So schön fährt die neue A2-Guzzi für 6.000 Euro: Moto Guzzi The Trip - erster Fahr-Test

Moto Guzzi The Trip - erster Fahr-Test
So schön fährt die neue A2-Guzzi

ArtikeldatumZuletzt aktualisiert am 30.10.2026
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Da ist eine Moto Guzzi aus dem Ei geschlüpft, die nicht in Mandello del Lario gebaut wird und weder V2 noch Kardan hat. Wurde da etwa ein Kuckucksei ausgebrütet? Nein, die neue "The Trip" ist kein Tabubruch, sondern ein ebenso stilvolles wie günstiges 48-PS-Motorrad, das die Marke fitter für die Zukunft macht. Verkörpert das Küken Guzzi-DNA? Klar, man muss sie richtig einordnen und verstehen. Ganz ohne symbolische Sprengkraft.

Diese neue Moto Guzzi kommt nicht aus Mandello

Mandello del Lario: Die vermutlich schönste, charmanteste Industrie-Stadt Mitteleuropas liegt malerisch zwischen hohen Bergen und dem Comer See. Die Menschen hier sind stolz auf ihre Marke. Guzzisti aus der ganzen Welt pilgern in dieses Mekka der Motoren. Seit 1921, 105 Jahre schon, kommen (fast) alle Maschinen mit dem Adler auf dem Tank aus dieser Stadt.

Kein V2 und kein Kardan

Und das bereits seit 1967 mit längs eingebauten V2 samt Kardan, mittlerweile "monomotorisch". Bis jetzt. Denn nun kommt ein Reihentwin mit Antriebskette! Kein Tabubruch? Nun, von 1977 bis 1981 gab es den Viertelliter-Vierzylinder Moto Guzzi 254 – mit Reihenmotor und Kette. Das war eine umgelabelte Benelli, die in Pesaro gebaut wurde – beide Marken gehörten damals Alejandro de Tomaso.

Neue Moto Guzzi The Trip auf Aprilia-Basis

45 Jahre später basiert die Moto Guzzi The Trip auf der schnittigen Tuono 457 von Konzernschwester Aprilia. Und wirkt doch ganz anders. Das wird augenblicklich klar, als Piaggios PR-Mann Fabio Gilardenghi und Produktmanager Diego Arioli diese Schönheit auf Rädern enthüllen. Wow! "Wir sind aufgeregt, dieses Motorrad zum ersten Mal der Außenwelt zu zeigen."

Reihenzweizylinder-Motor mit rund 48 PS

Ja, die Aprilia Tuono 457 stiftete den quirligen Reihen-Twin, Räder und ein paar Kleinteile. Das war es auch schon. Die stilvolle "Baby-Guzzi" ist tatsächlich ein eigenständiges Modell, unmissverständlich eine Guzzi, verströmt den Spirit der Marke. Typisch ist LED-Tagfahrlicht in Form eines stilisierten Adlers. Er schmückt auch hochwertig und erhaben die Flanken des 15-Liter-Stahltanks. Dieser zitiert klassische V7-Modelle.

Stahl-Fahrwerk mit einseitigem Federbein

Aus ehrlichem Stahl bestehen bei der Moto Guzzi The Trip auch der komplett neue Rohrrahmen sowie die Schwinge. Und die stützt sich im Stil der V85 TT einseitig rechts gegen ein Zentralfederbein ab. Moderner Standard vorn: eine Upside-down-Telegabel.

Klassisch: 15-Liter-Tank aus Stahlblech

Über den Tank der Moto Guzzi The Trip zieht sich ein schwarzer Streifen, wie er seit der ersten Le Mans seit 50 Jahren in Mandello typisch ist. Anfassqualität und Materialgüte beeindrucken. Extrem edel wirkt die Sitzbank mit Alcantara-Bezug samt eingesticktem Logo.

TFT, LED – und der Guzzi-Adler

Das TFT-Rundinstrument der Moto Guzzi The Trip blendet beim Einschalten der Zündung ein Bild des tief zwischen den Bergen eingeklemmten Comer Sees ein. Dabei wird die neue Einsteiger-Guzzi in Indien und nicht in Norditalien gebaut. Nur mal so: Die 400er-Triumphs sowie die neuen 450er-BMWs kommen ebenfalls aus Indien. Und Piaggio betreibt dort sogar ein eigenes Werk.

Moto Guzzi The Trip: technische Daten, Gewicht und Preis

Zu den bewährten Modellen aus Mandello hält die neue 500er gehörigen Respektabstand – bei Gewicht und Preis: Moto Guzzi gibt zarte 181 Kilogramm an. All das soll 2027 für äußerst attraktive 6.000 Euro (plus Nebenkosten) zu haben sein – noch günstiger als die Aprilia Tuono 457.

Die neue A2-Guzzi fühlt sich schön leicht an

Richtig gut fühlt die neue Moto Guzzi The Trip sich an. Als 1,71-Meter-Mann sitze ich perfekt ins Motorrad integriert, bekomme sicher beide Füße gleichzeitig auf die Erde. Die Knie genießen satten Knieschluss an weit eingezogenen hinteren Flanken des hübschen Tanks. Die Hände greifen nach dem schön breiten, konifizierten Lenker. Und die Fußrasten sind da, wo sie hingehören. Wie leicht sich dieses Motorrad anfühlt!

Twin mit V2-Charakter

Pöttelnd klingt der Reihen-Twin, die 270-Grad-Kurbelwelle macht ja immerhin akustisch auf 90-Grad-V2, wie passend. Mit nur einem Finger lässt sich der Kupplungshebel ziehen, butterweich. Sanft, aber bestimmt kommt das "Easy-going-Motorrad" vom Fleck. Eine kürzere Endübersetzung als bei der Aprilia Tuono 457 toppt spritzigen Antritt. Rasch steppt es sich durch die Gänge.

3 Fahrmodi und 6 Gänge

Die 3 Fahrmodi "Rain", "Road" und "Sport" unterscheiden sich spürbar. Unter "Sport" hängt der Kurzhuber direkt am Gas. Da kommt Freude auf! Stadtverkehr mit 50 km/h meistert Moto Guzzis Junior easy im höchsten Gang. Bei Tempo 100 liegen schon um 5.500/min im 6. Gang an. Selbst in Spitzkehren bergauf darf auch mal der 3. Gang drinbleiben.

Bremsen vom indischen Brembo-Sublabel Bybre

Trotz einfacher Bremspumpe halten indische Bybre-Bremsen das Leichtgewicht sicher und ordentlich dosierbar im Zaum. Das Fahrwerk funktioniert gut, steckt viel ein und weg. Erst wenn Störimpulse dicht aufeinander folgen, kommt das Federbein nicht mehr ganz nach – eine progressiv wirkende Umlenkung gibt‘s hier nicht.

Reifen: 110er vorn, 150er hinten

Extrem leichtfüßig schraubt sich der junge, italienisch-indische Adler die Berge hoch. Am fantastisch leichten Handling haben breiter Lenker (großer Hebelarm), zartes Gewicht und schmale Reifen Anteil: vorn ein 110er, hinten ein 150er.

Moto Guzzi The Trip – made in India

Kalt irritieren die indischen Eurogrip-Pneus noch mit etwas diffusem Fahrgefühl. Warm gefahren stimmen Haftung und Zielgenauigkeit. Federleicht fällt The Trip in Schräglage, ohne je nervös zu werden. Garniert mit null Aufstellmoment. Selbst beim vollen Ankern in Spitzkehren hält die umgängliche Einsteiger-Guzzi unbeirrt den Kurs bei.

Fazit