Petition gegen Streckensperrungen

Keine Fahrverbote für Motorradfahrer

Verkehrsschild Streckensperrung Motorradfahrverbot Foto: Ralf Schneider

Lärmdisplays und Schilder mit Aufforderungen zum geräuscharmen Fahren sind oft am Straßenrand von beliebten Motorradregionen zu sehen. In manchen werden allerdings auch ganze Strecken gesperrt. Dagegen gibt es nun eine Petition.

Mit der Petition „Keine Fahrverbote für Motorradfahrer auf öffentlichen Straßen für regelkonforme Motorräder“ richtet sich der Initiator Gerrit Oelmann aus Forchheim an den 58. Deutschen Verkehrsgerichtstag, der vom 29. bis 31. Januar 2020 in Goslar am Harz stattfinden wird. Dort werden um die „2.000 Juristen und Experten für Verkehrsrecht, Verkehrssicherheit, Fahrzeugtechnik und Verkehrstechnik aus Forschung, Lehre und Praxis“ vor Ort sein, so der Wortlaut Petition. Die Beschlüsse des Verkehrsgerichtstags sind für den Gesetzgeber nicht binden, werden aber oftmals als Gesetzesvorlagen aufgegriffen und weiterentwickelt.

Streckensperrung trifft unfairerweise alle Motorradfahrer

Der Initiator der Petition kritisiert, dass Streckensperrungen zu generalistisch seien, da sie alle Motorradfahrer treffen – auch diejenigen, die regelkonform unterwegs sind. Andererseits wird in der Petition moniert, dass Streckensperrungen für Motorradfahrer nicht auch zweispurigen Fahrzeuge einschließen, von denen es ebenfalls sehr laute Exemplare mit sogenannten „Klappenabgasanlagen bzw. illegalen Abgasanlagen oder Manipulationen an Abgaskrümmer, Katalysator oder Schalldämpfer“ gebe, so der Begründungstext zur Petition.

Statt der verallgemeinernden und gleichzeitig spezifischen Maßnahme „Streckensperrung für Motorradfahrer“ schlägt der Petent drastischere „Sanktionen für Halter und Fahrer“ vor sowie drastisch erhöhte Bußgelder vor. Bis Mitte April unterzeichneten die Petition bereits über 3.700 Unterstützer, das Sammelziel liegt bei 5.000.

Interview mit Gerrit Oelmann

MOTORRAD: Du hast eine Petition gegen Streckensperrungen initiiert. Was war deine Motivation dafür?

Gerrit Oelmann: Ich bin immer wieder mal im Odenwald und Schwarzwald auf Strecken gestoßen, die am Wochenende teilweise oder komplett für Motorradfahrer gesperrt waren. Mit dem Würgauer Berg gibt es auch hier bei mir in der Fränkischen Schweiz eine solche Strecke. So habe ich mir Anfang des Jahres überlegt, wie man mit möglichst vielen Motorradfahrern etwas dagegen unternehmen kann.

MOTORRAD: Warum richtet sich die Petition an den Deutschen Verkehrsgerichtstag Goslar und nicht an die Bundesregierung?

Gerrit Oelmann: Die Versuche, über das Bundesverkehrsministerium bzw. Regionalpolitiker Einfluss auf Streckensperrungen zu nehmen, hatten leider immer nur mäßigen Erfolg. In meiner Heimatstadt Goslar befassen sich jedes Jahr 1.500 bis 2.000 Verkehrsexperten mit allen Bereichen der Verkehrswissenschaft. Dabei werden zahlreiche thematische Arbeitskreise gebildet, die ihre Ergebnisse als Empfehlungen veröffentlichen, die nicht selten von der Politik übernommen und umgesetzt werden. Da möchte ich mit der Petition ansetzen.

MOTORRAD: Du plädierst für eine „drastische Erhöhung“ von Bußgeldern für Fahrer und Halter zu lauter Motorräder. Warum?

Gerrit Oelmann: Tatsächlich werden heute nur sehr selten höhere Bußgelder als zehn bis maximal 60 Euro verhängt. Kommentare von meist sehr jungen Fahrern in „sozialen Medien“ zeigen oft, dass die darüber bloß lachen. Die Strafe verpufft, weil sie nicht wehtut, und Anwohner von beliebten Motorradstrecken müssen weiter leiden. Und Halterhaftung wäre sinnvoll, weil die Motorräder dieser Fahrer oft auf deren Eltern angemeldet sind.

MOTORRAD: Ähnliche Forderungen stellt auch der Bundesverband der Motorradfahrer, BVDM. Bist du beim BVDM engagiert?

Gerrit Oelmann: Nein, bisher nicht. Das kann sich aber in naher Zukunft ändern. Und vielleicht gelingt es uns ja allen zusammen, die Petition zu einem Erfolg zu machen.

MOTORRAD: Abgesehen von den gut 5.500, die die Petition bisher unterzeichnet haben – welche Reaktionen von anderen Motorradfahrern hast du bisher bekommen?

Gerrit Oelmann: Sehr viele positive Reaktionen von Unterstützern, auch einige kritische Anmerkungen. Manche fordern, auch viel zu schnelles Fahren aufzunehmen. Was mich nachdenklich macht, sind die Anfeindungen, die in öffentlichen Netzwerken ausgesprochen werden, Hass-Kommentare und Drohungen. Schaut man sich die Profile der Kommentatoren an, sieht man sofort, dass es genau die Klientel ist, gegen die sich die Petition richtet. Sie posen auf den Profilbildern auf ihren Motorrädern und sind meistens deutlich unter 30. Aber selbst von vermeintlich „reiferen“ Motorradfahrern kommen Drohungen. Ich weiß, wie ich damit umzugehen habe.

Fakten und Anregungen zum Thema:

1. Für unseren Artikel Alles zum Thema Motorradlärm – Streckensperrungen und Fahrverbote recherchierten wir 2018 fast 50 Vollsperrungen für Motorräder allein in Deutschland, dazu rund 30 Wochenend-Fahrverbote – Tendenz steigend.

2. Motorräder sind im Straßenverkehr nicht lauter als Autos, sondern eher leiser.

3. Aber: Motorradgeräusche werden als lästiger wahrgenommen, als Pkw-Geräusche. Das zeigte eine Studie zum Thema Motorradlärm im Auftrag der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg aus dem Jahr 2010. Näheres erfahrt ihr im Artikel Alles zum Thema Motorradlärm – Streckensperrungen und Fahrverbote.

4. Die aktuellen Grenzwerte und Messverfahren bringen in Sachen Laustärkereduzierung nur wenig bis nichts. Euro 4 hat da nicht viel gebracht. Unser ultimativer Auspuff-Praxistest vergleicht Euro 3 und Euro 4 genau zu diesem Aspekt.

5. Nur weil du mit einem legalen oder sogar mit dem Serienauspuff unterwegs bist, heißt das nicht, dass dein Motorrad nicht laut ist, siehe Artikel Euro 4 und Auspuffklappen – Aufklärungsarbeit.

6. Eigeninitiative ist gefragt, denn vieles haben wir selbst in der Hand. Ein Fahrstil lässt sich beispielsweise harmonisieren, das macht viele Moppeds subjektiv leiser. Beliebte Motorradstrecken kann man zugunsten selten befahrener Strecken an Wochenenden auch mal meiden. Und am Ende kann der Kunde auch die Hersteller unter Druck setzen: Muss das Motorrad ab Werk unbedingt die erlaubten Grenzwerte ausreizen?

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