Yamaha MT-07 2017 und 2018 im Test

Wie viel besser ist das Fahrwerk?

Die Yamaha MT-07 Modelle aus den Jahren 2017 und 2018 im Vergleichstest.
Die Yamaha MT-07 Modelle aus den Jahren 2017 und 2018 im Vergleichstest.2018: Der Dämpfer wurde straffer abgestimmt und bekam eine Zugstufen-Verstellung spendiert. Tipp: Maximal 0,5 U. öffnen.2018: Wie immer ist das LC-Display übersichtlich, der Drehzahlmesser allenfalls etwas klein. Bedienung über zwei mittige Tasten.2018: Das Sahnestück der MT-07 blieb unangetastet. Der Motor: Ein Quell purer Freude, drückt immer, klingt herzhaft.
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Yamaha spendiert der Yamaha MT-07 im Modelljahr 2018 ein Update. Das Ergebnis: mehr Prozente. Die betreffen nicht den Brennraum, sondern das Fahrwerk. Der Vergleich mit der Vorgängerin von 2017 muss offenlegen: Gibt’s beim Fahren den Glücksrausch oder Kopfschmerzen?

Die erste wichtige Zahl in diesem Vergleich kommt ganz ohne ­Prozente aus und fußt auf fünf simplen Ziffern: 68.443. Fast 70.000. So viele Einheiten des flotten Crossplane-Twins MT-07 hat Yamaha seit Erscheinen 2013 in Europa verkauft (Stand: Mai 2018). Das ist eine ganze Menge. Mal aufs zurückliegende Jahr 2017 und nur für Deutschland runtergebrochen, fand die Yamaha MT-07 in diesem Zeitraum 3.491 neue Freunde. Unangefochten ist sie damit das bestverkaufte Modell mit den gekreuzten Stimmgabeln, und insgesamt muss sie sich nur hinter BMWs großer GS einsortieren.

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Motor der Yamaha MT-07 weiterhin ein Knaller

Wenn das bei Yamaha nicht Grund genug war und ist, die Korken mal so richtig knallen zu lassen, was sollte es dann für einen Anlass geben? Doch bevor sie allzu sehr dem Glücksrausch des Erreichten anheimfallen, haben die Yamaha-Ingenieure schon wieder die Köpfe zusammengesteckt. Sich einfach nur auf den Erfolgen der Vergangenheit auszuruhen, könnte auf Dauer ein gefährliches Spiel werden, weil die Mitbewerber schließlich nicht schlafen, ständig Neues präsentieren. Und zumindest eine kleine Baustelle war der Yamaha MT-07 von Anfang an ja nicht fremd, rief schon mal klare Kritik hervor. Die Rede ist vom Fahrwerk, auf das sich nun die Prozentangaben beziehen.

Foto: Arturo Rivas
Yamaha MT-07 (Baujahr 2017).
Yamaha MT-07 (Baujahr 2017).

Doch bevor die beim flotten Kurvenfest einer Analyse standhalten müssen, ist erst noch ein anderer pfundiger Prozentprotz an der Reihe. Wie bester Strohrum einen gestandenen Seebären nach einem vollen Glas auf die Planken seiner Jolle knallt, so sehr haut der Zweizylinder der Yamaha MT-07 rein – positiv berauschend ohne Nebenwirkungen. Schließlich greift der Seebär nach Genuss des flüssigen Hochprozenters zur Kopfschmerztablette, um den Tag über die Bühne zu bringen, während der Yamaha-Pilot ein Spritglas nach dem anderen in den 14 Liter fassenden Tank leert, gar nicht genug bekommt vom flotten Triebwerk. An dem hat Yamaha nichts geändert. Alles blieb, wie es war.

