Die Qualitäten der Multistrada V4 haben sich längst herumgesprochen. Bei MOTORRAD gab sich die 2021 erschienene Reiseenduro aus Bologna bislang keine Blöße. Egal ob Top-Test, Alpen-Masters, Reise, Hausstrecke oder im Dauertest über 100.000 Kilometer – überall punktete die Multi V4 mit ihrem beeindruckenden Einsatzspektrum.
V4 Rally mit umfassender Fernreise-Ausstattung ab Werk
Die 2023 nachgeschobene Rally-Schwester toppt ihre Allround-Qualitäten noch mit umfassender Fernreise-Ausstattung ab Werk. Längere Federwege, Drahtspeichenräder, breitere Fußrasten, ein 30 Liter fassender Tank und vieles mehr ermöglichen mehr Reserven im Gelände und Extra-Komfort auf langen Reisen. Mit dem Update für die Saison 2026 (u. a. neues Windschild, Absenksystem, überarbeitet wurden außerdem Hauptständer, das elektronische Kombi-Bremssystem und die Fahrwerkselektronik) bleibt sie ein Weltreisemobil mit Vollausstattung – wie sie erst Anfang des Jahres beim Adventure Masters beweisen konnte.
Feedback der MOTORRAD-Leser spannend und wertvoll
Doch nicht nur die Meinungen der Tester, sondern auch das Feedback der MOTORRAD-Leser ist für Hersteller spannend und wertvoll. In einer weiteren Runde der Test-Aktion "Leser-Experience" hat Ducati Deutschland deshalb vier von 3.061 Leserinnen und Lesern ausgewählt und an den Deutschland-Sitz in Neuburg an der Donau eingeladen. Dort warteten schon drei rote und eine grüne V4 Rally auf die glücklichen Gewinner. Alle brachten viel Reise- und Motorrad-Erfahrung mit, wenngleich auf Fahrzeugen anderer Hersteller.
Nach der Einweisung in die neuen Features und Bedienung, einem gemeinsamen Mittagessen und Fotoshooting hatten Denise, Hans-Peter, Peter und Sebastian vier Wochen Zeit, möglichst viele Kilometer und Erfahrungen zu sammeln. Was sie in dieser Zeit mit der Maxi-Enduro erlebt haben und wie weit sie mit der Multi reisten, erzählen sie uns im Folgenden.
Sebastian Sladek
Verteilt seine Motorradzeit auf Gold Wing, Fireblade und GS. Mit der Ducati spulte er in vier Wochen 3.854 Kilometer ab.

Testeindrücke von Sebastian in den letzten beiden Wochen mit der Ducati Multistrada V4 Rally: "Auch auf unbefestigten Schotterwegen im Enduro-Modus arbeitet das System sehr gut. Der Spritzschutz ist klasse: Meine Sozia wurde selbst nach 3 Stunden Dauerregen an den Beinen kaum nass und blieb gut vor Spritzwasser geschützt."
Zunächst auf dem Arbeitsweg, beim Einkaufen und auf meinen Hausstrecken im Allgäu und Lautertal. Dazu kamen erste Passfahrten in Österreich, um das Fahrverhalten auch im alpinen Terrain zu testen. Später ging‘s zu zweit und mit viel Gepäck zum Gardasee, weiter in die Dolomiten mit der Sella-Runde und über viele weitere Pässe, unter anderem das Stilfserjoch, wieder nach Hause. Dazu bin ich auch solo und auf unbefestigten Straßen gefahren.
Der V4-Motor ist eine Wucht, die Zylinderabschaltung arbeitet unmerklich und der Quickshifter schaltet perfekt. Selbst bei hoher Geschwindigkeit lässt sich das Windschild mühelos verstellen. Das übersichtliche Einstellen der Modi am Lenker ist top. Selbst bei Top-Speed liegt das Bike bombenfest auf der Straße. Auf Landstraßen überzeugt die Rally in Schräglage mit enormer Stabilität, sie lässt sich sehr, sehr gut sportlich bewegen. Der Spritzschutz ist top, und das LED-Kurvenlicht leuchtet die Kehren perfekt aus. Und: Selbst bei einer harten Bremsung am Pass sackt die Rally nicht weg. Als ein Radlader in einer Rechtskurve auftauchte, blieb die Multi bei der Vollbremsung mit einem schnellen Ausweichmanöver nach links absolut spurstabil. Toll: Das automatische Absenken des Fahrwerks gibt beim Anhalten am Berg mit Sozia und vollem Gepäck maximale Sicherheit.
