Fast jeder zweite Motorradfahrer hat in den vergangenen zwei Jahren auf Landstraßen mindestens einmal eine kritische Situation erlebt, bei der ein Unfall nur knapp ausblieb. Das zeigt eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR) unter 501 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrern.
Die Umfrage bestätigt unter anderem, was wir eh schon wissen – dass kurvige Landstraßen unser bevorzugtes Revier, aber eben auch das gefährlichste sind. Darüber hinaus wird deutlich, wie wir uns selbst einschätzen und das Risiko, dem wir uns aussetzen. Nicht alle Ergebnisse lassen uns im besten Licht dastehen, wir möchten euch die Antworten aber gerade deshalb nicht vorenthalten.
Achtung, Wink mit dem Zaunpfahl: Wir sind der Meinung, dass MOTORRAD- und motorradonline.de-Leser zu den besten Fahrern auf unseren Straßen gehören, vor allem weil jährliche Umfragen ergeben, dass ihr die meisten Kilometer sammelt. Aber falls ihr jemanden kennt, dem ein Training gut stehen würde: hier kann man sich für die MOTORRAD Safety League im Rahmen der ADAC-Fahrtrainings anmelden. Und beim MOTORRAD action team gibt es für alle Levels und Ansprüche das passende Training.
Bekanntes Risiko – und trotzdem ein hohes Sicherheitsgefühl
Laut Umfrage waren sieben Prozent der Befragten in den vergangenen zwei Jahren an mindestens einem Landstraßenunfall beteiligt. 89 Prozent der Befragten gaben an, zu wissen, dass sich die meisten tödlichen Motorradunfälle auf Landstraßen ereignen. Dennoch empfinden 72 Prozent das Fahren auf Landstraßen als sicher. Diese Diskrepanz zwischen Erfahrung, Risikowissen und persönlicher Einschätzung zählt für den DVR zu den zentralen Ergebnissen der Umfrage.
Gruppenfahrten: Risiko steigt laut Mehrheit in der Dynamik
Ein weiteres Umfrage-Ergebnis betrifft das Fahren in Gruppen: 68 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, dass manche Motorradfahrer und -fahrerinnen in der Gruppe riskanter fahren. Bei den 18- bis 39-Jährigen sind es 76 Prozent. Nur 15 Prozent insgesamt finden, dass das Eingehen von Risiken zum Motorradfahren dazugehöre (18 bis 39 Jahre: 23 Prozent).
Tipps für Kurven – auch die am Stilfser Joch
Welche Gefahren Motorradfahrende besonders häufig sehen
Die Befragten nennen eine Reihe konkreter Risiken, die sie auf Landstraßen besonders stark wahrnehmen. Am häufigsten genannt werden:
- schlechter Straßenzustand (93 Prozent)
- nasse oder glatte Fahrbahnen (91 Prozent)
- Wildwechsel oder andere Hindernisse auf der Fahrbahn (90 Prozent)
- riskante Überholmanöver anderer Verkehrsteilnehmer (89 Prozent)
- gefährliche Manöver anderer Motorradfahrer (84 Prozent)
- dicht auffahrende Autos (84 Prozent)
Kurvenfahren besonders risikobehaftet?
Kurvige Straßen sehen dagegen nur 56 Prozent als Risiko. Gleichzeitig verweist der DVR darauf, dass die Unfallzahlen zeigen, dass Kurvenfahren für Motorradfahrende besonders risikobehaftet ist. DVR-Präsident Manfred Wirsch: "Kurvenfahrten machen den besonderen Reiz des Motorradfahrens aus. Genau dort entscheidet sich aber auch, wie sicher man unterwegs ist."
Ungeduld und Abstand: Selbsteinschätzung des Risikoverhaltens
Nach eigener Einschätzung verhält sich die Mehrheit der befragten Motorradfahrer und -fahrerinnen verantwortungsvoll. Teilweise geben die Befragten zum eigenen Risikoverhalten Folgendes an: 32 Prozent werden ungeduldig, wenn sie hinter langsameren Fahrzeugen fahren müssen (18 bis 39 Jahre: 47 Prozent). 17 Prozent räumen ein, dichter aufzufahren, als es für einen sicheren Abstand erforderlich wäre (18 bis 39 Jahre: 26 Prozent).
Fahrtechnik: Kurven fahren mit dem Motorrad
Fahrsicherheitstrainings: hoher Nutzen – geringe Teilnahme
88 Prozent sind überzeugt, dass Fahrsicherheitstrainings helfen, kritische Situationen zu vermeiden. Gleichzeitig haben 57 Prozent nach eigenen Angaben noch nie an einem Training teilgenommen. Zehn Prozent absolvierten in den vergangenen zwei Jahren ein Training, 13 Prozent in den letzten fünf Jahren.
Dabei zeigt sich ein Zusammenhang mit der jährlichen Fahrleistung: Von den Motorradfahrenden, die mehr als 5.000 Kilometer pro Jahr fahren, hat bereits mehr als die Hälfte ein Training absolviert. Bei einer Fahrleistung von unter 3.000 Kilometern pro Jahr liegt der Anteil bei rund einem Drittel.
Kampagne "Hartes Pflaster: Landstraße"
Veröffentlicht wurden die Ergebnisse zum Start der bundesweiten Kampagne "Hartes Pflaster: Landstraße", die der DVR gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr (BMV) und der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) seit 20. Juli 2026 umsetzt.
Die Kampagne richtet sich laut DVR sowohl an Motorradfahrende als auch an andere Verkehrsteilnehmende auf Landstraßen. Zum Start sind vier Plakatmotive geplant, die typische Gefahrensituationen aufgreifen. Die Plakate sollen deutschlandweit an mehr als 1.000 Standorten entlang von Landstraßen, auf Großflächen sowie an Tankstellen in ländlichen Regionen hängen. Ergänzend sind Videos, Radiospots, Social-Media-Maßnahmen und Kooperationen mit Influencerinnen und Influencern angekündigt. Die Kampagne möchte alle Verkehrsteilnehmer sensibilisieren und aufklären und so für mehr Sicherheit für Motorradfahrer und -fahrerinnen sorgen.





