Trend aus China: Enduros mit 3 Zylindern – Zontes und ZXMoto vs. Triumph und MV

ZXMoto und andere Enduros mit Triple
Dreizylinder, Offroad und Premium-Ausstattung

ArtikeldatumVeröffentlicht am 06.09.2026
Als Favorit speichern
Zontes 703 F Adventure (2024)
Foto: Zontes

Wer moderne Twins zwischen 800 und 1.000 Kubik kennt, weiß im Grunde: Eine Enduro um 100 PS mit einem Dreizylinder in dieser Größe ergibt kaum Sinn. Und genau das macht sie so interessant. Die Vorteile des Triples gegenüber dem Twin: Die kleineren Einzelhubräume erlauben höhere Drehzahlen und durch das Plus von einem Zylinder steigen Laufruhe und Komfort. Die Nachteile zum Twin hingegen: Der Dreizylinder benötigt mehr Bauraum im Chassis und ist in den meisten Fällen schwerer als ein gleich großer und starker Twin.

Aber: Da ist natürlich noch der Duft von Exotik, den ein Triple jederzeit freisetzt.

Enduros mit Triple

Entsprechend der Nachteile sind "echte" Enduros mit Triple rar gesät. Und zwar hälftig verteilt auf europäische Premiumhersteller und Newcomer aus China. Und der Plural sagt: Es sind mindestens 4 Modelle in dieser Konfiguration: Dreizylinder, um 100 PS, 19- oder 21-Zoll-Vorderrad und reichlich Ausstattung. In allen Fällen auch "reichlich" Gewicht und in zwei Fällen mit "reichlich" Preis.

ZXMoto 820 X Adventure – 115 PS für 6.000 Euro (in China)

ZXMoto will das Enduro-Segment mit Triple über die 820 X Adventure besetzen. Im Stahlrahmen hängt ein selbstentwickelter Triple mit 820 Kubik. Bekannt aus dem Supersportler 820 RR mit 150 PS, soll er in der Adventure "nur" 115 PS bei 10.000/min leisten, dafür 85 Nm bei 9.000/min. Rein auf dem Papier eine recht spitze Abstimmung, die in gut 220 km/h münden soll.

ZXMoto wählt die straßenorientierte Bereifung in 120/70 vorn und 170/60 hinten, jeweils mit 17 Zoll Durchmesser. Die bisher bekannte Ausstattung wirkt üppig: ABS und Traktionskontrolle sind an Bord, ebenso TFT mit Connectivity und gerüchtehalber eine elektronisch gesteuerte Kupplung. Weiterhin soll ZXMoto über weitere Ausstattungs-Features wie ein Radar-System und semi-aktive Federelemente nachdenken.

Das alles schlägt sich erstmal nicht auf das Gewicht nieder, mit 218 Kilogramm trocken bleibt die 820 X im Rahmen des Segments. Fahrfertig dürfte sie dann knapp über die 230 Kilogramm springen, wenn wir einen noch unbestätigten Tank von 20 Liter annehmen.

Ebenfalls noch offen: der Preis. In China soll die Enduro umgerechnet 6.000 Yuan kosten, was erfahrungsgemäß knapp unter 10.000 Euro werden dürften – wenn die 820x nach Deutschland kommt.

So soll die ZXMoto 820X ADV aussehen

Zontes 703 F Adventure – 95 PS ab 8.770 Euro

Zwar nur knapp 700 Kubik, aber trotzdem mit drei Zylindern: Zontes 703 F Adventure. Sogar mit einem Vorderrad im 21-Zoll-Format. Technisch interessant durch den Alurahmen, der in der Zontes-Palette unter anderem einem Naked Bike, Crossover und Supersportler dient.

Ebenso der Motor mit 95 PS bei 11.500/min und 75 Nm bei 7.500/min, der in dieser spitzen Konfiguration gedreht werden möchte – und wohl muss, denn mit 241 Kilogramm fahrfertig ist die 700er eine recht schwere Enduro. Immerhin mit einem Tank, der 22 Liter Volumen bietet.

