Ärger beim Zulassen: Neue KTMs müssen vor Zulassung kontrolliert werden

Falscher Skandal hat echte Auswirkung
Nagelneue KTMs müssen zum Zulassungs-TÜV

ArtikeldatumVeröffentlicht am 25.09.2026
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KTM 790 Duke (2027) Fahrtest
Foto: Sebas Romero / KTM

Der Kunde eines großen süddeutschen Motorradhändlers war wie vom Donner gerührt: Als er seine frisch erworbene KTM 790 Adventure am 23. September in einer baden-württembergischen Großstadt zulassen wollte, hieß es auf dem Amt: "Nur mit den Papieren (Fahrzeugbrief, CoC) geht das in dem Fall nicht, wir müssen das Motorrad erst sehen."

Der Mann sollte die Reiseenduro bei der Kfz-Zulassungsstelle vorführen, weil man prüfen wolle, ob sie tatsächlich über eine Lambda-Sonde verfüge. Grund dafür ist eine schriftliche Weisung des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg.

Behörden-Irrsin kein Einzelfall

Kein Einzelfall, auch bei anderen Zulassungsstellen in dem süddeutschen Bundesland gab es jetzt offenbar ähnliche Vorfälle mit KTM-Straßenmotorrädern. MOTORRAD-Recherchen förderten daraufhin eine Stellungnahme des Verkehrsministeriums Baden-Württemberg vom 1. September zutage, in der es wörtlich heißt: "Aus Sicht des Ministeriums für Verkehr bietet die aktuelle Berichterstattung zu Krafträdern des Herstellers KTM ausreichenden Anlass, bei der Erstzulassung … die physische Vorführung des Kraftrads bei der zuständigen Zulassungsbehörde zu verlangen."

Das wird nun auch praktiziert, wie das Karlsruher Regierungspräsidium bestätigte: "Alle KTM müssen vor Erstzulassung einer Sichtprüfung durch einen Mitarbeiter der Zulassungsstelle unterzogen werden." Wie das Motorrad zur Zulassungsstelle transportiert werden soll, ist Sache des Besitzers.

Herbei gewünschter Skandal führt zu falschen Beschlüssen

Die zitierte aktuelle Berichterstattung bezieht sich auf die angebliche Aufdeckung eines KTM-Abgas-Skandals durch ein europäisches Recherchenetzwerk, dem u. a. Der Spiegel und das ZDF angehörten; entsprechende Artikel wurden Ende Mai 2026 in ganz Europa veröffentlicht. Allerdings bezog sich der "Skandal" ausschließlich auf eine geringe Anzahl KTM-Sportenduros, die bei Rennen eingesetzt und dafür entdrosselt werden – auf Rennstrecken völlig normal und legal.

Dennoch schrieb zum Beispiel spiegel.de, dass KTM "reihenweise illegale Motorräder auf die Straße" bringe, denn bei der schlampigen Recherche waren Wettbewerbs- und Straßenenduros in einen Topf geworden – wohl weil die Beteiligten von den Unterschieden keine Ahnung hatten.

CDU-Ministerium stellt unter Generalverdacht

Dennoch zeigten die Artikel Wirkung: Im Baden-Württembergischen Landtag stellten mehrere SPD-Abgeordnete Anfang August 2026 einen Antrag an die Landesregierung, sich dazu zu äußern. Das CDU-geführte Verkehrsministerium tat daraufhin in seiner Stellungnahme ein Übriges und stellte gleich alle KTM-Motorräder unter Generalverdacht – weshalb eben der Besitzer der KTM 790 Adventure aufgefordert wurde, sein nagelneues Motorrad bei der Zulassungsstelle vorzuführen.

Ausgang offen, IVM eingeschaltet, TÜV nicht beteiligt

Wie es weitergeht, ist offen. Alle KTMs bei der Neuzulassung einer Sichtprüfung zu unterziehen, dürfte die Zulassungsstellen fachlich und personell völlig überfordern, zudem liegt kein Grund dafür vor. Der Industrieverband Motorrad (IVM) ist bereits eingeschaltet und kümmert sich aktiv um eine Lösung des Problems mit den zuständigen Stellen in Baden-Württemberg.

Aus anderen Bundesländern sind keine entsprechenden Fälle bekannt. Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), TÜV und weitere Prüforganisationen sind in die Vorgänge in Baden-Württemberg nicht eingebunden.

Fazit