VanderHeide V4 im Test

Carbon-Monster mit Aprilia V4-Motor

VanderHeide V4.Tunnelblick: Dank Plexiglas kann man das Spiel des vorderen, oberen Federbeins beobachten.Schlicht und ergreifend: kleines TFT-Display mit allen Infos, die man so braucht.Hübsch und begeisternd: Sichtcarbon und Lackierung genügen höchsten Anforderungen.
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Carbon ist das Material des Moments, aber Ducati 1299 Superleggera und BMW HP4 Race sind nicht die Ersten. Bereits ein Jahr vor ihnen fuhr die superteure VanderHeide V4 Superbike in Goodwood mit Aprilia V4-Motor.

Die Geschichte, wie dieses erstaunliche Motorrad gebaut wurde, wäre allein schon Stoff für Hollywood. Aber die Geschichte seines ersten öffentlichen Auftritts vor 150.000 Menschen beim britischen Goodwood Festival of Speed ist noch besser. „Das war wirklich ganz großes Kino!“, freut sich Sjors van der Heide (32). Zusammen mit seinem Bruder Rolf (30) ist er verantwortlich für den Aufbau der VanderHeide V4: „Wir hatten keine Einladung nach Goodwood, aber die Hoffnung, dass das Motorrad unsere Eintrittskarte wird.

Veranstalter sagten Nein

Wir beendeten also den Zusammenbau am Montag vor dem Festival und machten nur eine kurze Testfahrt, um zu sehen, ob alles funktioniert. Am Dienstag Fotoshooting, am Mittwoch sind wir von Rotterdam aus los nach Großbritannien. Am Donnerstag standen wir am Tor und baten, uns mitfahren zu lassen. Aber die Veranstalter sagten Nein. Wir haben es immer wieder versucht, und schließlich ist es uns gelungen, den Verantwortlichen für die Motorräder zu treffen. Ihm zeigten wir das Bike in unserem Transporter. Dann durften wir plötzlich doch rein!“ Den beiden Rotterdamer Brüdern Rolf und Sjors gelang der Bau dieses erstaunlichen Motorrads über einen Zeitraum von fünf Jahren völlig unbemerkt. Nicht einmal Internet-Blogger lüfteten das Geheimnis der VanderHeide V4.

Leicht, leistungsstark und kompakt

2011 kaufte Rolf van der Heide einen 65-Grad-RSV4-Motor von Aprilia: „Der ist leicht, leistungsstark und kompakt: Und er klingt auch schön, wie ein reiner MotoGP-Racer.“ Für die Planung waren die Befestigungspunkte des Vierzylinders der Ground Zero. Um sie herum entstand in akribischer Kleinarbeit das Kohlefaser-Monocoque. Es ist gleichzeitig Rahmen, Verkleidung und Tank der VanderHeide V4. Und dazu trägt es noch Hinterradschwinge und die mehrfach einstellbare Trapez-Gabel. Die beiden Brüder führten das Monocoque als komplett geschlossene Konstruktion aus, in welcher der Motor an vier Punkten auf jeder Seite befestigt ist. Die komplizierte Form erlaubte keine Verwendung von vorimprägnierten Carbon-Material, die zahlreichen Lagen mussten nass drapiert werden. Um das Ganze dann zu backen, mussten die wackeren Holländer einen eigenen Vakuum-Ofen bauen, da es im ganzen Land keinen geeigneten gab.

Zulassung scheiterte am Lenkerschloss

Die fünf Kilogramm leichte Carbon-Cantilever-Schwinge ist am Kurbelgehäuse gelagert. Ein voll einstellbares Öhlins-TTX-36-Federbein wird direkt angelenkt. Unmittelbar darüber sitzt ein weiteres Öhlins TTX 36, über das sich das Vorderrad abstützt. „Wir haben einen Tunnel in das Monocoque integriert. Die darin gegeneinanderarbeitenden Kräfte von Vorder- und Hinterradfederung minimieren sich gegenseitig, was Belastung vom Monocoque wegnimmt.“ Der Aprilia-RSV4-Motor mit 201 PS ist Euro-4-konform, komplett mit Kabelbaum, ECU, variablem Ansaugsystem, Auspuff, Katalysator und APRC-Elektronik. Die Emissionen waren nicht das Problem, trotzdem gab es zunächst keine Zulassung für die VanderHeide V4. „Wir hatten kein Lenkerschloss … Aber nun haben wir auch dafür eine Lösung gefunden und die Zulassung bekommen.“

150.000 Euro soll ein Exemplar kosten

Die VanderHeide V4 sieht voluminöser aus, als sie ist. Das Bike fühlt sich schlank und relativ kompakt an, bequeme Fußrasten und geräumige Sitzposition passen bestens. Das schön geformte Display liefert reichlich Informationen, nur die Ledergriffe sind viel zu rutschig. Noch nicht wirklich ideal fühlt sich das Handling der VanderHeide an. Vor allem bei niedrigen Geschwindigkeiten bis zu 60 km/h wirkt das ganze Bike instabil. Auch die Lenkung ist noch etwas nervös, da fehlt insgesamt noch der Feinschliff am Fahrwerk. Aber die beiden Brüder sind bereits an all diesen letzten Problem dran und werden sie mit der ihnen eigenen Leidenschaft und dank der Straßenzulassung lösen. Nun hoffen die Brüder auf 25 Kunden, um den Start einer Kleinserienproduktion der VanderHeide V4 zu sichern. „Wir können kein Datum nennen. Aber sobald wir die Vorbestellungen haben, werden wir eine Maschine alle zwei bis vier Wochen bauen.“ Exklusive 150.000 Euro soll ein Exemplar kosten, vorzubestellen unter www.vanderheidemotorcycles.com.

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