Absolut positiv überrascht hat mich die Performance im Hochgebirge: Selbst oben auf der Passhöhe des Stilfserjochs marschierte der V4 völlig unbeeindruckt durch – ganz im Gegenteil zu dem, was ich von anderen Motorrädern in dieser extremen Höhe an Trägheit kenne! Ein Highlight ist das Fahrwerk: Dass man jeden Modus bei Vorspannung und Dämpfung separat feinjustieren kann, ist genial. Auch die Aero-Klappen verblüffen: Bei 15 Grad schützten sie spürbar vor Kälte und Regen.
Denise Wohlrab
Die Fahrerin älterer BMW-Boxer ist nach fast 2.500 Kilometern nicht nur von den modernen Features der Multistrada begeistert.

Denise: "Auch mit Sozius ist die Ducati Multistrada V4 Rally sehr gut handelbar, was ich nicht gedacht hätte. Ich fahre nicht gerne mit Sozius, aber muss sagen, dass ich da tatsächlich kaum einen Unterschied bemerkt habe."
In den ersten zwei Wochen bin ich hauptsächlich Tagestouren, Alltagsfahrten und Langstrecke gefahren, also fast alles, was man mit einem Motorrad machen kann. Dazu kamen noch ein 600 Kilometer langer Roadtrip zu meiner Familie und ich bin mit einer Freundin als Sozia rund 130 Kilometer durch den Odenwald getourt. Außerdem habe ich ein paar Schotterstraßen fahren können.
Egal, ob kleine Gassen, spitze Kehren, enge Kurvenkombis oder Stop-and-Go im Stau: Sie ist vielseitig, unterstützend und vermittelt mir Sicherheit. Man merkt einfach, dass dieses Motorrad ein guter Allrounder ist. Morgens, noch halb verschlafen, mit reduzierter Leistung und einem komfortabel abgestimmten Fahrwerk zur Arbeit? Kein Problem. Abends den Sportmodus aktivieren, Fahrwerk straffen, die volle Leistung abrufen und mit Freunden eine sportliche Runde drehen? Ebenfalls kein Problem. Selbst hier hat sie mich überrascht: Die Power Nakeds mussten sich ranhalten, um in Kurven mitzukommen. Zu meiner Verwunderung setzen auch bei der Multistrada Rally die Fußrasten auf. Insgesamt vermittelt die Ducati meiner Meinung nach ein hohes Maß an Vertrauen und verbindet das mit Leichtigkeit und Sportlichkeit. Auch mit Sozius ist sie sehr gut zu fahren, was ich nicht gedacht hätte.
Das Motorrad nimmt dem Fahrer viel ab! Einzig bei sehr niedriger Geschwindigkeit oder bei Rutschen im Gelände merkt man ihr das Gewicht an. Außerdem war ich überrascht, wie oft ich wegen der Multistrada bisher angesprochen wurde. Sonst passiert mir das nur mit meinen Oldtimern! Negativ überrascht hat mich leider, dass der Schlüssel beim ganz normalen Tanken abgebrochen ist.
Peter Autsch
Der Franke fährt derzeit eine BMW GS und hatte vor dem Gewinn schon eine Reise nach Italien gebucht. Eine perfekte Gelegenheit, bei der er die V4 Rally auf über 3400 Kilometern intensiv erfahren konnte.

Testeindrücke von Peter in den letzten beiden Wochen mit der Ducati Multistrada V4 Rally: "Die Multi ist für mich ein wunderschönes Motorrad. Das Fahrwerk ist ein Gedicht!"
Nach 230 Kilometern Rückfahrt standen erstmal nur kleinere Fahrten und mal eine Feierabendrunde auf dem Programm. Danach kam noch eine Tagestour an den Rennsteig mit rund 300 Kilometern dazu. Ab dem 15. August ging es dann los Richtung Gardasee und Umgebung. Alle wunderschönen Orte, Straßen und Pässe kann ich gar nicht aufzählen, insgesamt waren es rund 2.500 Kilometer.
