Das bekannte Klacken. Ist der Tank voll, stoppt der Kraftstofffluss von selbst. Moderne Technik mit Sensoren und Elektronik? Mitnichten. Die Antwort ist simpel, faszinierend und über 80 Jahre alt. Das kleine Loch in der Zapfpistole ist eines der zuverlässigsten Sicherheitssysteme an Tankstellen und arbeitet fast im Verborgenen. Bis auf das "Klack" eben.
Kleines Loch, mit großer Verantwortung
Um das kleine Loch zu verstehen, müssen wir das eigentliche Hauptrohr der Zapfpistole verstehen, denn das ist kein gleichmäßiges Rohr. Im Inneren der Zapfpistole wird der Kraftstoff durch eine Engstelle geführt. Dabei entsteht ein Unterdruck. Dieser Unterdruck gelangt über einen dünnen Kanal nach vorn zur kleinen Öffnung an der Spitze. Solange diese Öffnung frei ist, wird Luft angesaugt und der Kraftstoff fließt weiter.
Doch nicht für immer: Der Sprit-Pegel steigt, erreicht die Spitze der Pistole, bedeckt das Loch. Das Gleichgewicht im Kanal bricht zusammen. Eine kleine Membran im Inneren reagiert auf den Druckabfall und bewegt sich — um vielleicht einen Millimeter. Das Ventil schnappt zu. "Klack".

Nein, hier wird nicht abgesaugt. Das kleine Loch ist die Abschaltvorrichtung. Verschließt steigender Kraftstoff das Loch, schließt die Pistole den Kraftstofffluß.
Was wirklich gemessen wird
Wobei das kleine Loch in der Zapfpistole und damit der Unterdruck nicht den Füllstand des Tanks an sich erkennen. Das Abschalten erfolgt auf dem Kraftstoffpegel an der Zapfpistole. Das kann früher passieren, als der Tank rechnerisch voll ist. Schaumbildung, ein ungünstiger Winkel der Pistole oder ein besonders enger Einfüllstutzen lösen das System gerade beim Auto mitunter bereits auslösen, obwohl im Tank selbst noch Luft wäre. Beim Motorrad kommt das nur selten vor, wobei neue Motorräder empfindlich auf das Übertanken reagieren können.
Ein Tank kann zu voll sein
Ob nun mit oder ohne "Klack" getankt wird. Der verbreitete Reflex, den Tank randvoll zu füllen, birgt Risiken.
Zum einen tanken einige ihr Krad im Sitzen, das Mopped ist demnach aufrecht. Wer bis zum obersten Rand den letzten Tropfen hineinpresst, sieht nach dem Bezahlen womöglich eine kleine Pfütze unter dem seitengeständerten Bike: Das bezahlte Benzin ist durch den Überlauf auf den Boden gelaufen.
Und zum anderen: Seit Euro-4 müssen Motorräder einen Aktivkohlefilter haben, der Kraftstoffdämpfe aus dem Tank auffängt, bevor sie in die Atmosphäre entweichen. Dieser Filter ist für Dämpfe ausgelegt, nicht für Flüssigkeit. Gelangt Benzin durch einen zu hohen Füllstand knapp über den Rand hinaus in das Filtersystem, kann der Filter dauerhaft gesättigt werden — unter Umständen muss der Filter dann getauscht werden, wenn er eine Fehlermeldung auslöst.
Woher kommt das kleine Loch eigentlich?
Das Prinzip hinter dem kleinen Loch in der Zapfpistole geht auf das Jahr 1939 zurück. Richard C. Corson, Mitarbeiter an einem Verladekai im amerikanischen Bundesstaat New York, beobachtete, wie mühsam und riskant das manuelle Befüllen von Fässern mit Kraftstoff war. Die Lösung kam ihm — der Überlieferung nach — beim Geräusch einer Toilettenspülung: ein druckgesteuertes System, das selbstständig stoppt, sobald ein bestimmter Füllstand erreicht ist. 1943 ließ er es patentieren. Heute steckt eine Weiterentwicklung dieses Gedankens in jeder Zapfpistole der Welt.





