Bei Rollerfahrern ist der Anteil der Ganzjahresfahrer deutlich größer, als bei Motorradfahrern. Das ist dem Umstand geschuldet, dass die Straßen im bevorzugten Einsatzgebiet von Rollern – nämlich der Stadt – in der Regel schnell von Schnee und Eis befreit und damit grundsätzlich befahrbar sind. Außerdem bieten viele Roller mit ihrer Kunststoffverkleidung einen guten Schutz gegen winterlichen Schmutz und lassen sich vergleichsweise einfach reinigen.
Drei wichtige Kriterien für wintertaugliche Rollerreifen
Dies mag der Grund für eine erfreulich große Auswahl an M+S-Reifen für Roller sein, die laut Herstellerangaben deutlich besser für winterliche Witterungsbedingungen geeignet sein sollen als handelsübliche Straßenreifen. Dabei spielen drei Kriterien eine wichtige Rolle, die die Eigenschaften von Reifen positiv in Richtung Wintertauglichkeit beeinflussen:
- Eine kälteflexible Gummimischung, die ermöglicht, dass der Reifen bei niedrigen Temperaturen weicher bleibt als ein typischer Straßenreifen. Dadurch kann sich die Lauffläche besser an den Asphalt und an Unebenheiten anpassen.3. Ein wintertaugliches Profil, das mit spezieller Profilgestaltung hilft, Wasser, Schneematsch und lockeren Schnee aus der Kontaktzone zu verdrängen. Ein "offenes" Profil mit größerer Profilhöhe und kleinen Lamellen in den Profilblöcken ist ein Beispiel für ein Profil, das die Wintertauglichkeit erhöhen kann.
- Ein erhöhter Anteil an Silica, also kieselsäurebasierten Füllstoffen, in der Gummimischung unterstützt die Haftung auf kalten, nassen und teilweise verschneiten Untergründen.
- Ein wintertaugliches Profil, das mit spezieller Profilgestaltung hilft, Wasser, Schneematsch und lockeren Schnee aus der Kontaktzone zu verdrängen. Ein "offenes" Profil mit größerer Profilhöhe und kleinen Lamellen in den Profilblöcken ist ein Beispiel für ein Profil, das die Wintertauglichkeit erhöhen kann.
Zusätzlich gibt es herstellerspezifische Spezial-Gummimischungen wie zum Beispiel "Snowtex" des deutschen Reifenherstellers Heidenau. Spezielle textile oder faserartige Bestandteile in der Mischung sollen hierbei die Verzahnung mit losem oder glattem Untergrund verbessern und die Traktion auf Schnee unterstützen.
Wintertaugliche Rollerreifen mit M+S-Kennung
Was bedeutet die Kennzeichnung M+S?
Auf der Reifenflanke markieren die Hersteller ihre winter- oder ganzjahrestauglichen Rollerreifen in der Regel mit dem Zusatz "M+S", was für "Mud and Snow" (auf Deutsch "Matsch und Schnee") steht. Es bezeichnet Reifen im Sinne der internationalen Regelung UN/ECE Nr. 75, deren Laufflächenprofil und Aufbau hauptsächlich darauf ausgelegt sind, bei Schlamm sowie frischem oder schmelzendem Schnee bessere Eigenschaften als ein gewöhnlicher Straßenreifen zu erreichen. Eine standardisierte Prüfung mussten diese Reifen nicht bestehen, denn diese existiert nicht. Die M+S-Kennzeichnung allein belegt daher keine Typgenehmigung als Reifen mit geprüfter Schneetraktion.
Wofür steht das Alpine-Symbol?
Das Alpine-Symbol, das auch als 3PMSF oder "Three Peak Mountain Snowflake" (ein Berg-Piktogramm mit drei Spitzen und Schneeflocke) bezeichnet wird, wird für Reifen verwendet, deren Schneetraktion nach einem definierten Prüfverfahren nachgewiesen wurde. Das in diesem Regelungsrahmen vorgesehene Prüfverfahren ist auf Pkw- und Nutzfahrzeugreifen zugeschnitten und lässt sich nicht ohne Weiteres auf Motorrad- und Rollerreifen übertragen. Die Verwendung des Symbols kann bei Scooterfans den irreführenden Eindruck erwecken, der Reifen unterliege demselben standardisierten Prüf- und Anerkennungssystem wie ein Pkw-Reifen.
Eklatante Unterschiede zwischen Auto- und Motorrad-Reifen
Dass es keinen definierten Test zur Typgenehmigung von Winterreifen für Motorräder und Roller gibt, liegt an der fehlenden harmonisierten Prüf- und Rechtsstruktur. Dies ist den grundsätzlichen Unterschieden zwischen Auto- und Motorrad-Reifen geschuldet.
Bei Pkw gibt es vier Reifen-Aufstandsflächen, eine relativ gleichmäßige Lastverteilung und auch bei Kurvenfahrt weitgehend unveränderte Kontaktflächen zur Fahrbahn. Dadurch lassen sich Brems- und Traktionsverhalten gut standardisiert prüfen.
Zweiräder hingegen verfügen nur über zwei Reifen-Aufstandsflächen, die Pneus müssen starke Lastverlagerungen beim Bremsen und Beschleunigen verarbeiten und erhebliche Schräglagen in Kurven verkraften, wodurch sich die Aufstandsflächen zusätzlich verändern. Außerdem verfügen sie über eine andere Karkassen- und Profilkonstruktion und haben mit Wechselwirkungen zwischen Reifen, Fahrzeugneigung und Lenkung zu kämpfen.
Ein Schneetraktionstest für Motorräder oder Roller wäre deshalb sehr viel umfangreicher: Er müsste zusätzlich die Aspekte Schräglage, Seitenführung, Bremsen in Kurven, unterschiedliche Achslasten, den Einfluss des Fahrers sowie die eingeschränkte Stabilität eines Zweirads auf glatter Fahrbahn berücksichtigen. Das heißt: Für Zweiradreifen existiert kein allgemein gleichwertiges, international harmonisiertes Prüfverfahren, aus dem dieselbe rechtliche Aussage wie beim Alpine-Symbol für Pkw-Reifen abgeleitet werden kann.