Die Multi ist für mich ein wunderschönes Motorrad. Das Fahrwerk ist ein Gedicht! Der Motor geht oben raus wie die Sau. Zusammengefasst: Die Multi könnte für mich DIE Reiseenduro sein, wenn diese Zylinderabschaltung nicht wäre.
Positiv: Der Benzinverbrauch ist mit ungefähr 5,5 Litern auf 100 Kilometer im akzeptablen Bereich. Dabei habe ich die Multi nicht unbedingt geschont – darunter waren viele Kurzstrecken zur Arbeit. Auch auf der Autobahn habe ich richtig Gas gegeben, auf Landstraßen die Beschleunigung richtig ausgenutzt. Was mich leider negativ überrascht hat, ist das Motorverhalten im niedrigen Drehzahlbereich. Mit dieser Zylinderabschaltung bis 4000 Umdrehungen ist mir ein Cruisen auf der Landstraße bei 70 oder 80 km/h im fünften oder sechsten Gang nicht möglich. Dieses Konstantfahrruckeln ist unangenehm, und nur im vierten Gang zu fahren mit hoher Drehzahl widerstrebt mir. Das Gleiche in Ortschaften: Stadtverkehr und durch Dörfer fahren im dritten oder vierten Gang war mir nicht entspannt möglich.
Hans-Peter Hausladen
Der Kilometerkönig dieser Leser-Experience kommt aus dem Bayerischen Wald. Er tauschte die V4 Rally nach 5.325 Kilometern wieder gegen seine BMW Adventure.

Testeindrücke von Hans-Peter in den letzten beiden Wochen mit der Ducati Multistrada V4 Rally: "Auch bei Tour mit einem Tag Dauerregen (mit Koffer) guter Wetterschutz und Spritzschutz (Hinterradkotflügel), der große 30 l-Tank schirmte meine Beine gut ab und die Griff- und Sitzheizung wärmte mich optimal bei dieser Nässe."
Ich bin die schönsten Touren und Pässe im Bayerischen Wald sowie Touren im Naturpark Šumava/Böhmerwald in Tschechien gefahren. Dazu kamen unzählige kleine Nebenstraßen in der Umgebung, Kaffeefahrten mit meiner Frau und eine mehrtägige Tour in die Steiermark.
Im Sport-Modus und mit der automatischen Fahrwerksanpassung hatte ich den meisten Spaß, das Schalten bei hohen Drehzahlen und der brachiale Vortrieb sind ein absoluter Genuss! Man kann sehr zügig fahren und ist trotzdem sparsam unterwegs. Überholen ist kein Problem, auch mehrere Fahrzeuge am Stück. Der Abstandstempomat funktioniert auch bei viel Verkehr auf Bundesstraßen gut. Die Multistrada V4 Rally fährt sich insgesamt extrem vielseitig, stabil und vor allem agil. Praktisch: Bei größerer Schräglage, bei schätzungsweise 42 bis 47 Grad schleifen bei meiner BMW R 1250 GS Adventure die Stiefelsohlen regelmäßig am Teer (ich habe Schuhgröße 46), das ist bei der Ducati nicht so. Auch im Reisealltag hat mich die Ducati überzeugt. Selbst an einem Tag Dauerregen konnte ich den guten Wetterschutz und Spritzschutz genießen, denn der große 30-Liter-Tank schirmte meine Beine gut ab und die Griff- und Sitzheizung wärmten mich optimal bei dieser Nässe. Für meine Sozia brachte der Wechsel von den normalen Haltegriffen zu den Tragegriffen der Alu-Koffer übrigens eine entscheidende Entlastung, sie fühlte sich damit erheblich wohler.
Der relativ niedrige Spritverbrauch – im Schnitt 5,65 l/100 Kilometer! Auf einer 300 Kilometer langen Tour habe ich sogar 4,3 l/100 km geschafft. Überrascht hat mich auch, dass sie sich selbst im Stand nicht so schwer anfühlt, beim Fahren merkt man das Gewicht überhaupt nicht. Mühsam wird es höchstens mal bei vollem Tank auf den Hauptständer.





