Honda CB 1000 F im Fahr-Test: So schön fährt die neue Retro-Honda

Honda CB 1000 F im Fahr-Test
So schön fährt die neue Retro-Honda

ArtikeldatumVeröffentlicht am 21.07.2026
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Honda hat dem neuen Retro-Modell CB 1000 F eine gehörige Portion Punch bei niedrigen Drehzahlen, Emotionen und klassische Eleganz mitgegeben. All das als Hommage an die legendäre CB 900 F Bol d’Or. Da ist es kaum zu glauben, dass die modern-aggressiv gestylte Honda CB 1000 Hornet die Organspenderin ist.

Hommage an die Bol d‘Or

Sind wir sentimental? Schauen wir verklärend in die Vergangenheit zurück? Warum fasziniert uns eine Dampflok mehr als ein viel stärkerer ICE, ein Doppeldecker mehr als ein Airbus? Nun, die Antwort gibt Honda bei der ersten fahraktiven Vorstellung der neuen CB 1000 F. F wie Four, also vier Zylinder. Die neue 1000er nimmt Anleihen bei der legendären CB 900 F Bol d’Or. Weil es "zeitloses Styling" ist, ein Design zitiert, mit dem wir Babyboomer aufgewachsen sind. Bei einem Motorrad, das zur Legende wurde. Die "Bolle" war das Superbike ab 1978 – nicht mehr lange, dann ist das 50 Jahre her.

Voll Retro: die neue Honda CB 1000 F

Und so verneigt sich die neue Honda CB 1000 F vor ihrer Ahnin, zitiert deren Formen von Tank, Seitendeckeln, Sitzbank und Heckbürzel mit eingebautem Spoiler. Dazu gibt es einen Rundscheinwerfer  unter dem wie einst zwei Hupen sitzen sowie ein rechteckiges Rücklicht. Bei derart viel Liebe zum Detail passt sogar die rundum verwendete LED-Beleuchtung gut dazu. Nein, wir vermissen nicht die Blinker, die in den 1970er- und 1980er-Jahren groß waren wie Knäckebrotscheiben. Hier werden klassische Linien aufgenommen, bis hin zur Gestaltung der überlackierten Embleme, neudeutsch Graphics, aber eben neu interpretiert.

Präsentation mit Freddie Spencer

Operation gelungen, der Look der Honda CB 1000 F kommt gut an. Übrigens auch bei Freddie Spencer, der mit dabei ist bei dieser Präsentation. Seine heiße, getunte Bol d‘Or setzte er seinerzeit bei Superbike-Rennen in den USA ein. Aber zurück ins Hier und Jetzt. Die neue CB 1000 F ist weit mehr als bloß eine leicht modifizierte Honda Hornet 1000. Denn diese stiftete die technische Basis, mit dem zu den 1970er- und 1980er-Jahren passenden Stahlrahmen samt angeschweißtem Heck.

Keyless und go – erste Test-Fahrt

Greifen wir uns den neumodischen Keyless-Go-Schlüssel der Honda CB 1000 F, und lassen wir einfach den Motor für sich sprechen. Der Reihenvierer klingt schön satt, dumpf und sonor aus dem verchromten Megaphon-Schalldämpfer. In dessen Inneren sitzen drei Kammern zur gezielten Reflexion des Schalls. Dazu schnorchelt es herrlich tieffrequent aus dem modifizierten Luftfilterkasten. Er musste sich an den formschönen Tank anpassen und beherbergt 50 Millimeter längere Ansaugtrichter als bei der Hornet, das ergibt lange 14 Zentimeter. Dies fördert kräftiges Drehmoment bei niedrigen und mittleren Drehzahlen.

Mehr Durchzug, weniger Spitzenleistung

Aber Honda hat für die CB 1000 F noch viel tiefer in die technologische Trickkiste gegriffen. Denn die beiden linken Zylinder schnappen Luft aus im Eingangsbereich 50 Millimeter messenden Einlauftrichtern, das andere Pärchen aber aus Trichtern mit 40 Millimeter Durchmesser. Und das ist nicht alles: Auch die Nockenwellen sind gegenüber der Hornet modifiziert – mit anderen Steuerzeiten und angepasstem, reduziertem Ventilhub. So ergibt sich, in Verbindung mit entsprechend abgestimmter Software, eine geringere Spitzenleistung: 124 PS statt über 150 PS.