2018er-Modell etwas schwerer

Okay, die neue Yamaha MT-07 liegt auf dem Prüfstand zwei mickrige Pferdestärken hinter dem 2017er-Pendant. Davon merkst du im Fahrbetrieb aber nichts. Wie eh und je schiebt der Crossplane-Twin mit seinen 270 Grad Hubzapfenversatz äußerst gutmütig und richtig engagiert ab tiefsten Drehzahlen voran, hängt bereits bei 3.000/min gierig, aber berechenbar am Gas. Vom zarten Einbruch hinter 4.000 Umdrehungen ist nichts zu spüren, vom Elan ab 5.000 Touren dafür schon. Und dann geht es immer weiter, immer höher hinauf, bis knapp vor 9.000/min der Leistungszenit wartet. Mehr Drehvermögen wäre noch drin, mehr Drehzahl bringt aber keine Extra-­Power mehr. Muss auch nicht sein, weil der MT-07-Motor schon bis zum PS-Gipfel so formidabel werkelt, dass man nur die etwas zu harten Lastwechsel bemängeln kann. Ansonsten gilt: Das ist nach wie vor der beste Antrieb in dieser Klasse – und wahrscheinlich nicht nur hier. Ein purer Freudenspender, gutmütig und immer zu haben für einen einhundertprozentigen Freudenrausch. Und zwar bei der aktuellen wie auch der älteren MT-07. Aber nun soll es ja noch besser werden. Die Fahrwerksprozente rücken in den Vordergrund. Die teilen sich wie folgt auf: sechs und 16 Prozent vorne sowie elf, 27 und 40 Prozent hinten. Sie verstehen nur Bahnhof, denken vielleicht gar, dass es sich hier nicht um Gabel und Dämpfer dreht, sondern dass Yamaha in den Vertrieb von Sake eingestiegen ist?

Foto: Arturo Rivas
Yamaha MT-07 (Baujahr 2018).
Yamaha MT-07 (Baujahr 2018).

Nein, falsch. Alle Prozentangaben haben nichts mit Spirituosen gemein, sie geben vielmehr an, um wie viel straffer Gabel und Federbein der Yamaha MT-07 nun ausfallen. Wie bisher schon führt eine 41 Millimeter messende Kayaba-Gabel das Vorderrad des Midsize-Bikes. Neu ist, dass die Federrate jetzt sechs Prozent härter ausfällt, die Zugstufe sogar um 16 Prozent zugelegt hat. Noch eklatanter sind die Änderungen hinten. Das nun auch in der Zugstufe einstellbare Federbein weist eine um elf Prozent gestiegene Federrate auf, die Zugstufe nahm um 27, die Druckstufe um 40 Prozent zu. Dass die Änderungen hinten eklatanter als vorne vorgenommen wurden, liegt daran, dass Pilot und ein möglicher Passagier mit ihrem Gewicht den Dämpfer am Heck deutlich mehr belasten als die Gabel. 185 Kilogramm wiegt die MT-07 vollgetankt, gegenüber dem Vormodell hat sie damit 1.000 Gramm zugenommen. Von diesen gesamten Kilos lasten ohne Fahrer 48,8 Prozent (90,3 kg) auf dem Vorderrad, der Rest hinten.

Platzangebot passt wirklich allen

Mit Passagier sieht es dann schnell anders aus. Steigt ein etwa 75 Kilogramm wiegender Fahrer auf, drücken gute 118 Kilogramm, ein Plus von fast 28 Doppelpfund, aufs Vorderrad, während das Heck nun ungefähr 149 Kilogramm trägt. Das zeigt deutlich: Das Zen­tralfederbein muss viel mehr Gewicht oben halten als die Gabel. Mit zusätzlichem Sozius verschieben sich die Werte noch weiter Richtung Heck. So viel zur Theorie, die bekanntlich ziemlich grau daherkommt. Auf geht’s zur Praxisprobe. Um die hochprozentigen Änderungen am Fahrwerk zu beurteilen, muss sich die neue Yamaha MT-07 gegen ihre Vorgängerin beweisen. Und wie diese nimmt sie den Piloten lässig-entspannt in ihrer Mitte auf. Das Platzangebot passt wirklich allen, vom Zwerg bis zum Riesen.

Foto: Arturo Rivas
2018: Wie immer ist das LC-Display übersichtlich, der Drehzahlmesser allenfalls etwas klein. Bedienung über zwei mittige Tasten.
2018: Wie immer ist das LC-Display übersichtlich, der Drehzahlmesser allenfalls etwas klein. Bedienung über zwei mittige Tasten.

