb der Sitzbank befüllt, der wie ein U unter der Sitzfläche liegt.

Prototyp Indian Scout FTR 1200 Custom

Indian Flat-Track - damals und heute

Rückblick: Es ist das Jahr 1953 und Indian meldet Konkurs an. Der älteste Motorradhersteller der USA muss die Tore seiner Produktionshallen in Springfield, ­Massachusetts, endgültig schließen, das Werks­engagement in der amerikanischen Flat-Track-Serie beenden. Was für eine Tragödie! Auch für den Sport. Denn wenige Wochen zuvor gewinnen die drei Fahrer des Indian-Werksteams, die legendäre „Wrecking Crew“, noch Podiumsplätze. Und plötzlich: alles aus, alles vorbei.

Zeitsprung, 64 Jahre später, 2017, in der ­Nähe von Harrisburg, Pennsylvania. Das 16. von insgesamt 18 Wettkampfwochenenden in der Flat-Track-Serie steht vor seinem Höhepunkt: Jared Mees, Bryan Smith und Brad Baker rollen an die Startlinie der Williams Grove Half-Mile. Unter jedem von ihnen brüllt ein von Swissauto für Indian entwickelter 53-Grad-V2-Motor mit 748 Kubik. Die Luft brennt. Die Fahrer warten auf den Startschuss. Die Zuschauer fiebern der sich ankündigenden Sensation entgegen. Denn Indian ist zurück. Nicht nur im Motorsport, sondern an der Spitze des Flat-Track.

Indian FTR 750

„2017 sind wir nach 60 Jahren Abstinenz wieder in die American Flat Track ­Series zurückgekehrt. Mit unserer neu entwickelten FTR 750 wollten wir ein konkurrenzfähiges Bike auf die Räder stellen“, beschreibt Gary Gray, Indians Vize-Präsident, die Situation. Ein hoher Anspruch. Doch die Indianer meinen es ernst: Nicht nur ­haben sie innerhalb kürzester Zeit die FTR 750, ein reinrassiges, ausschließlich auf den Flat-Track-Sport ausgerichtetes Bike, entwickelt. Sie haben auch drei der erfolgreichsten Fahrer der Serie für die „Wrecking Crew“ verpflichtet.

Das Motorrad funktioniert schon beim Saisonauftakt hervorragend. Die Indians sind gut für erste Plätze. Am darauffolgenden Rennwochenende gelingt der Wrecking Crew sogar das Triple: Mees, Smith und Baker feiern die ersten drei Plätze. Die Rückkehr von Indian in den Motorsport ist perfekt, die Tradition wieder mit Leben gefüllt. Die Konkurrenz reibt sich verwundert die Augen. Zu Recht, denn beim vorvorletzten Rennen in Harrisburg schafft das Team die Sensation: Jared Mees (31) holt sich mit seinem neunten Sieg im 16. Rennen vorzeitig den Meisterschaftstitel. Sein größter Konkurrent und Team-Kollege Bryan Smith fällt wegen ­eines Massencrashs zurück. Der Sieger gibt sich rundum begeistert von seinem Motorrad: „Um die FTR in drei Worten zu beschreiben, brauche ich nur zwei: Bad Ass!“ Die Wrecking Crew dominiert die ­Serie mit überragenden Leistungen bis zum Schluss. Am Ende bilanziert man 14 Siege, 37 Podiumsplätze, sechs Triples ­sowie die Meisterschaft.

Foto: Indian
Dem Flat-Track-Bike wie aus dem gesicht geschnitten: Die Scout 1200 FTR Custom soll Sportler für die Straße sein.
Dem Flat-Track-Bike wie aus dem gesicht geschnitten: Die Scout 1200 FTR Custom soll Sportler für die Straße sein.

Indian FTR 1200

Erneuter Szenenwechsel. Mailand ein paar Monate später auf der EICMA: Am Stand von Indian versammelt sich eine Menschentraube. Besucher tummeln sich um ein Flat-Track-Bike. Doch handelt es sich nicht um das Sieger-Bike von Jared Mees, sondern um einen Prototyp für die Straße. Indian präsentiert die Scout FTR 1200 Custom. „Mit diesem Bike feiern wir die grandiose Performance der FTR 750 in der abgelaufenen American Flat Track ­Series und die Rückkehr von Indian Motorcycle in den Motorsport“, verkündet Steve Menneto, Häuptling der Indianer, stolz. „Bei diesem Bike haben wir eng mit unserem Werksteam zusammengearbeitet. Es zeigt, wie wir uns ein Straßenmotorrad basierend auf der FTR-Plattform vorstellen.“

Die Indian Scout FTR 1200 Custom ist der FTR 750 wie aus dem Gesicht geschnitten. Der rote Stahlrohrrahmen samt -schwinge, der V2-Motor, der hochverlegte Doppelauspuff, dicke Stollenreifen, kurzes Heck: Die Verwandtschaft steht außer Frage. Doch anstatt des hochgezüchteten Sportaggregats (ca. 110 PS, Maximaldrehzahl 11.500 Umdrehungen, Verdichtung 14,0:1) steckt der legale und straßentaugliche 1200er-Antrieb aus der Indian Scout im Chassis. Der leistet je nach Peripherie um die 95 PS und knapp 100 Newtonmeter und dürfte die nicht sonderlich schwere FTR 1200 ­damit ordentlich auf Trab bringen. Zumal der Vierventiler ohnehin für seine Drehfreude bekannt ist und nichts gemein hat mit gewöhnlichen Cruiser-Antrieben.

FTR 1200 Custom beim Glemseck 101 2018

Der letzte 1131-Kubik-V2, den MOTORRAD auf dem Prüfstand messen konnte, zeichnete von knapp über 2.000 bis hin zu 8.000 Umdrehungen eine eher horizontal als vertikal verlaufende Drehmomentkurve aufs Papier. Damit schickt der Twin seine Leistung homogen über ein breites Drehzahlband hinweg ans Hinterrad und kommt so den Anforderungen an einen echten Flat-Track-Renner ziemlich nah. Gut vorstellbar also, dass das Aggregat in einer FTR 1200 noch mehr Laune bereiten würde als in der Scout.

Umso erfreulicher, dass die Amerikaner den Prototyp 2018 auch durch Europa touren lassen. Sie wollen Feedback für ein solches Straßenmotorrad auch jenseits der USA sammeln. Schließlich will die 2011 vom Polaris-Konzern übernommene Marke weiter zulegen. Auch in Europa. Die Indian Scout FTR 1200 Custom ist da mehr als ein Anfang. Zu bestaunen ist sie unter anderem im Rahmen des Custom-Wettbewerbs "Sultans of Sprint" beim Glemseck 101, das vom 31. August bis 2. September an der ehemaligen Solitude-Rennstrecke in Leonberg bei Stuttgart stattfindet.

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