A2-Harley für 5.700 Euro: Erste Test-Tour mit der neuen Harley-Davidson Sprint 440

Harley-Davidson Sprint 440 - erste Test-Tour
A2-Harley für 5.700 Euro

ArtikeldatumVeröffentlicht am 02.11.2026
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Einzylinder und Harley-Davidson? Da muss man schon weit zurückblättern in den Geschichtsbüchern der Company. So wurden von 1960 bis 1978 dank einer Kooperation zwischen Harley-Davidson und Aermacchi kleinvolumige Motorräder im italienischen Varese produziert und unter dem Label Harley-Davidson vertrieben. Unter anderem mit der Bezeichnung Sprint. Und die unglückliche Buell Blast 500, die von 2000 bis 2009 um Kunden rang, war offiziell keine Harley.

Erste Test-Tour mit der neuen Harley-Davidson Sprint 440

Damit zurück ins Hier und Heute. Und da stehen wir vor einem Bike, das nicht nur von weitem, sondern auch aus der Nähe sofort und zweifellos als Harley-Davidson zu identifizieren ist. Dem Team um Chef-Designer Bjorn Schuster ist es überzeugend gelungen, die Proportionen der fetten Big-Twins auf die wesentlich kompaktere 440er zu übertragen.

Für A2-Einsteiger: sehr niedrige Sitzhöhe

Das fängt mit dem hohen Lenkkopf der Harley-Davidson Sprint 440 samt enganliegendem und mit dem typischen Käppi versehenen LED-Scheinwerfer an, setzt sich über die zu der dünn gepolsterten Sitzbank (Sitzhöhe nur 679 mm) mit angedeutetem und als solchen kaum zu gebrauchendem Soziusplätzle stark abfallenden Linie bis hin zum knapp geschnittenen Heckfender fort.

Harley-Davidson made in India by Hero

Doch ganz so neu, wie sie nun hierzulande angepriesen wird, ist die bei Kooperationspartner Hero in Indien produzierte Harley-Davidson Sprint 440 nicht. Denn in ihrem Herkunftsland ist sie als eher gesichtsloses Naked Bike, als Hero X 440 oder Hero Mavrick 440 bereits seit 2023 mit quasi identischer Technik im Handel. Für die Transformation zur Sprint 440 brauchte es neben dem Design einen leicht abgeänderten Rahmen mit gekürzten Federwegen sowie anderer Rad- und Reifengrößen (Hero: 100/90-18; 140/70-17; Harley-Davidson: 100/90-19; 150/60-17).

Luft-ölgekühlter Einzylinder-Motor mit rund 28 PS

Der simple, luft-ölgekühlte Einzylinder-Motor der Harley-Davidson Sprint 440 ist identisch mit dem Hero-eigenen Antrieb. Aus 440 Kubik schöpft der langhubige (Bohrung x Hub 79,6 mm x 88,4 mm) ohc-Zweiventiler rund 28 PS (20,3 kW) bei 6.000/min und immerhin 38 Nm, die bereits bei 4.000/min anliegen. Die Kraft wird 6-fach portioniert nach hinten durchgegeben, wobei die Gänge 5 und 6 lang und sehr lang übersetzt sind.

Topspeed: 129 km/h

Laut der im TFT-Display abgelesenen Werte dreht die Harley-Davidson Sprint 440 bei Tachoanzeige 100 km/h im 5. Gang 4.800/min, im 6. Gang sogar nur 4.000/min. Dieses Drehzahlniveau kennt man sonst von wesentlich hubraumstärkeren Motoren. Dementsprechend überschaubar sind indes die Durchzugswerte. Und die eingetragene Höchstgeschwindigkeit: 129 km/h.

Ähnlich wie einst die Yamaha SR 500

Generell gleicht das Wesen der Harley-Davidson Sprint 440 dem der guten, alten Yamaha SR 500. In den unteren Gängen zieht der Single ab rund 2.000/min an und legt sich bis etwa 5.000/min tapfer ins Zeug. Danach erlahmt der Drehwille spürbar, bis dann der Begrenzer bei rund 6.500/min erlösend eingreift. Das ist in etwa auch die Drehzahl, die modern konstruierte 400er/450er als Eintritt in das obere Drehzahldrittel ansehen.

6 lange Gänge

Spaß macht er jedenfalls, der mit edlem Schrumpflack und überfrästen Kühlrippen versehene Antrieb der Harley-Davidson Sprint 440. Auch, oder gerade wegen seiner "nur" rund 28 PS. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, die Sprint 440 zu bewegen: Entweder man nimmt den 4. oder 5. Gang (der 6. ist für die Landstraße wirklich zu lang übersetzt) und lässt die Sprint 440 einfach laufen.