Positiv: Mehr Freude vermeldet der Fahrer-Po bei der 2018er-MT, weil die Bank den Allerwertesten kommoder aufnimmt. Längere Touren gelingen bequem, während die Vorgängervariante sich schneller durchsitzt. Die neue Bank der Yamaha MT-07 verzichtet zudem auf den Anstieg Richtung Tank, der bis dato wie ein Tankpad das Spritfass vor Kratzern geschützt hat, und baut in diesem Bereich breiter. Doch keine Angst, die Füße finden immer noch sicheren Halt auf dem Boden, weil das Polster mit 800 Millimeter Höhe weiterhin schön niedrig platziert ist. Der Knieschluss: richtig schmal. Der Abstand zu den Rasten: angenehm offen. Der Platz für die Stiefel: perfekt. Der Griff zum allenfalls etwas zu schmalen und etwas zu stark nach hinten gekröpften Lenker: ­entspannt. Locker-flockig untergebracht folgen nach einigen Schwüngen durch den dichten Stadtverkehr die ersten ­Biegungen außerorts.

Motorradfahren kann herrlich einfach sein

Die 2017er-MT marschiert voran, nimmt die Premieren-Wechselkurve des Tages ins Visier. Locker in Schräglage gedrückt – bei alter und neuer Yamaha MT-07 ist die Handlichkeit nach wie vor famos – und dann per Lenkerimpuls am ersten Kurvenausgang gleich den Eingang der nächsten Biegung eingeleitet. Die Linie beim Hin und Her trifft die 690er-Yamaha recht zielgenau, sie gautscht dabei aber schon gemütlich-schaukelig durch den Federweg – und das vor allem hinten. Die Fliehkräfte drücken das Fahrwerk im Verlauf des Radius tief zusammen, beim Umlegen nimmt der Druck ab, weshalb Gabel und Dämpfer jetzt wieder ausfedern. Allerdings geschieht das eine klare Spur zu ungedämpft, hier fehlt es eindeutig an einer definierten Zugstufe, die dieses Aufschaukeln verhindern würde. Dennoch bleibt anerkennend festzuhalten: Trotz zu viel Bewegung meistert die Yamaha MT-07 das alles lässig und leicht, macht dabei eine Mordsgaudi und beweist, dass Motorradfahren herrlich einfach sein kann.

Foto: Arturo Rivas
Bitte genau hinsehen. Wer Unterschiede entdeckt – die neongelbe Farbe mal ausgenommen –, bitte beim ­Redakteur melden.
Bitte genau hinsehen. Wer Unterschiede entdeckt – die neongelbe Farbe mal ausgenommen –, bitte beim ­Redakteur melden.

Gleiche Stelle, aber neues Motorrad. Die neue Yamaha MT-07 des Jahrgangs 2018 bewältigt den Kurvenschwenk spürbar stabiler. Ihr Mehr an Druckstufendämpfung stemmt sich den Fliehkräften stärker entgegen, und das Plus bei der Zugstufe verhindert, dass sie zu sehr nachschwingt. Die Sache hat aber einen kleinen Haken. Damit die 2018er-MT satter liegt, sollte ihre Zugstufe ziemlich weit geschlossen werden. Beim normalen Rollen über Landstraßen empfiehlt es sich, sie nur ­eine ­halbe Umdrehung zu öffnen. Beim Sozius­betrieb oder der rasanten Runde auf der Hausstrecke darf sie dann gerne komplett geschlossen werden. Reserven bleiben dabei nicht – und schwere oder wilde Kurven-Hasardeure würden sich diese noch wünschen, um noch mehr ­Ruhe ins Heck zu bekommen. Nächster Test: Rumpelbahn. Gespickt mit allerlei straßenbaulichen Versäumnissen wie Wellen und Aufbrüchen wartet der folgende Streckenabschnitt auf uns. Hier brilliert die alte MT-07 ab dem ersten Meter, sorgt ihre softe Fahrwerksabstimmung für viel Komfort bei viel Bewegung im Fahrwerk.