Asymmetrisch abgestimmter Vierzylinder-Motor

Die jeweils vier Einlass- und Auslassnocken der Zylinder eins und zwei öffnen und schließen stets früher als jene der Zylinder drei und vier. Honda hat also eine gezielte Asymmetrie zwischen linker und rechter Seite in den Motor eingebaut. Und dazu noch die Gänge eins und zwei kürzer übersetzt als bei der Hornet, die Gänge drei bis sechs dagegen drehzahlsenkend länger. Umso bulliger setzt der Vierzylinder sich in Szene. Und in Bewegung: sanft, nachdrücklich, aber sehr bestimmt, kräftig und stark. Nicht vergessen: Das ist eine echte 1000er.

Slipper-Kupplung mit Seilzug

Löblich: Zum Ziehen der servo-unterstützen Slipper-Kupplung reicht ein Finger, wirklich wahr. Auch die Dosierbarkeit stimmt. Die Honda CB 1000 F beweist: Eine klassisch per Seilzug betätigte Kupplung gehört noch lange nicht zum alten Eisen. Benutzerfreundlich vom ersten Meter an. Wer das mit "langweilig" gleichsetzt, hat es einfach nicht verstanden. Dieses umgängliche Motorrad musst du nicht niederringen, du verschmilzt mit ihm, wirst zur Einheit. Das liegt zum einen an dem extrem gut fahrbaren Motor. Er ist schlicht eine Wucht, mit einer tollen Motorcharakteristik.

Unten-Mitte-Abstimmung mit kräftigem Punch

Wird der Vierzylinder der Honda CB 1000 F durch die "Links-Rechts-Asymmetrie" nicht aus der Balance gebracht? Iwo. Er läuft schön smooth, nimmt dich mit, holt dich ab. Tempo 40 im fünften Gang? Geht locker. 50 km/h im Sechsten? Ja warum denn nicht? Dabei liegen bei Tempo 100 im sechsten Gang nicht einmal 4.000 Umdrehungen an. Erst ab 5.000 Touren spürst du den Vierling auch pulsieren. Nicht störend, bloß spürbar. Und in der zweiten Drehzahlhälfte wird der Vierzylinder auch zornig, ein Motor mit Manieren und Charakter. Plus kräftigem Punch genau da wo man ihn braucht, in einer Unten-Mitte-Abstimmung.

Honda CB 1000 F – Retro-Roadster mit 124 PS

Ausdrehen? Wozu? Wir werden heute nicht alle 124 PS der Honda CB 1000 F legal galoppieren lassen. Wer vermisst da die 152 PS der Hornet? Es ist einfach frappierend, wie gut diese 1000er aus dem Drehzahlkeller die Leistungsleiter emporsteigt. Fünf Fahr-Modi sind an Bord, davon drei voreingestellte: Regen, Standard und Sport. Sie koppeln Gasannahme/Leistungscharakteristik, Motorbremse sowie Ansprechverhalten der Traktionskontrolle. Letztere kann man in einem der beiden frei konfigurierbaren Modi auch ganz abstellen. Dann sind schöne Freuden- und Beschleunigungs-Wheelies drin. Die Steuerung des Bordmenüs erfolgt über einen Vier-Wege-Schalter an der linken Lenkerarmatur.

Honda-typischer Sitz-Komfort

Reden wir mal über die Ergonomie der CB 1000 F. Sie passt perfekt. Typisch Honda liegt der konisch gestaltete Rohrlenker zur Hand, er ist in der Mitte breiter als an seinen Enden. Der Lenker gibt sich in seinen hohen Risern ruhend, geradezu entgegenkommend. Auch der Knieschluss stimmt. Der formschöne Klassik-Tank mag mit seinen 16 Litern nicht besonders voluminös sein. Aber er ist immerhin recht breit, bietet satten Knieschluss. Auch kleine Leute bekommen beide Stiefelsohlen sicher auf den Boden. Man sitzt sehr drin im Motorrad, prima integriert.

Sitzbank im Bol-d’Or-Stil

Selbst ein Passagier findet auf der durchgehenden Sitzbank der Honda CB 1000 F ein mehr als passables Plätzchen mit recht tief platzierten Fußrasten vor. Tugenden, die früher selbst Sportmotorräder beherrschten, die aber heute bei Naked Bikes aus der Mode gekommen zu sein scheinen. Allenfalls für langbeinige Fahrer fällt der Kniewinkel einen Tick eng aus. Sie können als Abhilfe eine 33 Millimeter höhere Komfort-Sitzbank ordern. Die ist nebenbei noch klassischer im Bol d’Or-Stil abgesteppt, über die gesamte Länge nämlich, Soziussitz inklusive.

