Gebrauchtberatung

Kawasaki Versys

Foto: Hersteller

Sie ist das Schweizer Offiziersmesser auf zwei Rädern, der motorisierte Leatherman - doch als Neumaschine nur leider nicht ansatzweise so beliebt. Und damit ein Tipp für Gebrauchtkäufer.

Der dem Enthüllungsjournalismus frönende Gebrauchtkauf-Schreiberling ist zu Beginn seiner Recherche etwas gefrustet, denn die Auskunft seines besten Informanten aus der Szene lautet "Eines der problemlosesten Motorräder, die es von Kawasaki je gab." Und es kommt noch schlimmer, denn auch die anderen befragten Händler äußern sich gleichlautend. Haben wir es hier also mit einem gnadenlosen Langweiler, mit dem berüchtigten Brot-und-Butter-Motorrad zu tun, das nichts verkehrt macht, vor allem aber auch keinen Spaß? Nein! Ganz im Gegenteil, wer jemals das Vergnügen hatte, in äußerst ent-spannter Sitzposition zu spüren, wie munter und durchzugsstark 64 PS zur Sache gehen können, wie superhandlich und kinderleicht zu fahren ein Motorrad sein kann, der wird das Thema Versys mit Vergnügen behandeln.

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Gebrauchtberatung Kawasaki Versys
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Ist auch eigentlich nicht verwunderlich, denn Kawasaki nahm 2006 einfach die gute Basis der ER-6, trimmte den Motor auf mehr Druck im unteren und mittleren Drehzahlbereich (was acht PS Leistung kostete, die aber niemand vermissen wird), spendierte eine bessere Ausstattung, gönnte der ganzen Sache eine wertigere Verarbeitung und machte damit alles besser. Fast alles, denn das Versys-Design, das immerhin von Shunji Tanaka stammt, dem Designer des legendären Mazda MX-5, ist - vorsichtig formuliert - gewöhnungsbedürftig. Was sich dann im Laden rächte. Die Versys galt immer als das bessere Motorrad, doch deutlich besser verkauft wurde die ER-6. Mit der umfangreichen Modellpflege 2010, die fast schon einem Modellwechsel entsprach, geriet das Design etwas gefälliger und die ganz wenigen Versys-Schwächen (Scheinwerfer, Soziuskomfort, Spiegel, Windschild) wurden erfolgreich ausgemerzt, doch am Geheimtipp-Status wird sich vermutlich nur wenig ändern. Echt schade!

Besichtigung

An dieser Stelle muss nicht vor wilden Umbauten gewarnt werden, denn die Versys bleibt fast immer im Serienzustand. Die Montage eines Koffersystems und einer besser schützenden Vario-Scheibe (meist MRA) sowie Feinarbeit am Scheinwerfer sind bereits die beliebtesten Modifikationen. Vereinzelt finden noch ein Zubehörauspuff oder eine kürzere Übersetzung ans Gerät - in solchen (eher seltenen) Fällen bitte auf die Papiere bzw. Eintragung achten. Der (serienmäßige) Auspuff ist eines der wenigen Versys-Teile, auf das man bei der Probefahrt ein besonderes Ohr werfen sollte. Zirpt oder klingelt es ungewöhnlich, kann ein losgerütteltes Prallblech der Übeltäter sein. Da das Öl-Nachfüllen nur etwas umständlich mit Trichter möglich ist, lassen nachlässige Versys-Eigner diesen Service-Punkt gern mal unberückschtigt - eine Östands-Prüfung nach der Probefahrt kann also viel über die Pflegementalität des Vorbesitzers verraten. Gleiches gilt für die üblichen Prüfpunkte, wie z. B. die Kette. Klingt alles unspektakulär? Ist es auch. Außer vereinzelten Rost-Problemen (meist am Hilfsrahmen) gibt es keine typischen Macken.

Marktsituation

"Aus erster Hand und mit wenig Kilometern." Das ist eine im Zusammenhang mit Versys-Angeboten oft zu findende Formulierung und ein Schlüsselreiz für Schnäppchenjäger. Händler und Privatverkäufer sind in etwa gleich stark vertreten. Versys-Erstbesitzer sind selten Anfänger, eher gestandene Motorradfahrer, die die 30 schon länger überschritten haben, dann aber doch nicht mehr so oft wie geplant zum Motorradfahren kommen. Laufleistungen von unter 10000 Kilometern sind selbst beim ersten Modelljahr eher die Regel als die Ausnahme. In ländlichen Regionen ist die Versys beliebter als in Ballungsräumen. Der Umkehrschluss lautet, dass Standuhren eher in der Stadt zu finden sind. Dort tummeln sich noch recht viele Vorführer und Tageszulassungen - auch und gerade von der ersten Baureihe, was es den Händlern nach dem 2010er-Modellwechsel nicht unbedingt leichter gemacht hat. Auch gern angeboten: Parallel-Importe aus dem EU-Ausland, die dann aber meist ohne ABS.

