Irgendwann musste doch etwas brennen
Der Gedanke kam irgendwo zwischen Cattolica und Misano. Die Sonne stand noch tief über der Adriaküste, doch die Hitze lag schon schwer in der Luft. Vor mir: Rot. Hinter mir: Rot. Überall Ducati: Monster, Panigale, Multistrada, Hypermotard. Dazu diese Namen wie aus einer Heldensage: 916, 996, 998.
Alles rasselte, schepperte, lebte.
Mit einer geliehenen Scrambler Nightshift versuchte ich mich Richtung Misano World Circuit durchzuschlagen. Presse, Termine, "Scusi" – half alles nichts. Die World Ducati Week folgt ihren eigenen Regeln. Also schwamm ich mit im roten Strom, begleitet vom metallischen Konzert offener Trockenkupplungen.
Kurz vor der Einfahrt passierte es dann doch: Nicht die Ducati brannte. Nur mein Bein. Ein kurzer Kontakt mit dem heißen Krümmer: Zisssch. Willkommen bei Ducati.
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Global Village, 100 Jahre – und ein Familientreffen in Rot
Ein Espresso später sah die Welt besser aus. Im Global Village feierte Borgo Panigale 100 Jahre Firmengeschichte. Zehntausende Ducatisti waren nach Misano gekommen, um eine Marke zu feiern, die für viele mehr ist als nur Motorrad.
Desmo 450 SM – Ducatis erste Wettbewerbs-Supermoto
Zwischen historischen Ikonen und Zukunftsprojekten standen die Collezione 100, die Superleggera V4 Centenario und Ducatis neue Offroad-Familie. Auf der Bühne präsentierte Vierfach-Supermoto-Weltmeister Marc-Reiner Schmidt die Desmo 450 SM – Ducatis erste Wettbewerbs-Supermoto. Natürlich in Rot.
Und irgendwann begriff man: Das hier ist keine klassische Motorradveranstaltung. Es ist ein riesiges Familientreffen.
Kennzeichen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kroatien, dem Baltikum – sogar Tampa, Florida. Fremdfabrikate? Eine Handvoll. Der Rest: Ducati. Bemerkenswert: die Ruhe im Chaos. Hitze, Lärm, Gedränge – und trotzdem blieb es friedlich, selbst bei langen Wartezeiten für die Ehrenrunde auf dem Kurs.
Legenden ohne Absperrungen
Am nächsten Morgen wieder Stau, wieder Rot, wieder Espresso. Nur dauerte es diesmal nicht lange, bis aus Motorrädern Legenden wurden.
Auf der Haupttribüne drückte mir Rubén Xaus sein Handy in die Hand: Ob ich schnell ein Foto von ihm und Carlos Checa machen könne? Klar. Kaum umgedreht, stand Álvaro Bautista da. Kurz darauf Troy Bayliss. Unten rollte Marc Márquez vom Training zurück, wenig später stieg Casey Stoner vom Motorrad.
Es gibt Veranstaltungen, auf denen Helden hinter Absperrungen verschwinden. Und es gibt Ducati.
Race of Champions und ein deutscher Moment
Beim Race of Champions versammelte Ducati seine Champions aus MotoGP, Superbike-WM und nationalen Meisterschaften: Bagnaia, Márquez, Bulega, Morbidelli, Di Giannantonio – und mittendrin Lukas Tulovic.
Der deutsche EuroMoto-Champion kämpfte zunächst mit seiner Panigale V4 S, doch über Nacht fand sein Team die Richtung. Im Rennen fuhr Tulovic bis auf Platz neun nach vorn – direkt hinter Di Giannantonio und Morbidelli. Der Stand-up-Wheelie auf der Ziellinie sagte mehr als jede Ergebnisliste.
Feuerwerk, Stoner, Bagnaia
Am Abend malten Drohnen Bilder in den Himmel über Misano, Feuerwerk erleuchtete die Rennstrecke. Ducati holte Fahrer, Mitarbeiter, Clubs und Teamchefs auf die Bühne – alle, die aus einem Hersteller eine Geschichte gemacht haben.
Als Casey Stoner erschien, wurde es laut. Sehr laut. Die Ducatisti hatten nicht vergessen, wer ihnen 2007 den ersten MotoGP-Titel schenkte. Stoner lächelte, legte die Hand aufs Herz und sagte nichts. Musste er auch nicht.
Noch größer wurde der Jubel für Francesco "Pecco" Bagnaia. Zwei Weltmeistertitel für Ducati, ein Kapitel für die Ewigkeit. Und als Firmenchef Claudio Domenicali später von einer großen Ducati-Familie sprach, klang es für einen Moment nicht nach Marketing.
Sondern einfach wahr.
Dann verlosch das Feuerwerk über Misano. Der rote Schein blieb.
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