154 km/h fährt die schnellste straßenzugelassenen "125er" in Deutschland: die Stark Varg SM. Die elektrische Supermoto fährt damit gut 30 km/h schneller als vergleichbare Verbrenner der Klasse mit ihren maximal 15 PS. Mehr PS hat die Stark zwar nicht eingetragen, tatsächlich ebenfalls exakt 11 Kilowatt oder knapp 15 PS. Doch Elektro-PS und Verbrenner-PS unterscheiden sich grundlegend.
PS sind nicht gleich PS
Beim Verbrenner sind die eingetragenen Kilowatt und die daraus entstehenden PS die Maximalleistung bei einer bestimmten Drehzahl. Mehr geht also legal nicht. Die Elektro-PS sind allerdings nicht die höchste erreichbare Leistung, sondern die Leistung, die der Motor dauerhaft erbringen kann: die Dauerleistung. Was danach kommt, ist im Grunde nicht limitiert, folgt jedoch gewissen Mustern.
Viele Elektro-PS legal und normal bei "125ern"
Die meist deutlich über der Dauerleistung liegende elektrische Spitzenleistung kommt allerdings nicht aus Regularien der Fahrerlaubnisverordnung (FEV). Mit dem Führerschein hat das nichts zu tun. Die entsprechenden Paragrafen 6 und 6b grenzen Hubraum (auf maximal 125 Kubik) ein, legen die Motorleistung auf maximal 11 Kilowatt fest und setzen bei 11 Kilowatt ein Mindestgewicht von 110 Kilogramm ein.
Von elektrischen Fahrzeugen steht hier nichts. Ein Puzzleteil gibt die deutsche Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV). Im Paragraf 2,10 FZV werden Kleinkrafträder mit einer Nennleistung von nicht mehr als 11 Kilowatt klassifiziert. Und das ist der wichtige Hinweis: Nennleistung.
Was ist eigentlich Dauerleistung?
Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Europa (UNECE) schreibt in der Regelung Nummer 85 vor, wie die Nennleistung von Fahrzeugmotoren gemessen wird. Die Nennleistung eines Verbrenners meint das maximale Drehmoment und die Höchstleistung bei voll geöffneter Drosselklappe.
Beim Elektromotor ist das anders: Nennleistung ist die mittlere Leistung, die der Motor bei der vom Hersteller genannten Drehzahl über die Dauer von 30 Minuten leisten kann, nachdem er bereits 3 Minuten bei 80 Prozent der Höchstleistung gelaufen ist. Jedoch: Die Drehzahl muss mindestens 90 Prozent der Drehzahl der Höchstleistung entsprechen. Die Spitzenleistung des E-Motors kann nach dieser Vorschrift deutlich über 11 Kilowatt liegen, wird jedoch erfahrungsgemäß nur für einen kurzen Augenblick erzeugt.
Elektroroller Trinity Saturn GT 300
Wie viel PS braucht ein Motorrad?
Wer den durchschnittlichen Luftwiderstand eines Motorrades berücksichtigt, kann die nötige Leistung für eine bestimmte Geschwindigkeit einfach errechnen. PS=(km/h) /53) ^3. Das ergibt für 100 km/h eine benötigte Leistung von nur knapp sieben PS. Um die 154 km/h der Stark Varg SM zu erreichen, muss der Motor nur 24 PS aufwenden.