Verfügbarkeit am Markt: Sehr gut

 Preisniveau in Euro
 Baujahre  Km-Stand
 Niedrig 4400-5200  2006-2008  8000-24000
 Mittel 5300-5900  2008-2009  2000-12000
 Hoch 6000-6900  2008-2010  0-2000
     
 Typ  im Programm
 Verkäufe
 KLE650A/B  2006-2009  3237

Internet:
Szene: www.versysforum.de (solide gemachtes deutsches Versys-Forum);
www.kawasakiversys.com (englischsprachiges Forum)


Tests in MOTORRAD:
22/2006 (FB), 24/2006 (TT), 26/2006 (VT), 14/2007 (KB), 19/2007 (VT), 26/2007 (VT), 11/2008 (VT), 4/2010 (FB), 7/2010 (VT)

FB-Fahrbericht, TT = Top-Test, VT = Vergleichstest, KB = Kaufberatung;
Nachbestellungen unter Telefon 0711/182-1229

Technische Daten

Foto: Zeichnung: Hersteller
Das Getriebe des wassergekühlten und mit einer Ausgleichswelle bestückten Gegenläufers ist in Kassettenform ausgelegt, was Wartungs- und Reparaturarbeiten vereinfacht.

Motor:
Wassergekühlter Zweizylinder-Viertakt-Reihenmotor, eine Ausgleichswelle, zwei obenliegende, kettengetriebene Nockenwellen, vier Ventile pro Zylinder, Trockensumpfschmierung, Einspritzung, geregelter Katalysator, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, O-Ring-Kette.
Bohrung x Hub 83 x 60 mm
Hubraum 649 cm³
Nennleistung 47 kW (64 PS) bei 8000/min
Max. Drehmoment 61 Nm bei 6800/min

Fahrwerk:
Gitterrohrrahmen aus Stahl, Upside-down-Gabel, Ø 41 mm, Alu-Zweiarmschwinge, Zentralfederbein, Federelemente jeweils mit verstellbarer Federbasis und Zugstufendämpfung, Doppelscheibenbremse vorn, Ø 300 mm, Scheibenbremse hinten, Ø 220 mm, ABS.
Alu-Gussräder 3.50 x 17; 4.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 160/60 ZR 17

Maße und Gewichte:
Radstand 1415 mm, Lenkkopfwinkel 65 Grad, Nachlauf 108 mm, Federweg v/h 150/145 mm, Sitzhöhe* 850 mm, Gewicht vollgetankt* 210 kg, Zuladung* 179 kg, Tankinhalt/Reserve 19/3 Liter.

Messungen (MOTORRAD 24/2006):
Höchstgeschwindigkeit** 185 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h 4,1 sek
Durchzug 60-140 km/h 9,7 sek
Verbrauch 4,1 l/100 km (Landstraße)


*MOTORRAD-Messungen; **Herstellerangabe

Modellpflege

Foto: Archiv
Runderneuerung 2010: gefälligeres Design und viel Detailpflege.

2006 Präsentation im Herbst (Modelljahr 2007): KLE650A7F ohne ABS, KLE650B7F mit ABS.
Preise: 6695/7295 Euro (ohne/mit ABS); Farben: Orange, Silber, Schwarz. Verkauf des ABS-losen Modells in D: 13 Stück.

2007 In D wird nur noch das Modell KLE650B7F (mit ABS) angeboten. Technik und Farben unverändert.
Preis: 7585 Euro, Verkauf in D: 1797 Stück.

2008 Modell KLE650B8F. Technik unverändert. Sondermodell "Travel Edition" mit Koffern und besserem Windschutz (7695 Euro).
Preis: 7295 Euro; Farben: Grün, Blau, Schwarz; Verkauf in D: 1108 Stück.

2009 Modell KLE650B9F. Modellpflege: ECU (Steuergerät); Kat-Material, Endschalldämpfer, Lambda-Sonde; Tankentlüftung; Bremse von ER-6n/f; transparente Blinkergläser; Design von Getriebegehäuse und Kupplungsdeckel.
Preis: 7595 Euro; Farben: Orange, Silbergrau, Schwarz; Verkauf in D: 319 Stück.

2010 Neues Modell KLE650DAF.
Preis: 7995 Euro; Farben: Gelb/Schwarz, Schwarz.

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