Ausstattung in drei Paketen

Honda offeriert von vornherein haufenweise frei wählbare nützliche Extras, etwa Hauptständer, Alarmanlage und Seitentaschen (Soft-Bags). Ja, Honda hat sogar drei verschiedene Pakete geschnürt, "Comfort Pack", "Sports Pack" und "Travel Pack", die man direkt beim Händler ordern kann. Der Autor dieser Zeilen darf hier und heute die "Sports Pack"-Version fahren, siehe oben in der Bildergalerie. Mit Lampenmaske, Kühlerschutz ("Grill"), Schutzpads und vor allem Quickshifter. Also kann ich mir beim Hoch- wie Runterschalten den Griff zur kinderleicht bedienbaren Kupplung komplett sparen. Funktioniert klasse! So wie das gesamte Motorrad.

Nur zwei Kilo schwerer als die Hornet

Alles geht so einfach mit der Honda CB 1000 F. Bereits im römischen Stadtverkehr fiel auf, wie easy dieses Big Bike sich dirigieren lässt. Einerseits klar, denn es wiegt nur 214 Kilogramm, zwei mehr als die Hornet. Trotzdem überrascht, wie hervorragend das Motorrad ausbalanciert ist. Honda eben. Dazu gesellt sich enormer Komfort, astreines Feedback und fantastische Präzision in jeder Kurve. Du triffst damit 100-prozentig die richtige Linie: Diese 1000er fährt intuitiv auf den Punkt genau. Auch Freddie Spencer ist begeistert: "Von so etwas hätten wir damals geträumt."

Lenkpräzision und Feedback sind exzellent

Längere Federwege als an der Hornet und das überarbeitete Federbein wirken Wunder. Wahnsinn, wie fein es auf kleinste Pusteln im Asphalt anspricht und reagiert, aber auch derbe Löcher absorbiert. Es packt dich nicht in Watte, sondern morst dir die Straßenbeschaffenheit so ins Popometer, dass du jederzeit spürst, was los ist, ohne jemals zu leiden. Ganz ehrlich: Hammer! Das findet auch "Fast Freddie". Natürlich ist er Markenbotschafter von Honda, aber hat auch seinen eigenen Kopf. Und als dreifacher Weltmeister kann er Motorräder nun mal beurteilen: "Das Feedback ist exzellent."

Honda CB 1000 F – Retro in Bestform

Es ist Zeit, auch den für heutige Verhältnisse moderat breiten Reifen (hinten 180/55 ZR 17) ein Kompliment auszustellen. Bridgestone S22 in Sonderkennung BB harmonieren prima mit der schönen Honda. Alternativ gibt es auch Dunlop Roadsport 2. 120er-Breite vorn, das war früher hinten. Genau das ist es: Ein Motorrad, das klassisch aussieht, aber modern fährt. Retro in seiner besten Form.

Traktionskontrolle und ABS schräglagenabhängig

Haben wir schon von der 6-Achsen-IMU der Honda CB 1000 F gesprochen? Die hat die Hornet nicht. Sie ermöglicht bei der "Bolle der Neuzeit", dass Traktionskontrolle und ABS schräglagenabhängig regeln. Ein feingewebtes digitales Fangnetz ist das. Die Honda CB 1000 F steht für das, was die Engländer oder Amerikaner ein "forgiving motorcycle" nennen, ein Motorrad, das vergibt und auch mal einen kleinen Fahrfehler elegant überspielt oder nonchalant auffängt.

1.000 Euro preisgünstiger als die Kawasaki Z 900 RS

Durchdacht, ganz wie früher gibt es Gepäckhaken am Heck der Honda CB 1000 F. Natürlich wären klassische Rundinstrumente die Kirsche auf der Sahne gewesen. Zur tollen Linie gesellt sich ein attraktiver Preis, 12.329 Euro inklusive Nebenkosten. Die Kawasaki Z 900 RS, ebenfalls eine Retro-Schönheit mit vier Zylindern, ist mindestens 1.000 Euro teurer. Allerdings hat die Kawa schon neunmal hintereinander den Titel "Motorrad des Jahres" in der Kategorie Modern Classics eingefahren. Womöglich erwächst nun mit der neuen 1000er von Honda die stärkste Konkurrenz.

Honda CB 1000 F mit 6 Jahren Garantie

Moment mal: Aktuelle 1000er-Vierzylinder bei Honda, da war doch was…? Also: Alle Maschinen der Modelle CB 1000 GT und CB 1000 F werden mit den modifizierten Kolbenringen ausgeliefert. Sie wurden bereits in der Fabrik umgerüstet oder von vornherein damit bestückt. Die Fahrt zu speziellen Service-Centern für einen notwendigen Austausch haben damit nur Besitzer einer 1000er-Hornet vor sich. Wermutstropfen dabei: Das neue Retro-Modell CB 1000 F kommt erst im Herbst 2026 in den Handel. Trostpflaster: mit 12.000er-Wartungsintervallen und sechs Jahren Garantie.

Fazit