Vorstellung Dirla Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa

Falks feister Falke

Premiere der Dirla-Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa.Wie am Schnürchen: Die 17 Jahre alte 1300er läuft echt gut geradeaus.Bitte, bitte, her mit einer schönen Hayabusa! Der Autor gibt dann auch in Zukunft seine Texte pünktlich ab...
Lassen Sie sich nicht täuschen: Bremsen und Fahrwerk sind total original. Nur nicht ihre Aufkleber.
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Nein, dies ist keine 1989er-GSX-R 1100, die hier ins Eck sticht. Sondern eine 2000er-Suzuki Hayabusa, fantastisch fein verwandelt vom begabten Techniker und Ästheten Falk Dirla. Die optische Täuschung ist perfekt.

Nicht lügen!“ PS-Grafiker Thomas Waldhauer will nur die Wahrheit hören. „Doch, Thomas, das ist wirklich eine Suzuki Hayabusa.“ Nur mit Mühe kann ich den kritischen Geist überzeugen. Okay, die dreiteilige Verkleidung einer 89er-GSX-R 1100 mit den Ram-Air-Nüstern führt aber auch zu leicht auf die falsche Fährte. Und mit diesem herrlich gelb folierten Endurance-Scheinwerfer in der charakteristisch flachen Front mit Doppelleuchte ist die Illusion erst recht perfekt. Doch darunter ist alles Hayabusa: Motor, Fahrwerk, Bremse, echt GSX 1300. Also auch der fette Leichtmetall-Brückenrahmen samt der schönen wie stabilen Aluschwinge mit Oberzug. Thomas hat ein Einsehen und sein Aha-Erlebnis für heute weg.

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Alle 16 Ventile krumm

Das hatte ich ein paar Tage zuvor, als mir Falk Dirla lächelnd den Schlüssel zu seiner geduckten, sehnigen Suzuki Hayabusa in die Hand drückte. Der Mann ist Werkstattleiter des Züricher BMW- und Suzuki-Händlers Arrigoni Sport. Als Maschinenbau-Techniker und Zweiradmechaniker-Meister versteht der Radolfzeller sein Handwerk. Er bekam irgendwann eine zerstürzte 2000er-Hayabusa in seinen Laden, die außerdem einen Motorschaden hatte: Die Steuerkette war wegen eines defekten Spanners übergesprungen, alle 16 Ventile waren krumm, „bei vieren sogar die Teller abgebrochen,“ wie sich Falk erinnert. Reparatur unwirtschaftlich.

Der Falke kam schließlich wieder zum Leben

Erstaunlicherweise präsentierten sich alle Zylinderlaufbahnen in tadellosem Zustand, der Big Block war zu schade zum Wegschmeißen. Also machte sich Falk zusammen mit seinem Lehrling Ivan Ruggle an den Wiederaufbau: „16 neue Ventilführungen einzuschrumpfen war sehr aufwendig.“ Die Suzuki Hayabusa kam schließlich wieder zum Leben. Unverwechselbar, aber „auch hässlich wie eh und je“, fand Falk auf der ersten Probefahrt, als er sich im Schaufenster sah. Da kam ihm eine Idee: „Meine Karriere begann mit luftgekühlten GSX-R 750 und 1100, mit Motortuning und Einbau von Sechsganggetrieben.“ Hhmm, da muss doch was gehen ... Es ging was. 80 Arbeitsstunden später war sie vollendet, die Metamorphose zum schönsten Jagdfalken, der je über den Asphalt strich.

Feinheiten und Finessen liegen im Detail

Das zeigt sich selbst im Namen: GSX-R 1300 statt GSX 1300 R! Feinheiten und Finessen liegen hier im Detail. Ein Hilfsrahmen der GSX-R mit integrierten Teilen der Suzuki Hayabusa trägt die bei eBay geschossene 1100er-Verkleidung. Falk änderte die Vorderseite des Tanks zugunsten einer cleanen Optik. Links in die Verkleidung musste ein harmonisch wirkendes Loch, „weil eine GSX-R ihre Lichtmaschine huckepack trägt, die Hayabusa aber auf dem Kurbelwellenstumpf“. An den Racing-Höcker von Ricambi Weiss schmiegen sich schön eng die hochgelegten Serien-Auspuffe der 1300er. Die Rohre zum Sammler setzte Falk aus Fragmenten von Originalteilen und Heizungsrohrbögen zusammen und bearbeitete sie auf einer Rohrschleifmaschine.

