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Fahrbericht Harley-Davidson Nightster Totgesagte leben länger

Nachdem die Sportster Nightster 1200 nach nur vier Jahren Bauzeit aus Harleys Modellportfolio 2012 wieder verschwand, ist sie jetzt als 975er wieder da. Und wie!

Totgesagte leben länger Harley-Davidson
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Fangen wir mit den Bad-News an. Mit 975 Kubik gilt die brandneue Nightster zwar hubraumtechnisch als DAS Einsteigerbike der Company. Allerdings ist der Einstandspreis mit 14.995 Euro eine hohe Hürde. Wahrscheinlich hatten sich sowohl Interessenten als auch Harley-Händler ein günstigeres Bike gewünscht. Wurscht! Bei Apple gibt’s auch keine Handys zum Schnäppchenpreis. Die neue Nightster steht ab Ende April bereit, um die mittlerweile 67-jährige Erfolgsgeschichte von Harleys Sportster-Baureihe weiterzuschreiben. Mit ihrem wassergekühlten V2 und 60 Grad Zylinderwinkel, bricht die Neue zwar mit Traditionen, ist technisch aber aktuell, obwohl man das auf den ersten Blick nicht vermutet. Designtechnisch fügt sich die Nightster wunderbar in Harleys bisherige Sportster-Modellpalette.

Wir hatten das Glück, bei der Präsentation in Spanien dabei zu sein. Erster Eindruck: Man sitzt niedrig. Der Allerwerteste schwebt in 705 Millimetern Höhe, der Lenker ist für kurzarmige allerdings ein wenig weit weg, was das Wenden erschwert. Ansonsten passt alles. Auf Knopfdruck rasselt sich der V2 ins Leben. An den scheppernden Sound der ersten zwei Sekunden nach dem Start muss man sich erst gewöhnen. Der 975er-Motor basiert auf dem in der Pan America und der Sportster S verbauten Revolution Max Motor, der in diesen Modellen 1250 Kubik aufweist. Für den Einsatz in der Nightster wurde der Hubraum verringert und die Steuerzeiten geändert. Auch verfügt jeder Zylinder nur über eine Zündkerze, der 1250er hat hingegen eine Doppelzündung. Und so fühlt sich der Antrieb an: vibrationsarm ab dem ersten Meter, lebendig, drehfreudig und kräftig. Die versprochenen 90 PS scheinen glaubwürdig. Bis rund 4500/min serviert der Vau seine Leistung verhalten. Danach explodiert er förmig. Daran muss man sich erst mal gewöhnen. Diese Eigenart ändert sich gefühlsmäßig auch nicht in den drei Fahrmodi "Rain", "Road" und "Sport". Bedingt durch die jeweilige hinterlegte Erhebungskurve der Gasannahme ist sie nur unterschiedlich stark ausgeprägt.

Easy Going

Die Nightster ist weit entfernt vom trägen Lenkverhalten ihrer Urahnen. Mit nur 221 Kilo wiegt sie beispielsweise 39 Kilo weniger als ihre Namensgeberin des Jahres 2009. Das merkt man auf jedem Meter. Zudem konnten die Techniker den Motorradschwerpunkt senken. Der V2 übernimmt nicht nur eine tragende Rolle im Rahmen, sondern ist auch noch tief eingebaut. Hinzu kommt der Tank, der sich unter der Sitzbank befindet und seinen Anteil zum Schwerpunktsenken beiträgt. Unter der in drei Farben erhältlichen Tank-Attrappe steckt ein Haufen Elektronik. Lässig lässt sich die Nightster durch die Kurven schwingen, ihr Lenkverhalten ist spielerisch. Die mit 100/90-19 vorn und 150/80-16 vergleichsweise schmalen Reifen lenken federleicht ein. Allerdings machen die Fußrasten früh Bekanntschaft mit dem Asphalt. Was für den potenten Motor gilt, passt auch bei den Bremsen: vorn beißt ein konventionell verschraubter Vierkolben-Festsattel in eine 320 mm große Scheibe. Sowohl Dosierung als auch Bremsleistung sind in Ordnung und lassen keine Wünsche offen. Zumindest, wenn man das Fahrzeug artgerecht bewegt. Als elektronische Helferlein sind neben einem ABS auch eine Traktionskontrolle sowie eine Motorschleppmoment-Regelung an Bord. Letztere verhindert, dass das Rad beim Herunterschalten bei wenig Grip rutscht.

Harley-Davidson Nightster 975 2022
Chopper/Cruiser

Wermutstropfen

Bleibt trotzdem noch Luft nach oben. Denn das Fahrwerk ist – und da liegen die Amis wieder voll in der Tradition – verbesserungswürdig. Während die 41er-Gabel ihren Job noch verhältnismäßig ernst nimmt, rebellieren die Federbeine sofort, wenn es um Schlaglöcher geht. Der Fahrer bekommt exakt mit, ob er über ein Cent-Stück oder eine Zwei-Euro-Münze rollt. An den Federwegen (114 mm vorn, 76 mm hinten) liegt es nicht, das bekommt Harley bei anderen Modellen auch hin. Ist aber vielleicht die gut verpackte Aufforderung an den Eigner, sein Fahrzeug zu customizen. Bereits ab Verkaufsstart stehen nämlich 67 Customparts bereit, damit der Kunde sein Fahrzeug individualisieren kann. Denn die Nightster, so wurde auf der Präsentation mehrfach betont, sei jenes Bike, an dem sich Customizer am meisten "austobten". Und damit die ideale Ausgangsbasis für alle, die sich kreativ ausleben und ihre eigene Persönlichkeit repräsentieren möchten.

Fazit

Also was nun? Großer Preis für kleines Kino? Mitnichten. Die Nightster ist in der Harley eigenen Modellhistorie eine der besten, die man je gebaut hat. Vielleicht wird sie nie den Kultstatus einer Forty Eight oder 883 Iron erreichen. Aber sie kann wirklich alles besser als die zwei Genannten. Über ihren Erfolg wird allein der Kunde entscheiden. Wir drücken auf jeden Fall die Daumen.

So viel zum ersten Eindruck. Einen ausführlichen Fahrbericht lest ihr in MOTORRAD Ausgabe 10/2022. Das Heft ist ab dem 29. April im Handel.

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