Royal Enfield Bear 650 im Test: 60er-Jahre-Charisma und Herzlichkeit

Royal Enfield Bear 650 im Test
60er-Jahre-Charisma und Herzlichkeit

ArtikeldatumVeröffentlicht am 10.01.2026
Als Favorit speichern

Wir schreiben das Jahr 1960. Staubwolken verdunkeln die Sonne der kalifornischen Wüste, als fast 800 Rennfahrer eines der wichtigsten Offroad-Rennen der Welt erleben: den "Big Bear Run".

Eddi Mulder, ein 16-jähriger Rotzlöffel, startet auf seiner 500er-Royal Enfield Fury als Letzter – und gewinnt! Mit der Startnummer 249 wird der Rookie zum Helden. Heute injiziert Royal Enfields Marketing-Abteilung diesen Mix aus glanzvoller Historie, Markengeist und rauem Heldentum ungefiltert in die neue Bear 650. Die Scrambler-Variante der Zweizylinder-Reihe zitiert "Fast Eddis" Großtat besonders in der hier gezeigten Design-Version "249".

Verbesserung: üppigeres Drehmoment

Beim Fahren (egal welcher Design-Version) wird klar, dass sich die Royal Enfield Bear 650ganz anders anfühlt, als die Interceptor, auf der sie aufbaut. Denn vieles wurde geändert: Rahmenheck, Fahrwerk, Sitzbank, Lenker, Übersetzung und vor allem die Motorabstimmung: Auch dank komplett neuer Abgasanlage (2-in-1) generiert sie spürbar üppigeres Drehmoment und spontaneres Ansprechverhalten.

Der luft-/ölgekühlte 648er-Twin erzeugt aus seinem kurzen, leichten Auspuff eine reizvolle Akustik, er hängt direkt und weich am Gas. 47 PS, 57 Nm? Das fühlt sich nach mehr an, was unsere Messung auch bestätigt. Und im Vergleich zu 500er-Motoren mit gleicher Leistung ist der Twin der Royal Enfield Bear 650 ein faszinierender Geschichtenerzähler: nie langweilig, immer unterhaltsam.

Ab 2.000/min drückt der elastische Twin nach vorn, die Dellen in der Drehmomentkurve spürt man nicht. Bis über 7.000/min zeigt er feine Muskeln. Verbräuche unter vier Litern sind machbar. Laufkultur? Für einen luftgekühlten Motor alter Schule erstaunlich hoch.

Sechsganggetriebe schaltet knackig und exakt

Unangenehme Vibrationen? Fehlanzeige. Lediglich bei hohen Autobahngeschwindigkeiten pocht es im Gebälk. Das Sechsganggetriebe der Royal Enfield Bear 650 schaltet knackig und exakt. Kupplungsloses Hochschalten? Geht, da wird kein Schaltautomat vermisst.

Schon klar, dass dieser SOHC-Antrieb kein Hightech-Wunder ist, aber genau darin liegt sein Reiz, denn er tut das, was er soll mit Hingabe und Stil! Selbst unter hoher Belastung bei 35 Grad Außentemperatur bekommt er dank effektiver Ölkühlung keine thermischen Probleme, die Öltemperatur bleibt erfreulich niedrig.

Dafür steigt die Fahrfreude! Warum? Weil die indischen MRF-Reifen der Royal Enfield Bear 650 richtig gut haften, die Bremsen fein dosierbar kräftig ankern, das Fahrwerk für Handlichkeit und Stabilität sorgt. Zumindest, solange die Straßen eben sind. Bei Verwerfungen im Asphalt wünscht man sich vor allem von den Stereo-Federbeinen hinten eine wirbelsäulenschonendere Ansprache. Die 43er-USD-Gabel von Showa macht ihre Sache besser.

Sitzbank ist schmal und straff

Und sonst? Die Sitzbank ist zwar stylisch, aber schmal und straff, auf Langstrecke muss der Popo öfter gelüftet werden. Klar ist: Die Royal Enfield Bear 650 will kein Moped für Warmduscher sein. Sie ist ein ehrliches Bike mit ein paar Maröttchen, denen man mit Verständnis begegnen muss. Irgendwie fährt ein harter Kerl wie Eddi Mulder halt immer mit, und das bringt ungefilterten Spaß.

Die Verarbeitung ist klasse, das Zubehör-Angebot erweitert die Bear-Fähigkeiten im Alltag und auf Tour enorm, Hupe und Beleuchtung sind spitze. Die Royal Enfield Bear 650 signalisiert: Wer mit mir fährt, soll mit allen Sinnen dabei sein. So, wie Eddi anno 1960.

Fazit