Lasst uns direkt über den Elefanten im Raum sprechen: Der optisch polarisierende Suzuki Address 125 bricht mit den Sehgewohnheiten von Retroscooter-Fans. Einige würden ihm sogar absprechen, überhaupt in diese Kategorie zu passen. Zu modern die Anmutung, zu einfach die Proportionen, irgendwie nicht Fisch, nicht Fleisch. MOTORRAD sagt: Der Address spielt im Graubereich zwischen den Genres, gibt den klassisch "angehauchten" Allrounder.
Gewöhnungsbedürftige Optik
Der "Hauch" von Retro-Flair wird beim Suzuki Address 125 in erster Linie vom großzügigen Einsatz verchromter Abdeckungen an Scheinwerfer und Auspufftopf erzeugt. Ansonsten wirkt der japanische Roller mit indischer Herkunft – er wird von Suzuki Motorcycle India in Gurugram im Bundesstaat Haryana produziert – wie ein knuffiger, kleiner Scooter mit gewöhnungsbedürftigen Proportionen.
Ein Werkzeug auf zwei Rädern
"Form follows Function" – eine Design-Philosophie, die bei Retro-Rollern eher nicht zur Anwendung kommt – wird vom Suzuki Address 125 konsequent gelebt. Seine Herkunft weist dabei den Weg: In überfüllten indischen Metropolen zählen vor allem praktische Skills, kompakte Abmessungen und eine möglichst hohe Zuverlässigkeit. All dies bietet der sympathische Alltags-Held.
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Sieht ungewöhnlich aus, ergibt dennoch Sinn
Die lange Sitzbank ist wie dafür gemacht, nicht einem, sondern zwei Beifahrern Platz zu bieten. Hierzulande unzulässig, gelebter Alltag in Indiens Megacitys. Ein flaches Trittbrett, Gepäckhaken und offene Staufächer mögen keine Designpreise gewinnen, bedeuten hingegen einfach nutzbare Transport-Kapazitäten. Der ungewöhnlich große hintere Karosserie-Überhang mag unsexy wirken, ermöglicht dennoch einen cleveren Heck-Tank, der ohne hochgeklappte Sitzbank befüllt werden kann. Unter der schlummert wiederum ein helmtaugliches Staufach, für das das ungewöhnlich kleine 10-Zoll-Hinterrad genügend Platz gelassen hat. So ergibt das Sinn!
Einfachheit fördert Zuverlässigkeit
Bei der Grundkonstruktion vertraut der Suzuki Address 125 auf einen einfachen Rohrrahmen mit Kunststoffkarosserie, wie bei Allround-Scootern üblich. Vorn kommt eine konventionelle Telegabel ohne Einstellmöglichkeiten zum Einsatz, hinten ein simples Mono-Federbein. Die Felgen sind vorn 12 Zoll groß und hinten 10 Zoll klein, sie rollen auf schmalen Reifendimensionen mit 90/90-12 vorn und 90/100-10 hinten. Die schmalen Reifen unterstützen die Zielgenauigkeit bei Kurvenfahrt, der enormen Handlichkeit tun sie dabei keinen Abbruch. Als Bremssystem muss eine kostengünstige Kombibremse genügen, das ist schade aber ausreichend. Hier können andere mehr für weniger Geld.
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Keine Topwerte bei der Motorleistung, aber beim Verbrauch
Natürlich kommt beim Suzuki Address 125 eine Triebsatzschwinge mit stufenloser Variomatik und Fliehkraftkupplung zum Einsatz: Einfache Automatikroller-Technik, die ihre Zuverlässigkeit tagtäglich millionenfach unter Beweis stellt. Der luftgekühlte Zweiventil-Einzylinder leistet 6,2 kW (8,4 PS) bei niedrigen 6.500/min, das Drehmoment wird auf 10,2 Nm bei 5.000/min beziffert. Damit sind 88 km/h Höchstgeschwindigkeit zu erreichen, was im engen Stadtverkehr völlig ausreichend ist.
Benefit dieser defensiven Motorauslegung mit den niedrigen Drehzahlen sind eine erwartbar hohe Zuverlässigkeit und der niedrige Verbrauch von 1,9 Liter/100 km. Diese äußerst moderaten Trinksitten ermöglichen in Verbindung mit dem 5,3-Liter-Tank eine theoretische Reichweite von knapp 280 Kilometern.
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Spaß braucht keine Top-Leistungen
Wie viel Spaß kann ein pragmatischer 125er-Scooter mit einem Gewicht von 106 Kilogramm fahrfertig vollgetankt und den beschriebenen Fahrleistungs-Werten schon machen? Eine ganze Menge! Es kommt nur auf den Blickwinkel an: Natürlich gibt es schnellere und stärkere Scooter zuhauf, aber es ist schon speziell, mit einem derart kompakten und leichten Scooter durch die Stadt zu wuseln. Alles ist von einer selbstverständlichen Leichtigkeit geprägt, die gute Laune verbreitet.
High-tech am Low-tech-Roller
Gänzlich ohne moderne Ausstattungs-Features kommt aber auch der Suzuki Address 125 nicht aus: Bei Scheinwerfer, Rücklicht und Positionsleuchten kommt LED-Technik zum Einsatz und im Cockpit strahlt ein gut ablesbares und in der Herstellung günstiges LC-Display. Das Shutter-Key-System bietet zuverlässigen Diebstahlschutz, eine USB-Buchse ist an Bord und das Easy-Start-System erleichtert Startvorgänge. Sollten diese mit leerer Batterie mal vor größeren Herausforderungen stehen, hilft ein mittlerweile selten gewordener Kickstarter pragmatisch weiter. So geht Alltagstauglichkeit!
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Drei Varianten mit weitgehend identischer Technik
Suzuki bietet zwei Modellgeschwister mit nahezu identischer Technik aber anderer Optik und Ausstattung an: Den Suzuki Avenis 125 als modern-sportliche Interpretation desselben Themas und den Suzuki Burgman Street 125EX, der auf Touren-Roller macht. Allen gemein sind neben der Technik die verträglichen Preise: Der Address 125 ist das Einstiegsmodell für 3.368 Euro, der Avenis 125 kostet 3.418 Euro und der Burgman Street 125EX geht mit 3.518 Euro als Top-Version ins Rennen um die Käufergunst. Alle Preise gelten inkl. Überführung aber ohne Nebenkosten. Den exakten Preis nennt der Suzuki-Händler eures Vertrauens.












