Vespa Elettrica im Fahrbericht. Frank Rathering
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Vespa Elettrica im Fahrbericht. 9 Bilder

Vespa Elettrica im Fahrbericht

Wie gut ist die Elektro-Vespa?

Wer Elektroroller nicht mag, weil die meisten aus China kommen, billig gemacht und mit einem schlicht ungenügenden Fahrwerk gestraft sind, sollte sich mal die Vespa Elettrica näher anschauen.

Ein „Kunstwerk auf Hightech-Niveau“ sei sie, die Vespa Elettrica, die es jetzt auch in einer 70 km/h schnellen Version gibt. Nun ja, es gäbe genügend beeindruckende Dinge über die Strom-Wespe zu erzählen, da müssten die PR-Dichter gar nicht so dick auftragen. Den Aspekt etwa, dass Mutterkonzern Piaggio den Motor selbst entwickelt hat und ebenso selbst baut wie den Rest der Vespa samt der Batterie, deren Zellen von LG zugeliefert werden, und alles in eine äußerlich originale Karosse der 125er-Primavera einbaut. Vor dem Start zu einer Stadtrundfahrt durch Düsseldorf gefällt das Finish, die Haptik, der ganze Qualitätseindruck des nur in Silber mit farbigen Applikationen lieferbaren Rollers. Sei es beim Aufklappen der Sitzbank, unter der sich ein vollwertiges, herausnehmbares Helmfach findet, wie bei der Primavera. Oder bei Details wie dem fest montierten Ladekabel, das im ehemaligen Tankstutzen so geschickt verstaut wird, dass man meint, das wäre schon immer so gewesen.

Bequeme und ergonomische Sitzposition

Bei der Sitzprobe setzt sich dieser Eindruck fort. Bequem, ergonomisch richtig thront der Fahrer auf einer straffen Sitzbank, könnte auch größer sein, aber wegen der stattlichen Sitzhöhe nicht viel kleiner als die 1,75 Meter, die er nun mal misst. Zündung ein, der Bildschirm an gewohnter Stelle führt sein blinkendes Startprozedere auf. Vor dem Losfahren heißt es, den Startknopf zwei Sekunden gedrückt zu halten. Ein sanfter Ruck, „Ready“ leuchtet, es kann losgehen. Bei aller schon konzeptbedingten Handlichkeit fühlt sich die Vespa wie ein schwerer Roller an, obwohl sie nur vier Kilogramm schwerer ist als die 125er-Primavera.

Vespa Elettrica im Fahrbericht.
Frank Rathering
Optisch unterscheidet sich die Elektro-Vespa nicht großartig von den Verbrenner-Modellen.

Sie liegt satt auf der Straße und erfreut durch überzeugenden Federungskomfort. Ob die Piaggio-Leute wohl absichtlich Kopfsteinpflasterstrecken ausgesucht haben? So jedenfalls muss ein Fahrwerk funktionieren. Vespa-Kenner überrascht das nicht, auch die elektrische fährt eben wie eine Vespa. Die Bedienung gibt ebenfalls keine Rätsel auf, nur in die Menü- führung für die Einstellungen muss man sich einfuchsen. Es macht Spaß, mit der leise sirrenden Vespa durch den Stadtverkehr zu rauschen, obgleich man dabei nicht allzu frech werden sollte – die meisten Autos beschleunigen besser.

Motorbremse mit Energierückgewinnung

Denn wer nach Konsum der technischen Daten angesichts von 200 Newtonmeter Drehmoment gedanklich den Asphalt hinter der Vespa Wellen schlagen sieht, sieht sich getäuscht. Obwohl im Display „Power“ leuchtet und der Werbeslogan die E-Vespa „Ich bin die Kraft“ sagen lässt, fühlt man sich eher im „Sanft“-Modus gefangen. Für gute Beherrschbarkeit und zugunsten der Reichweite wird die Kraft so weit weggeregelt, dass der für E-Motoren typische Kick ausbleibt. Auch das Erreichen der 70 km/h wird zur Geduldsprobe. Beide Versionen beschleunigen übrigens gleich schnell auf 45 km/h, was sich für das Kleinkraftrad-Modell flott anfühlt, für das Leichtkraftrad hingegen eher nicht.

Vespa Elettrica im Fahrbericht.
Frank Rathering
Ins Helmfach passt ein Jethelm.

Kein Ruhmesblatt sind die Bremsen. Die Kombibremse CBS reiche angesichts der geringen Geschwindigkeiten, meint man bei Piaggio. Unverständlich, meinen wir, denn zum einen bietet Piaggio in der 125er-Primavera mit Benzinmotor ABS an, und zum anderen gilt CBS zumindest in Deutschland als die typische Technik für billige Fernost-Produkte. Wie passt das zum Premiumanspruch? So lässt die mit dem linken Lenkerhebel betätigte Kombibremse aus Trommel hinten und Scheibe vorne jeden Druckpunkt vermissen, überbremst das Hinterrad, aber nie das vordere. Den rechten Lenkerhebel für die Vorderradbremse muss man sehr kräftig ziehen, will man vorne kräftig bremsen. Schwierig zu dosieren, wenn mal Grip fehlt. Eine Motorbremse mit Energierückgewinnung, Rekuperation genannt, gibt es nur über das Schließen des „Gasgriffs“, wählbar in zwei kaum unterschiedlichen Stärken. Vorteil: Bremsen schaltet den Vortrieb nicht weg, sodass man, etwa beim engen Wenden, für mehr Stabilität gegen die Hinterradbremse fahren kann.

Preise beginnen bei 6.690 Euro

Die Vespa Elettrica ist ein Lifestyle-Produkt für betuchte Vorstädter, so sieht es selbst Piaggio. Denn sie kostet, obwohl 20 km/h langsamer und ohne ABS, 1.600 Euro mehr als die 125er-Primavera mit dem gleichen Bildschirm samt Connectivity-Funktionen. Dafür bekomme ich ein leises, lokal emissionsfreies Fahrzeug, das ich an jeder Haushaltssteckdose in vier Stunden aufladen kann, bei einem Kilowatt Ladeleistung. Wesentlich erwachsener und vor allem komfortabler als der deutlich günstigere Niu NGT, aber auch gegenüber der noch teureren Schwalbe spürbar komfortabler, mit mehr Stauraum, allerdings leider nicht annähernd so kräftig, empfiehlt sich die Vespa eben als Vespa. Zu einem Kunstwerk auf Hightech-Niveau fehlt ihr allerdings die Konsequenz. Mehr abrufbare Power, gerne auch wählbar über einen zusätzlichen Modus, und bessere Bremsen mit ABS würden sie zu dem Premiumprodukt machen, das sie sein will.

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Fazit

Die Vespa Elettrica ist ein schicker, aber sehr teurer Elektro-Roller, der sich primär für Fans der Marke eignen dürfte. Mit einem Einstiegspreis von 6.690 Euro ist sie deutlich teurer als stärker motorisierte und ähnlich ausgestattete Verbrennermodelle der italienischen Kultmarke.

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