Doch eher Cruiser statt Sprinter

An Überholvorgänge ist so freilich nicht zu denken. Stehen diese an, oder möchte man etwas dynamischer unterwegs sein, bekommt der Schaltfuß einiges zu tun. Den Sprint-Fahrer- selten hat eine Modellbezeichnung mehr in die Irre geführt – ficht das alles nicht an, idealerweise gleitet er gemütlich und ohne Hektik dahin. Wie mit den großen Schwestern, wenngleich natürlich ohne deren Machtfülle.

Erinnerungen an die alte Sportster

Die Harley-Davidson Sprint 440 ist primär für die Märkte in Südostasien konzipiert und dementsprechend auf die Bedürfnisse der dortigen Klientel angepasst. Dennoch sitzen auch Großgewachsene auf ihr nicht wie der berühmte Affe auf dem Schleifstein, sondern zwar sehr niedrig auf dem karg gepolsterten Kissen, aber sonst fühlt man sich auch hier an die alte Sportster erinnert.

Fußrasten für Cruiser-Verhältnisse relativ weit hinten

Erfreulich: Auch beim Wenden mit der Harley-Davidson Sprint 440 am Lenkanschlag bleibt noch Luft zwischen Knie und Lenkergriff. Die Fußrasten sind für Cruiser-Verhältnisse relativ weit hinten angebracht, der Oberkörper nicht zu passiv nach hinten gelehnt. So lässt es sich aushalten. Zumindest so lange, bis die "4 Buchstaben" nach einer Pause rufen. Was je nach persönlicher Konstitution auch schon nach einer Stunde der Fall sein kann.

Mit 189 Kilo die leichteste Harley

Bis dahin erfreut die relativ kleine Harley-Davidson Sprint 440 mit einer von Harleys bis dato nicht gekannten Agilität. Dank schmaler Reifen und relativ leichter 189 Kilogramm lässt sie sich erst frech durch den Großstadtverkehr und später dann durchs Landstraßen-Winkelwerk treiben. Für Harley-Davidson-Verhältnisse groß ist die Schräglagenfreiheit, Wunder sollte man allerdings keine erwarten. Dennoch reicht es für flüssigen Kurvenspaß.

Die Company hat einen guten Job gemacht

Unterm Strich kann man der altehrwürdigen Company Harley-Davidson bescheinigen, dass sie mit der Sprint 440 einen sehr ordentlichen Job gemacht haben. Funktion, Verarbeitung und Wertigkeit geben keinen Anlass zur Klage. Eher schon die rudimentäre elektronische Ausstattung, die mit ABS, LED, TFT und USB vollumfänglich beschrieben ist.

Harley-Davidson Sprint 440 – Preis ab 5.700 Euro

Und während man bei Harley-Davidson neben Neu- und Wiedereinsteigern auch Fahrschulen als potentielle Kunden für die Sprint 440 betrachtet, könnte es auch gut passieren, dass altgediente Big-Twin-Treiber, die sich die Sprint 440 als Dritt- oder Viertmotorrad zum Brötchenholen in die Garage stellen, sich plötzlich viel öfter im Sattel der Kleinen wiederfinden, als sie ursprünglich gedacht hatten. Weniger ist manchmal eben mehr. Außer beim Preis: Ab 5.700 Euro und ab November 2026 ist die neue A2-Harley zu haben, wahlweise in 3 Farben und mit 4 Jahren Garantie.

Technische Daten: Harley-Davidson Sprint 440

  • Motor: Viertakt-Einzylinder, luft-ölgekühlt, 2 Ventile (ohc)
  • Hubraum: 440 ccm
  • Leistung: max. 27,6 PS (20,3 kW) bei 6.000/min
  • Drehmoment: max. 38 Nm bei 4.000/min
  • Getriebe: 6 Gänge
  • Endantrieb: Kette
  • Höchstgeschwindigkeit: 129 km/h
  • Spritverbrauch: 3,1 Liter/100 km
  • Rahmen: Stahlrohr-Verbundrahmen, Motor mittragend
  • Vorderradführung: Upside-down-Telegabel (43 mm)
  • Hinterradführung: Stahl-Schwinge mit zwei Federbeinen, Vorspannung einstellbar
  • Federwege: 130 mm vorn, 76 mm hinten
  • Räder und Reifen: 100/90-19 vorn, 150/60-17 hinten
  • Sitzhöhe: 679 mm
  • Bremsen: jeweils eine Scheibenbremse pro Rad, ABS
  • Tankvolumen: 9 Liter
  • Gesamtgewicht fahbereit mit gefülltem Tank: 189 kg
  • zulässiges Gesamtgewicht: 361 kg

Fazit