Lackierung ist das i-Tüpfelchen

Was noch? Die Gabelbrücken wurden gepulvert und deren Schriftzug „Hayabusa“ weggeschliffen, wie auch auf den Tokico-Sechskolben-Stoppern. Stattdessen steht dort jetzt „Bremse“ im originalen Brembo-Schriftbild, auf der Gabel prangt „Öhldrin“. Solche Typografie fällt nicht gleich ins Auge, gefällt aber Thomas Waldhauer. Ebenso wie der SACS-Schriftzug: Er steht bei Falk Dirla für „Suzuki Advanced Comical System“. Ferner hat Falk das Cockpit mit Schrumpflack behandelt und eine klassische MRA-Scheibe sowie dezente Miniblinker montiert. Last but not least: die originalgetreu in Eigenregie aufgebrachte GSX-R-Lackierung, deren Historie sich intuitiv erschließt. Fertig war Falks sehenswerte Zeitmaschine. „Meine Suzuki Hayabusa fährt gegen die Zeit, und das ziemlich schnell“, schmunzelt er.

In drei Sekunden von null auf 100

Drei Sekunden für den Spurt von null auf 100, knapp acht im letzten Gang von Tempo 60 auf 140 und erst recht die Vmax von knapp 300 km/h können sich heute noch sehen lassen. Das ist ein verdammt rüstiger Oldie! Ab 1.500 Touren gibt‘s satten Schub. Jenseits der 8.000er-Marke folgt purer Zorn. Wenn man den Hahn spannt, fühlt man sich wie auf einem Katapult. Bei sich öffnender linker Spur sind die kleinen Rückspiegel der Suzuki Hayabusa im Nu wieder leer von idiotischerweise drängelnden Audi TDIs. Wisch und weg. Und all das gefühlsecht ohne ABS und Traktionskontrolle serviert. Auch wenn heutige 1000er noch rasanter abgehen: Diese Leistung, immerhin 175 PS, macht lässig und souverän. Macht und Herrlichkeit. Schade, dass Falk selbst so wenig davon profitieren kann: Wenn der Winddruck anfängt, den Oberkörper mitzutragen, ab Tempo 120, hört in der Schweiz der Spaß komplett auf.

Warum baut Suzuki so etwas nicht selbst?

Der grummelnde Vierzylinder muss sich nichts beweisen, nicht laut sein, um stark zu klingen – ein Gentleman-Sportler. Man sitzt in der Maschine drin, perfekt ins Geschehen integriert. Gut und gutmütig fährt die Super-Susi, liegt wie hingedübelt bei Reisetempo 250, bleibt telepathisch auf (schnellem) Kurs. Dafür ist sie im engen Geläuf nicht ganz so flink, trotz Eigenbau-Umlenkhebel am Federbein, um das Heck vier Zentimeter anzuheben. Letztlich zieht sich die Suzuki Hayabusa auf nicht ganz taufrischen Michelin Pilot Power 2CT mit flachem 50er-Querschnitt beachtlich aus der Affäre. 244 Kilo sind immerhin sieben weniger als serienmäßig. Falks Fazit: „Während andere mit Mordsaufwand versuchen, aus einem Serienmotorrad ein wichtig aussehendes Custombike zu bauen, habe ich mit Mordsaufwand ein Custombike gebaut, das aussieht wie ein Serienmotorrad.“ Bleibt nur eine Frage: Warum macht Suzuki so etwas nicht selbst?

Technische Daten Dirla-Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa

Dirla-Suzuki GSX-R 1300 Hayabusa

Antrieb:

Vierzylinder-Reihenmotor, vier Ventile/Zylinder, 129 kW (175 PS) bei 9.800/min, 138 Nm bei 7.000/min, Bohrung/Hub: 81,0/63,0 mm, 1.299 cm³, Verdichtung: 11:1, Zünd-/Einspritzanlage, 36-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, Kette

Fahrwerk:

Leichtmetall-Brückenrahmen, Lenkkopfwinkel: 65,8 Grad, Nachlauf: 97 mm, Radstand: 1.485 mm, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, Federweg v./h.: 120/140 mm

Räder und Bremsen:

Leichtmetall-Gussräder, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/50 ZR 17, 310-mm-Doppelscheibenbremse mit Sechskolben-Festsätteln vorn, 260-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten

Gewicht:

(vollgetankt) 244 kg, Tankinhalt: 21 Liter Super

Preis Tuning-Motorrad:

10.000 Euro

Kontakt und Info:

Telefon: 0041/788341250, falk.dirla@gmx.ch

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