Ducati gehört seit 2012 über Audi zum Volkswagen-Konzern und ist Teil der "Progressive Brand Group", zu der ebenfalls Bentley und Lamborghini zählen. Audi-Chef Gernot Döllner bestätigte nun, dass Ducati in der laufenden Portfolio-Evaluierung auf dem Tisch liegt. Eine Entscheidung sei dabei noch nicht gefallen.
Der Hintergrund ist eine breit angelegte Bestandsaufnahme: Volkswagen prüft rund 600 Gesellschaften aus einem Portfolio von etwa 2.000 Beteiligungen. Ziel des Zukunftsplans 2030 ist, das Beteiligungsportfolio um rund ein Drittel zu straffen.
VW, Audi und Ducati: "Necessity-to-own" als Filter
Volkswagen legt bei der Portfolioprüfung das "Necessity-to-own"-Prinzip an: Beteiligungen bleiben demnach nur dann im Konzern, wenn sie für das automobile Kerngeschäft strategisch, operativ oder rechtlich notwendig sind.
Der Konzern will mit dieser Straffung bis zu 15 Milliarden Euro Nettoliquidität freisetzen. Das Geld wird im Zukunftsplan 2030 für große Baustellen gebraucht: Investitionen in Elektromobilität, Softwareplattformen und die Restrukturierung.
Dazu passt der Zeithorizont: Für die Jahre 2027 bis 2031 sind rund 135 Milliarden Euro an Investitionen vorgesehen, parallel sollen rund 50.000 Stellen wegfallen und die Modellpalette um die Hälfte schrumpfen. In dieser Logik ist hinsichtlich Ducati vor allem die Frage, ob eine Motorrad-Premiummarke noch zwingend in ein auf Auto-Plattformen und Software fokussiertes Portfoliomanagement passt.
Ducati Diavel V4 RS 100 Collezione 100
Zahlen, Wert und Szenarien
Operativ ist Ducati weiterhin profitabel, die Entwicklung zeigte zuletzt aber nach unten. Für 2025 werden 925 Millionen Euro Umsatz und 52 Millionen Euro operativer Gewinn genannt, eine Umsatzrendite von 5,6 Prozent; 2024 lagen Umsatz (gut eine Milliarde Euro) und EBIT (91 Millionen Euro) höher.
Auch bei den Stückzahlen ist der Trend rückläufig: Die jährlichen Auslieferungen sanken von rund 54.500 auf knapp 51.000 Motorräder. Audi führt das auf schwächere Nachfrage, stärkeren Wettbewerb sowie negative Wechselkurs- und US-Zolleffekte zurück.
Im Audi-Kosmos ist Ducati finanziell klein: knapp 1,4 Prozent des Umsatzes und rund 1,5 Prozent des EBIT-Beitrags. Bloomberg-Intelligence taxiert den Unternehmenswert auf etwa 1,25 Milliarden Euro; als mögliche Alternativen zum Komplettverkauf nennt Volkswagen auch mehr Autonomie für Ducati oder einen Teil-Börsengang, um Kapital freizusetzen, ohne die Marke vollständig abzugeben.
2,5 Milliarden im Angebot (?)
Bereits seit August 2026 besteht wohl ein Angebot über 2,5 Milliarden Euro für Ducati. Abgegeben vom zuvor völlig unbekannten italienischen Investmentfonds Patritalia, der sich die Aufgabe gegeben hat, italienische Marken wieder rein italienisch zu machen. Ob dieses Angebot wirklich steht und in Erwägung gezogen werden kann, ist unklar.