Doch es ist einiges drin in den 241 Kilo: Front- und Rückkamera, Keyless-System, TFT mit Connectivity und Smartphone-Spiegelung, Reifendruckkontrollsystem, ABS, Traktionskontrolle, Heizgriffe, elektrisch verstellbares Windschild und ein Quickshifter zum Hochschalten.

Zum Preis (2026) von 8.770 Euro ist die Zontes 703 F Adventure ein Schnäppchen.

Zontes 703 F im Master Test Adventure

MV Agusta Enduro Veloce – 124 PS ab 19.100 Euro

Für den Einstandspreis der MV Agusta Enduro Veloce bekäme man sogar zwei Zontes-Bikes – und hätte noch etwas übrig. Mindestens 19.100 Euro stehen auf dem Preisschild der Italienerin. Dafür bekommt man eine Drezylinder-Reiseenduro mit 124 PS bei 10.000/min, generiert aus stattlichen 931 Kubik, die 102 Nm bei 7.000/min erzeugen.

Optisch sehr groß und als Reiseenduro zu erkennen, doch mit ihrer Radkombination in 21/18 und den Federwegen von je 210 Millimetern je Achse will sie schon deutlich abseits der Straßen bewegt werden. Zu hart soll es dann aber auch wieder nicht zur Sache gehen: Die Bodenfreiheit von 230 Millimeter, der lange Radstand von 1.610 Millimeter und das Gewicht von 240 Kilogramm grenzen den Radius ein.

Außerdem ist fraglich: Möchte ich eine Enduro für knapp 20.000 Euro hart durch's Gelände treiben? Doch für MV-Fans sicherlich eine schöne Option.

MV Agusta Enduro Veloce im Adventure-Test

Triumph Tiger 900 Desert Edition -108 PS ab 16.995 Euro

Trendsetter mit Triples war ab Anfang der 1990er Triumph. Das Comeback startete zwar mit Vierzylinder, doch ab 1991 schon standen Triples im Fokus. Und nach einem kurzen Ausflug in die Welt der Reihenvierer mit der Daytona 600, ist die höchste Zylinderzahl 3.

Und zwar seit 1993 in einer Enduro mit 21-Zoll-Vorderrad, nämlich in der Tiger 900. Die gibt es heute mit einem modernen Triple. Aus 888 Kubik erzeugt dieser doch besondere Motor 90 Nm bei 6.850/min und leistet 108 PS bei 9.500/min.

Das Besondere – und hier schließt sich der Kreis zur erwarteten Ténéré 900: Der Triple zündet unregelmäßig. Anstatt den säuselnden 120 Grad, zündet der T-Plane Motor einmal mit 90 Grad Abstand und dann wieder bei 270 Grad. Das ergibt einen eher bollernden Lauf und soll das Drehmoment im Gelände begünstigen.

Ob der Einfluss auf die gegebenen Fähigkeiten mit 21/17-Rädern sowie den 240 Millimetern Federweg vorn und 230 hinten hat, muss jeder selbst erfahren. Im Rahmen des Bekannten jedoch: 20 Liter im Tank und fahrfertig 231 Kilo schwer. Dazu eine hochmoderne Elektronik und 4 Jahre Garantie, für allerdings üppige 16.995 Euro.

Yamaha Ténéré 900 – wenn dann mit 119 PS für um 15.000 Euro

Und sollte Yamaha die Ténéré 900 wirklich bringen, dann sind die Eckdaten von der Konkurrenz umrissen. Der Triple scheint gesetzt mit 890 Kubik. Und der Teaser Ende August 2026 erlaubt Gedanken an eine wie bei Triumph ebenfalls unregelmäßige Zündfolge. Und vielleicht setzt Yamaha das kreativ um und baut eine Y-plane mit exotischen Zündabständen.

Ob die 119 PS des Triples dann wirklich sein müssen, darf hinterfragt werden. Mehr Drehmoment von um 105 Nm passen zum Konzept deutlich besser. Und die 230 Kilo sollte die Ténéré 900 dann auch nicht reißen. Und zudem am besten unter 15.000 Euro kosten. Wobei sie dann die einzige Enduro der Klasse sein dürfte mit einer optionalen Automatik.

Yamaha Ténéré 900 als Entwurf von Nicolas Petit

Fazit