Neue MT-07 gibt sich stabiler

Bei gleichem, niedrigem Tempo absolviert die neue Yamaha MT-07 dieselbe Prüfung etwas rumpeliger. Wobei wie vorher schon die Unterschiede weniger bei der Gabel als vielmehr beim Federbein auffallen. Das straffer abgestimmte 2018er-­Exemplar reagiert einen Deut unwilliger auf leichte Impulse, reicht mehr Eindrücke von der Straßenoberfläche ans Popometer weiter als die 2017er-Version. Bei flotterem Tempo verkehrt sich der Vorteil der alten MT-07 aber schnell ins Gegenteil. Aus komfortabel wird unterdämpft, dann schwingt das Federbein fast von Anschlag zu Anschlag – besonders im Soziusbetrieb, der bei nach wie vor nur 170 Kilogramm Zuladung einen schlanken Mitfahrer erfordert. Die neue MT-07 gibt sich stabiler, liegt satter, trifft die gewünschte Linie besser. Ihre neuen Fahrwerksreserven wirken sich positiv aus. Wobei auch hier gilt: Die Änderungen an der Gabel beeinflussen das Fahrverhalten weniger stark. Beide ­Exemplare arbeiten auf ähnlichem, immer noch etwas zu softem Niveau, während sich die Anpassungen beim Dämpfer gravierender bemerkbar machen.

Foto: Arturo Rivas
Der größte Unterschied der beiden liegt im Fahrwerk. Die straffer ausgelegten Federelemente verleihen mehr Kurvenstabilität.
Der größte Unterschied der beiden liegt im Fahrwerk. Die straffer ausgelegten Federelemente verleihen mehr Kurvenstabilität.

Neben den Fahrwerks-Updates hat Yamaha der neuen Yamaha MT-07 noch allerlei optische Retuschen auf den Leib geschneidert. Die Ansaugstutzen links und rechts neben dem Tank treten nun mehr in den Vordergrund, fallen massiver aus. Beim Heck gibt es das genaue Gegenteil: Soziussitz und neues Rücklicht markieren dessen Ende, vorher gab’s hinter dem Platz in der zweiten Reihe etwas Kunststoffverkleidung. Angewachsen ist dagegen der Scheinwerfer, der mit seinen kleinen Plastikteilen nun über die Gabelholme reicht, stimmiger in die Front inte­griert wurde als der kleinere Lichtspender zuvor. Und wie dieser bietet er weiterhin die Möglichkeit, anhand von definierten Befestigungspunkten Zubehör wie die beim 2017er-Modell zu sehende Scheibe zu fixieren.

Neues Modell nur 100 Euro teurer

Formensprache hin oder her, aus der guten Yamaha MT-07 macht eindeutig das hochprozentige Update beim Fahrwerk ­eine noch bessere MT-07. Das bleibt auch beim Blick auf den Preis so. 6.795 Euro kostet die 2018er-MT. Ein fairer Aufschlag von gerade einmal 100 Euro gegenüber der Vorgängerin. Und die Extra-Euros sind schnell wieder drin, weil sich der aktuelle Crossplane-Twin beim Verbrauch mehr zurückhält. 3,6 Liter auf 100 Kilometer genügen ihm, bei der 2017er-MT waren es noch 3,9. Zeit fürs Fazit: Die MT-07 ist weiterhin die Flatrate-Party für alle Motorradfahrer. All you can drive – und das komplett ohne Nebenwirkungen, Glücksrausch ohne Kopfschmerzen. Und wenn sie bei Yamaha jetzt noch das ABS anpacken, es feiner abstimmen würden, das Regelverhalten sensibler gestalten, würden wir unsere Gläser auf und für dieses tolle Zweirad noch höher heben. Aber wer weiß, an welcher Prozentschraube Yamaha beim nächsten Mal dreht. Wir bleiben gespannt und geben uns bis dato dem hochprozentigen Kurvenrausch hin.

MOTORRAD-Testergebnis

1. Yamaha MT-07 (2018)
Yamaha hat sich der Kritik am Fahrwerk der MT-07 angenommen, Gabel und vor allem den Dämpfer straffer abgestimmt. ­Eine gelungene Fahrwerks-Kur eines rundum gelungenen ­Motorrads.

2. Yamaha MT-07 (2017)
Zweiter Sieger und nicht erster Verlierer. Die alte MT-07 bleibt weiterhin ein tolles Zweirad. Wer nicht allzu viel wiegt und auf Soziusbetrieb verzichtet, kann immer noch bedenkenlos zugreifen.

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